w i n t e r t h u r - g l o s s a r . c h


Peterhans Walter, Gewerbetreibender, 1948-2005

Walter Peterhans
Tue Oct 12 00:00:00 UTC 1948
Wed Oct 12 00:00:00 UTC 2005

Winterthur verliert im April 2005 einen innovativen und beliebten Gewerbetreibenden und aktiven Kulturförderer. Walter Peterhans war im 57. Lebensjahr und ist überraschend an den Spätfolgen eines Zeckenbisses gestorben.

Walter Peterhans war eine Persönlichkeit, die lieber im Stillen, im Hintergrund wirkte. Das Rampenlicht überliess er gerne andern. Sein Engagement galt einerseits seinem Geschäft und Winterthur. Seine Heimatstadt war im alles.

Peterhans hat das traditionsreiche Schuhgeschäft gleichen Namens bereits in der vierten Generation geführt. Das 1591 erbaute und unter Denkmalschutz stehende Altstadthaus zwischen Marktgasse und Stadthausstrasse, in dem er selbst lebte, hat er mit viel Aufwand unterhalten. Im Untergeschoss hat er der Kultur Platz eingeräumt: Seit Jahren ist der Peterhanskeller mit seinen Lesungen, Theateraufführungen und Konzerten ein fester Bestandteil des hiesigen Kulturangebotes. Das Gleiche gilt für die Galerie Kunsttreppe.

Das Schuhaus Peterhans hat eine lange Geschichte. Ein Ahne der Peterhans-Familie namens Bianzano hatte 1879 das bestehende Schuhhaus Walser übenommen. 1911 ging das Geschäft an Frau Berta Peterhans-Bianzano über. 1927 wurde das Haus zur Hoffnung an der Marktgasse 24 zusammen mit dem Hinterhaus Stadthausstrasse 61 erworben. Durch einen umfassenden Um- und Ausbau wurden zweckmässige Räume für ein modernes Schuhgeschäft geschaffen. Dabei wurde aber das Haus aus dem 16. Jhdt. hinter klassizistischen Fassaden und einem reichen Rokoko-Intérieurs keineswegs beschädigt, sondern restauriert und gepflegt. 1981 hatte Walter Peterhans die Geschäftsleitung bis zu seinem Tode übernommen. Zwei Jahre später ging es in neue Hände über. (Siehe beigefügtes Dokument)

Das Engagement von Walter Peterhans endete aber nicht vor seiner Haustüre. In der City-Vereinigung Junge Altstadt setzte er sich als Präsident und Verwaltungsmitarbeiter während mehr als zwanzig Jahren für eine schöne Altstadt mit einem guten Gewerbemix ein. Walter Peterhans war ein Mann der unkonventionellen Ideen. So veranstaltete er etwa aus Anlass des 125-Jahr-Jubiläums seines Schuhhauses eine Modeschau mit hochhackiger Fussbekleidung aus Carbon-, Glas- und Naturfasern, kreiert von zwei jungen Winterthurer Künstlern. Als der innovative Gewerbler im Jahr 2001 die Fassade zur Stadthausstrasse durch Kunstschaffende verschönern lassen wollte, machten ihm die Behörden einen Strich durch die Rechnung, indem sie sein Projekt stoppten. Walter Peterhans, von Angehörigen und Kollegen «Stöps» gerufen, legte nicht zuletzt auch Wert auf langjährige Freundschaften. So traf er regelmässig seine vier «Dampf- und Schwitzkameraden» zum Schwatz in der Sauna, oder er liess mit ehemaligen Handelsschulkollegen im Rahmen des so genannten «Snack»-Clubs die Erinnerungen an die Schulzeit aufleben.

Die Spätfolgen eines Zeckenbisses haben nun dem erfüllten Leben des 57-Jährigen ein jähes Ende gesetzt. Peterhans litt ein Jahr lang unter der heimtückischen Lyme-Borreliose, einer Infektion des Nervensystems. Sie führte unter anderem dazu, dass er seine Sprechfähigkeit zusehends verlor und massiv abmagerte. Trotz der schweren Erkrankung hatte aber niemand mit einem so raschen Tod gerechnet.

Hope Crenshaw, die Lebenspartnerin des Verstorbenen und seine Schwester Verena Müller-Peterhans, die die Leitung des Geschäftes übernommen hatte, liessen sich in der Nachfolgefrage Zeit. Ziel war es, das traditionsreiche Geschäft als eigenständige Firma zu erhalten, wie Walter Peterhans es in seinem Testament festgehalten hatte. Im Herbst 2007 haben Frieda, Guido und Kurt Gretener das Schuhhaus übernommen. Sie führen bereits im Raume Zug drei Schuhgeschäfte. Lukrative andere Angebote hat die Erbengemeinschaft ausgeschlagen. Die Nachfolger wollen das Ladengeschäft im Sinn und Geist von Walter Peterhans, also in einem hohen Standard, weiterführen. Auch der Name Peterhans soll bleiben. Die Liegenschaft wurde 2008 an die AXA Winterthur verkauft. Der für zahlreiche kulturelle Aktivitäten genutzte Peterhans-Keller wird durch Hans-Heinrich Rüegg (Sommertheater-Direktor) vorderhand weitergeführt. Die Galerie Kunsttreppe hingegen wird leider aufgehoben.

Angaben zum Haus

Das Haus "Zur Hoffnung" an der Marktgasse 24/Stadthausstrasse 61, in dem sich das Schuhhaus Peterhans befindet, ist im 16. Jhdt. gebaut worden. Hinter den klassizistischen Fassaden haben sich Rokoko-Intérieurs aus der Umbauzeit von zirke 1771 erhalten. Diese umfassen ganze Zimmerausstattungen mit Parkettböden, Täfer, Stuckdecken und Kachelöfen.

Auf dem Kirchplatz (nähe Gewerbemuseum) steht seit dem 5. Juni 2008 eine fantasievolle Sitzskulptur des Holzbildhauers Erwin Schatzmann. Die Winterthurerin Hope Crenshaw hat damit ihrem 2005 verstorbenem Lebensgefährten Walter Peterhans ein Denkmal gesetzt. Aus dem Wipfel der Rosenberg-Eiche, die 2006 am Pilgerweg aus Sicherheitsgründen gefällt werden musste, entstand dieses Werk.

Geschäftsleute
nach oben ↥
nach oben ↥
link