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Kantonschule Winterthur

1928

Kantonsschule

Rychenbergstr. 110

8400 Winterthur


1862 entstand aus der Winterthurer Industrieschule und dem Knabengymnasium die Kantonsschule Winterthur. Inzwischen ist sie an drei Standorten zu Hause. Die Kantonsschulen Im Lee, Rychenberg und Büelrain decken die komplette Palette an Maturitätsprofilen ab. Zudem sind auch Fach- Handels- und Informatikschulen vertreten. Das Einzugsgebiet reicht von Uster über Bülach bis nach Schaffhausen und die Grenze zum Thurgau.

Stadtbibliothek Winterthur

Der Vorgängerbau

Die Höhere Stadtschule Winterthur wurde 1832 durch ein neues kantonales Unterrichtsgesetz strukturiert. Bald darauf errichtete die Stadt ein repräsentatives Gebäude, das Neue Knaben-Schulhaus (heute Museum Oskar Reinhart an der Stadthausstrasse). Es wurde 1838-1842 von Leonhard Zeugheer im spätklassizistischen Stil geschaffen. Dieser erste öffentliche Bau neben der Altstadt beherbergte verschiedene Abteilungen: die "untere Knabenschule" (seit 1864 im Altstadtschulhaus), die "obere Knabenschule" (gegliedert in Gymnasium und Industrieschule), die Gewerbeschule sowie Stadtbibliothek und Naturwissenschaftliche Sammlungen (bis zur Eröffnung des Kunstmuseums Winterthur im Jahre 1916). Das palastartige Bauwerk brachte den Stolz der Bürgerschaft über ihre kommunale Selbständigkeit und die Bedeutung grosszügiger Bildungsförderung zum Ausdruck. Über der Eingangshalle symbolisieren die Skulpturen von Zwingli, Pestalozzi, Konrad Gessner und Johann Georg Sulzer (Prof. für Ästhetik) die Bedeutung von Religion, Erziehung, Wissenschaft und Kunst. 1862 entstand aus der Winterthurer Industrieschule und dem Knabengymnasium die Kantonsschule Winterthur.

Foto Christoph Bantli

Die Neubauten

Drei wesentliche Neubauten waren nötig, um der stetig wachsenden Schülerzahlen gerecht zu werden. Dem Hauptgebäude „Im Lee“ wurden in den 1960er-Jahren das neue Schulhaus „Rychenberg" beigefügt, das dann 1990 und 2007 mit je einem Neubau ergänzt wurde. 1992 entstand mit dem Schulhaus „Büelrain“ auf der anderen Stadtseite, hinter dem Technikum, die Abteilung Wirtschaftsgymnasium. Die Provisorien in der Villa Bühlhalde und den beigefügten Varielbauten sind Notlösungen. 2015 wurde der Startschuss gegeben, das altehrwürdige Schulhaus „Im Lee“ zu sanieren und zu erweitern (Dachgeschoss). Ziel ist, die Schulräumlichkeiten in den Provisorien wieder im Stammhaus zu integrieren.

Foto: wintipix.com

Kantonschule im Lee

1919 wurde diese weitgehend von der Stadt getragene Schule kantonalisiert. Bald danach vermochte sie die stark angewachsene Mittelschule nicht mehr zu fassen. Ein Neubau schaffte Abhilfe: die Kantonsschule im Lee. Als Bauplatz wurde eine Parzelle am Südfuss des Lindbergs an der Rychenbergstrasse ausgewählt. Trotz lebhafter Kritik wegen der Entfernung zum Bahnhof liess der Kanton 1925-1928 dort eine geräumige Schulanlage erstellen. Als Architekten kamen die von 1907 bis 1950 im ganzen Kanton erfolgreichen Gebrüder Pfister (Otto und Werner) zum Zuge. In der Folge wurde das Schulhaus mehrmals erweitert, Neubauten und Provisorien erstellt, um der wachsenden Schülerzahl gerecht zu werden

Das Projekt 'Zeitgeist' der Gebrüder Pfister für die Kantonsschule Im Lee zeichnete die Jury mit dem ersten Preis aus, da es

Fotosammlung Siegfried Schlesiger

Das Äussere variiert -im Zeitgeschmack der Neuen Sachlichkeit -ein traditionelles Palastschema. Den langen Haupttrakt auf dem durch Rampen erschlossenen "Sockel" (mit Turnhallen und Aula bzw. Mensa) flankieren zwei vorspringende Flügelbauten; zusammen bilden sie einen nach Süden offenen Hof, der in den Pausen gerne frequentiert wird. Das Mauerwerk der Fassade ist verputzt und (wie der Bahnhof Enge, erbaut 1925-27) durch Granitelemente gegliedert.

