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Holidi, der Holzmann

Wed Jun 06 00:00:00 UTC 1984

Holidi, der Riese aus Holz, seit 1986 ruht er gemächlich im oberen Graben. Er ist ein beliebtes Kletterobjekt für jung und klein.

Holidi, der elf Meter lange Mann aus Eichenholz wurde vom Göpf Horak entworfen und vom Künstler und Bildhauer Werner Ignaz Jans für die „Lignum“, die Dachorganisation der Schweizer Holzwirtschaft als Spielfigur für Kinder erstellt. Nach Lausanne, Basel und kurze Zeit in der Marktgasse erfreut er seit 1986 jung und alt als Klettergerät und Ruheplatz und vieles mehr im Graben. Er bildet heute ein nicht weg zu denkender Bestandteil der Grabenallee. Vom anfänglichen Widerstand gegen den nackten hölzernen Kerl ist heute nichts mehr zu spüren. (Graben, 50 Jahre IG)

Der Name "Holidi" ist gebildet aus "homo lignum diligens", was heisst, der Mensch, der das Holz liebt.

Foto: Winterthur Tourismus

Der Holzmann hat inzwischen, er geht gegen die Dreissig, unter den Einflüssen des Wetters und den Strapazen der vielen Kinderschuhe gelitten. Zwar wurde er 2009 renoviert, doch die Risse und Runzeln werden immer grösser. Sein Erschaffer, der Künstler Jans, meint: „Jeder muss einmal gehen“ und hat nichts dagegen, wenn Holidi weggeschafft wird. Eine Renovation lohne sich nicht. Das Kulturamt hat nun drei Künstler eingeladen Entwürfe und Projekte für einen Ersatz vorzulegen. Bis im Frühjahr 2014 soll diese Auswechslung stattfinden. In der Bevölkerung regt sich nun aber Widerstand. Eva Bärtschi, die den Miniatur-Holidi schaffen liess und zum Kauf anbietet wehrt sich gegen die Liquidation und sammelt Unterschriften. „Winterthur verliert ein Wahrzeichen. Es kann nicht sein, dass man diese Figur einfach wegbringt.“ Wie geht es weiter? Niemand weiss es. Bis März 2013 hätten die Vorschläge der eingeladenen Künstler vorliegen sollen. Vorerst herrscht aber Stillschwiegen! Ob wohl die Sparübungen der Stadt das Leben des Holidi verlängert?

Fast 10‘000 Personen setzten sich über Facebook für den Erhalt des beliebten Holzmannes ein. Diese friedliche Demonstration hinterliess beim für die Kultur zuständigen Regierungsmitglied, Stadtpräsident Mike Künzle, keine Wirkung. Am 14. August 2013 wurde die Öffentlichkeit informiert. Der Winterthurer Künstler Andreas Fritschi hat den Projekt-Wettbewerb für die Holidi-Nachfolge gewonnen. Die neue Skulptur „Plaza“ besteht aus zwei 10 und 12 Meter langen Holzflächen, einem Tisch und einer Bank. Der Künstler spielt mit den Gegensätzen: hoch und tief, gerade und schräg, schwebend und gestützt. Der Anspruch an ein „soziales Kunstwerk“, so die Verantwortlichen, ist damit eingelöst. Dass es der Stadtregierung mit dem Entscheid nicht ganz wohl ist, belegt die Absicht, für den Holzmann ein Abschiedsfest zu organisieren und ihn anschliessend am Waldrand im Friedhof Rosenberg zur letzten Ruhe zu legen!

Foto: wintipix.com

Abschied aus dem Graben

Am 10. September 2015 war es geschehen. Die Kunstverständigen des Winterthurer Kulturamtes beharrten auf ihrem Entscheid die meistbeachtete Holzskulptur aus der Altstadt zu entfernen. Tatkräftige Mitarbeiter der Stadtgärtnerei demontierten den geliebten Holzmann in der Graben-Allee. Er wurde auf einen Lastwagen geladen und in den Friedhof Rosenberg transportiert. Er soll dort eine letzte Ruhestätte erhalten. Im Graben soll er durch die moderne Holzskulptur ‚Plaza‘ ersetzt werden.

Foto: Landbote (Marc Dahinden)

Holidi zum Mitnehmen

Seit Dezember 2006 gibt es nun die Holzfigur auch im Kleinformat zum Mitnehmen. Initantin ist Eva Bärtschi vom Octopus Schmuckgeschäft an der Metzgasse 18. Als Produktionsstätte der kleinen Figuren hat Eva Bärtschi die Wohn-, Arbeits- und Beschäftigungsstätte von Schloss Herdern gewählt. Für die Feinarbeit sorgt der Hobbyschnitzer und Stadtpolizist Erich Schanderhazi. Er ist zu haben für 120 Franken im Schmuckladen Octopus (Oberer Graben 8), Fotomuseum und bei Orell Füssli.

Holidi im Friedhof Rosenberg

Dass die Modernität an Graben einziehen konnte, musste Holidi zügeln. Seine "letzte" Ruhestätte hat er auf dem Friedhof Rosenberg gefunden.

Zu finden ist Holidi hinter der Abdankungskapelle und hinter einer Urnenwand am östlichen Rand des Friedhofs. Ein direkter Zugang aus dem Lindbergwald ist dort möglich.

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