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Kavallerieverein Winterthur und Umgebung, KVW

Wed Jan 13 00:00:00 UTC 1875
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In den ersten hundert Jahren stand die „Förderung der Militärtauglichkeit von Ross und Reiter und die Pflege der Kameradschaft“ im Vordergrund. Nach der Abschaffung der Kavallerie in der Armee 1972 wandelte sich der Pferdesport. Es stehen nicht mehr Härte und Robustheit als optimale Ziele im Vordergrund, sondern unter anderem Leichttrittigkeit, Leistungsvermögen und nicht zuletzt die Eleganz und Schönheit der Tiere.

Die Gründungsgeschichte des Kavallerievereins Winterthur und Umgebung war nicht ganz einfach. Es brauchte drei Gründungen 1875, 1884 und 1896 bis der Verein die Anfangsschwierigkeiten überwunden hatte und zu einem langen und guten Vereinsleben fand. Am 12. April 1896 fand die Dritte und endgültige Gründung im Hotel Löwen am Graben statt. Wachmeister Hüblin, der ehemalige Präsident des Vorgängervereins gab dabei seine Genugtuung kund, dass nun eine gute gesunde Grundlage für eine standhafte Vereinigung geschaffen sei. Im Vordergrund standen ganz eindeutig die Belebung des Wehrgeistes und die Förderung der Kriegstüchtigkeit. Mit Oberst Ulrich Wille, dem späteren General im ersten Weltkrieg, begann ab 1891 die Zeit des Aufblühens der Reiterwaffe und des erfolgreichen Wirkens der Reitvereine. Es galt die Maxime, dass eine brauchbare Kavallerie ohne dauernde Anstrengungen ausser Dienst nicht möglich sei. Aber immer stand zeitgleich die Pflege der Kameradschaft im Fokus aller Bemühungen.

Das Organisieren von reiterlichen Prüfungen war für diese Vereinszwecke eine Selbstverständlichkeit. Gelände- und Patrouillenritte, Vielseitigkeitsprüfungen und Reitermehrkämpfe, in denen der Reiter in verschiedenen Sätteln anzutreten hatte, standen im Vordergrund. Aus den Reiterspielen und Kirchturmritten wurden ernsthafte Prüfungen mit dem Zweck, die Gewandtheit des einzelnen Reiters zu fördern. Das Reiten und die sportliche Tätigkeit mit Pferden entwickelten sich stark und breit, auch in die zivile Bevölkerung hinein. So konnte nach der Abschaffung der Kavallerie 1972 problemlos in eine neue Ära eingetreten werden. Auch die Frauen hatten in der Zwischenzeit das Reiten als Freizeitsport entdeckt und wollten sich auch als Mitglieder im Kavallerieverein einschreiben lassen. Dies war ab 1973 möglich (Beschluss der GV).

Für die Organisation der diversen Veranstaltungen und im Besonderen für die Springkonkurrenz war ein geeigneter Platz die Voraussetzung. Bis 1950 fanden diese auf der Schützenwiese statt. Die Reiter mussten hier den Fussballern weichen. Das Deutwegareal und die Zeughauswiese waren nächste Stationen, die aber nicht überzeugen konnten. So beschloss der Verein vorerst keine Publikumsveranstaltungen mehr durchzuführen, bis wieder ein geeigneter Platz gefunden sei. Das war 1961 der Fall, als auf der Waldwiese „Im Güetli“ auf dem Wolfensberg am 17. und 18. Juni die erste neue Springkonkurrenz stattfand. Der Anlass entwickelte sich prächtig und gehörte bald zu einer der beliebtesten Veranstaltung und war aus dem Jahreskalender, nicht nur von Reitern, kaum mehr weg zu denken. Die Waldwiese mit wenig Umfeld genügte den Ansprüchen gegen Ende des 20. Jahrhunderts aber immer weniger. Es mussten neue Möglichkeiten geprüft werden, zumal auch die zur Verfügung stehenden Reithallen Teuchelweier und Lindberg mehr als ungenügend waren.

So musste ab dem Jahr 2000 auf die Durchführung der Springkonkurrenz auf dem Güetli, das Grundstück war inzwischen im Besitz des Vereins, verzichtet werden. Um die positive Entwicklung des Kavallerieverein Winterthur nicht zu gefährden, wurde nach neuen Möglichkeiten gesucht. Ziel war es einen Concours- und Übungsplatz zusammen mit einer Reithalle zu finden und zu realisieren. Nach rund zehn Jahren Verhandlungen und Projektierens war es dann am 16. Dezember 2009 soweit, dass auf dem Sporrer in Wülflingen die Aufrichte für eine neue Pferdesportanlage gefeiert werden konnte. Am 2. Oktober 2010 wurde die Reitsportanlage Sporrer eingeweiht.

Die Realisierung dieses Projektes war möglich geworden, weil die Stadt dem KVW das Güetli abgekauft hatte und von dieser im Gegenzug Land neben der Fussballanlage auf dem Sporrer abgetreten worden ist. So ist eine 2400 Quadratmeter grosse Reithalle und ein rund eine Hektare umfassender Wiesenplatz zum Reiten entstanden. Auch ein Vereinsstübli und ein Juryhäuschen fehlen nicht. 1,8 Millionen Franken hat der KVW investiert. Unterstützung gewährten verschiedene Sponsoren und die Stadt Winterthur (Fr. 300'000.- Investitionsbeitrag). Mit dieser neuen Sportanlage bietet der Kavallerieverein Winterthur seinen Mitgliedern neu ein breites Feld von Pferdesport-Möglichkeiten konzentriert an einem Ort an. Das gilt für das Reiten und die Ausbildung, sowie auch für die Durchführung von Spring- und Fahrturnieren und Prüfungen aller Art. Im Bereich Ausbildung werden verschiedene Kurse wie Spring-, Dressur- und Fahrtrainings angeboten.

Dem KVW gehören gegen 300 Vereinsmitglieder an. Davon sind in den Neuzeit in zunehmendem Masse Reiterinnen vertreten. Von zehn Neueintritten sind acht Frauen.

Die Güetliwiese wird zur Allmend, also ein Freizeittummelfeld für alle Veltheimer.

Die Präsidenten/Präsidentinnen des Kavalllerievereins Winterthur
vor 1884 Fritz Schoellhorn
1885-1886 Jacob Germann
1887-1891 Ad. Hüblin
1896-1899 Benno Rieter
1900-1901 Albert Weiss
1902 Ernst Weilenmann
1903-1904 Werner Kübler
1905-1906 Jules Widmann
1906-1908 Witzig
1909-1910 A. Leimbacher
1911-1912 Ed. Früh
1913-1917 H. Keller
1918-1920 Bernhard Siegrist
1921-1923 Ernst Daniel
1924-1925 Jules Widmann
1926-1927 Max Baer
1928-1931 Walter Gubler
1932-1936 Jules Hartmann
1937-1938 Theo Peter
1939-1941 Ferdinand Baltensperger
1943-1945 Albert Frei
1946-1950 Hans Pfister
1951-1952 Georg Sträuli
1953-1957 Alfred J. Büchi
1958-1963 Werner Rösli
1964-1969 Fritz Jost
1970-1977 Urs Daniel
1978-1986 Hans Looser
1986-1995 Werner Hediger
1995-2002 Andres Baltensperger
2002-2006 Max Huth
2006-2010 Beat von Ballmoos
seit 2010 Christine Sieber

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