Im Inneren wechseln grosszügige Hallen mit schmaleren Gängen ab. Den rötlichen Klinkerböden antworten grünlich gestrichene Wände und weisse, durch Querbalken kräftig gegliederte Decken. Der häufig geäusserte Eindruck eines "grauen" Schulhauses lässt sich nur partiell -an den Zimmertüren -durch Beobachtung stützen. Die soliden Eichenparkettböden der Schulzimmer wirken heute fast luxuriös.

Die ehemalige Knabenschule an der Stadthausstrasse wurde, nach einer Phase unterschiedlicher Nutzungen und einem gründlichen Umbau, 1951 als Stiftung Oskar Reinhart eröffnet -das heutige Museum Oskar Reinhart am Stadtgarten.

Foto Christoph Bantli

Kantonsschule Rychenberg

Die Gebäude der Schule Rychenberg wurden in den 1960er-Jahren von Eric Lantner als leicht wirkende Flachdachbauten im Stil von Le Corbusier konzipiert. 1990 ergänzten die Winterthurer Architekten Stutz und Bolt die Anlage durch einen Neubau für naturwissenschaftliche Fächer.

Die folgende laufende Erneuerung des Schulhauses hat zum Ziel, entstellende Einbauten von früher zu entfernen, alte Raumstrukturen neu erlebbar zu machen und notwendige bauliche Massnahmen mit neuem Feingefühl abzustimmen auf die unbestreitbaren architektonischen Qualitäten der Bauwerke.

Foto Christoph Bantli

Die Kantonsschulen Rychenberg und Im Lee erhielten 2007 einen Erweiterungsbau. Er soll die seit längerem bestehenden Raumprobleme lösen. Der Neubau kommt auf 27,5 Mio. Franken zu stehen. Am 28. Oktober 2004 hat der Spatenstich stattgefunden. Am 4. Oktober 2007 wurde der Ergänzungsbau eingeweiht und in Betrieb genommen. Die Schulhauserweiterung vor dem Hauptbau und der Aula entsteht nach einem Projekt des Berliner Architekten Jost Haberland. Es enthält eine Dreifachturnhalle, eine Mediothek, sechs Klassen- und drei Musikzimmer. Der neue prägnante Baukörper soll Sinnbild für den hohen Stellenwert von Büchern und digitalen Medien im Bildungsbereich sein. Der gesamte Gebäudekomplex nimmt Rücksicht auf die Optik der bestehenden Schulhäuser. Die Klassentrakte wurde deshalb in einem langen, flachen Baukörper angeordnet und das Volumen der Dreifachturnhalle halb in den Boden versenkt. Dank einer hochwärmegedämmten und dichten Gebäudehülle sowie modernen Haustechnik erfüllt der Neubau den Minergie-Standard. Die baufälligen Turnhallenprovisorien werden abgebrochen und mit einer Aussensportanlage ersetzt.

Kantonsschule Büelrain

Die Kantonsschule Büelrain wurde 1874 als Handelsabteilung des Technikums Winterthur gegründet und 1962 um eine Maturitätsabteilung erweitert. Heute kann man im Gymnasium mit Profil Wirtschaft und Recht innert vier Jahren eine gymnasiale Maturität erwerben. Die Handelsmittelschule und die Informatikmittelschule führen zur kaufmännischen Berufsmaturität mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis. Die Schule wirbt für sich vor allem mit der Vielfalt an Wahl- und Kombinationsmöglichkeiten.

24 Jahre musste sie in Barackenprovisorien ausharren. 1992 konnte die jüngste der drei Kantonsschulen in einen Neubau hinter dem Technikum an der Rosenstrasse einziehen. Der Betonbau des Winterthurer Architekten Arnold Amsler war gewöhnungsbedürftig, aber unter dem Aspekt der geeigneten Lernumgebung für Gymnasiasten durchaus angemessen.

Dass der kühle Bau trotz allem niemanden kalt lässt, zeigen die vielen unterschiedlichen Reaktionen, die von Begeisterung bis Ablehnung reichen. Während die einen die Schroffheit der grossen Betonwand und die schluchtartige Verjüngung der beiden Gebäudekörper als gefängnissartige Einengung empfinden, loben andere gerade diese Elemente und die Kompromisslosigkeit dieser Schulhausarchitektur, die bisweilen an sakrale Baudenkmäler und an Schiffsbau erinnern. Nach dem Raumnot wieder überhandnahm und erneut viele Provisorien geschaffen werden mussten, wurde 2009 ein neuer Zusatzbau vorgestellt. Aus einem Planungswettbewerb wurde ein Siegerprojekt des Zürcher Architekten Jonas Wüest vorgestellt. Die Realisierung ist vom Kanton nun aber aus finanziellen Gründen aufgeschoben worden. Im Sommer 2015 beschloss der Regierungsrat die Realisierung in Angriff zu nehmen. Der Bezug soll 2019 erfolgen können.

