«Architektur beginnt, wenn zwei Backsteine sorgfältig zusammengesetzt werden», beschrieb es der Architekt Ludwig Mies van der Rohe treffend. Bietet dieses bekannte, oft unterschätzte und scheinbar banale Objekt also Stoff für eine ganze Ausstellung?
Seit der Antike ist der Backstein ein zentraler Baustoff, der – Stein für Stein – Gebäude, Quartiere und Städte prägt und Geschichte erzählt. Von den Mauerwerken Roms bis zu zeitgenössischen Bauprojekten zeigt der Mauerziegel seine Vielfalt als Material, Gestaltungselement und Träger kultureller Bedeutung. Bis heute wird der natürliche Rohstoff Lehm aus Gruben gewonnen, geformt und zu Backsteinen gebrannt. Vom handgefertigten Vollstein bis zum wärmedämmenden Grossblockstein haben sich die Herstellungsverfahren im Zuge der Industrialisierung und neuer ökologischer Herausforderungen jedoch stark verändert.
«Backstein Reloaded» vereint rund fünfzig Arbeiten aus Architektur, Design und Kunst, die das Material aus unterschiedlichen Blickwinkeln zeigen. Dabei stehen Herstellung, ökologische Eigenschaften sowie gestalterische und künstlerische Neuinterpretationen im Mittelpunkt. So zeigt die Ausstellung, wie ein traditionsreicher Baustoff noch heute vielfältige Möglichkeiten eröffnet und sich immer wieder neu erfinden lässt.
Die Ausstellung beschäftigt sich in drei Kapiteln mit diesem scheinbar banalen Objekt. Sie erkundet die bautechnischen und gestalterischen Eigenschaften von Backsteinen, je nach der Art ihrer Anordnungen im Mauerwerk. Sie zeigt uns die Perspektiven respektive Kommentare einiger Kunstschaffenden, Architekt:innen und Designer:innen zur heutigen oder zukünftigen Herstellung von Backsteinen. Und darüber hinaus öffnet die Präsentation das Feld für freie gestalterische Interpretationen der beiden klassischen Herstellungsverfahren Extrusion und Formpressen.
«Backstein Reloaded» ist eine Ausstellung des CID – Centre d’innovation et de design au Grand-Hornu, Belgien, mit Erweiterungen des Gewerbemuseums Winterthur.