Büelrain: Kunst am Bau

Der künstlerische Schmuck des „Büelrains“ ist bemerkenswert, weil auserlesen und speziell. Er wurde gestaltet von Bendicht Fivian (*1940) und seinen zwei Berner Kollegen Markus Raetz (*1941) und Balthasar Nurkhard (*1944). Im hohen Erschliessungsgang schwingt ruhig und lautlos das 12m lange Pendel. Dieses Objekt-Kunstwerk Fivians wird durch eine speziell für diese Konstruktion erfundene Mechanik gesteuert. Fotografien (Burkhard), Acrylmalereien (Fivian) und Heliogravuren bzw. ein Draht-Objekt (Raetz) ergänzen gezielt und gekonnt die trockenen Betonmauern.

Fotos vom weiteren Objekten in der Bildergalerie.

Die Mädchenschule

Im Jahre 1546 wurde in der Geschichte der Stadt Winterthur zum ersten Male eine «Meitlischul» erwähnt.1586 wurde sie neu geordnet, wobei man feststellte, dass die 60-70 Schülerinnen, welche diese Schule besuchten, «des Lesens, Schreibens und Psalmen-gesangs kundig waren». 1694 trennte man die Schule in zwei Klassen, eine für die jüngeren und eine für die älteren Mädchen. In den Jahren 1775 und 1790 wurden eine dritte und eine vierte Schulklasse eingeführt. 1821 erweiterte man die Mädchenschule auf fünf Klassen. Deutsch, Geschichte und Geographie wurden Kernfächer. 1837 begann der Unterricht in französischer Sprache, und 1846 führte man erstmals das Turnen ein.

1859 trennte man die unteren Klassen ab und gliederte sie der Primarschule an. Die Mädchenschule bestand von da an nur noch aus vier Klassen, welche an die Primarschule anschlossen. 1871 fielen drei Klassen der bisherigen Mädchenschule der neuen Mädchensekundarschule zu. Gleichzeitig wurde aber die Mädchenschule um drei Jahre nach oben erweitert und diente von da an speziell der Lehrerinnenausbildung. 1881 übernahm der Kanton diese «Seminarklassen», so dass die Mädchenschule nur noch zwei Jahreskurse im Anschluss an die Sekundarklasse umfasste und den Charakter einer allgemeinbildenden Mädchendiplomschule annahm. Mit der Verstaatlichung des Gymnasiums und der Oberrealschule im Jahre 1919 regelte man auch die Stellung der Mädchenschule neu. Die Verhandlungen führten zum «Vertrag zwischen dem Regierungsrat des Kantons Zürich und dem Stadtrat von Winterthur über die Führung der höheren Mädchenschule der Stadt Winterthur durch den Staat» vom 12./26. Mai 1925. Die Leitung der Mädchenschule wurde durch diesen Vertrag dem Rektor der Kantonsschule, die Aufsicht dem Schulrat Winterthur übertragen.

Im Jahre 1932 wurde an der heutigen Berufs- und Frauenfachschule Winterthur eine Abteilung für künftige Arbeitslehrerinnen eingerichtet. Die Schülerinnen dieser Abteilung besuchten den allgemeinbildenden Unterricht an der Mädchenschule (Fächer: Deutsch, Biologie, Geometrie, Staats¬kunde und Kunstgeschichte). Die Be-rufs- und Frauenfachschule übernahm dafür in diesem Zeitpunkt die Führung des hauswirtschaftlichen Unterrichts für die Schülerinnen der Mädchenschule. Im Frühjahr 1974 wurde die Vorbereitungsklassse auf das kantonale Arbeitslehrerinnenseminar aufgehoben; an ihrer Stelle wird eine Berufsmittelschule für Damenschneiderinnen geführt.

1940 wurde, im Hinblick auf eine vertiefte Allgemeinbildung und eine gründliche Vorbildung für verschiedene Frauenberufe, eine dritte Klasse eingeführt, wobei anfänglich in der Regel die ersten und zweiten Klassen doppelt, die dritte einfach geführt werden konnten. Von 1971 bis 1973 mussten alle drei Jahrgänge vierfach geführt werden. Zu Beginn des Schuljahres 1973/74 mussten fünf erste Klassen gebildet werden.

Die Mädchenschule wurde im Schuljahr 1973/74 von 271 regulären Schülerinnen und 22 angehenden Arbeitslehrerinnen (nur noch eine letzte Klasse) besucht. 1974 wurde die Schule vom Kanton übernommen. Sie bleibt dem kantonalen Gymnasium angeschlossen.

Quelle: Weisung zuhanden der Volksabstimmung vom 2.03.1975 Abtretung der Mädchenschule an den Staat Zürich

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