Museen, Sammlungen und Bibliotheken
Internationales Baumarchiv (IBA)
Schaffhauserstrasse 52
Das Internationale Baum-Archiv (IBA) ist ein privates Projekt, das sich der kulturgeschichtlichen Erforschung und fotografischen Dokumentation von Bäumen verschrieben hat. Es handelt sich um das weltweit einzige Archiv dieser Art. Von 1996 bis 2007 war das IBA in der Villa Rosenberg in Winterthur einquartiert und betrieb dort ein Museum. Seit 2025 befindet sich das Archiv im Besitz des ARborCityNet, einer Hochschulvereinigung mit Sitz in Zollikofen bei Bern.
Schliessung Standort Winterthur
2007
Gründungsdatum
1975
2005: Schaffhauserstrasse 52, Internationales Baumarchiv (Villa Rosenberg), Ausstellung
Foto: winbib, Heinz Diener (Signatur FotDig_Lb_002-898)
Ein Leben im Dienste legendärer Bäume
1975 besuchte die Zürcher Fotografin Verena Eggmann die Linde von Linn im Kanton Aargau. Diese Linde gilt mit ihren 25 Metern Höhe als die mächtigste im Kanton Aargau. Um sie ranken sich verschiedene Sagen und Legenden. So soll die Linde beispielsweise in Gedenken an die Pest im 16. Jahrhundert gepflanzt worden sein. Wahrscheinlich ist sie jedoch deutlich älter. In einer anderen Sage wird gewarnt, dass die Welt untergeht, sollte die Linde nicht mindestens einmal im Jahr ihren Schatten auf das nahegelegene Schloss Habsburg werfen.
Solche Geschichten und Legenden faszinierten Verena Eggmann und inspirierten sie, ihr Leben der kulturhistorischen Erforschung und Dokumentation von Bäumen zu widmen. In ihrer Arbeit verknüpfte sie die fotografische Erfassung spezieller Bäume mit umfangreichen Recherchen zu vorhandenen Bild- und Schriftquellen.
Das Internationale Baum-Archiv entsteht
Anfänglich fokussierte sich Verena Eggmann auf die Schweiz. Schon bald schloss sich ihr zukünftiger Ehepartner Bernd Steiner dem Projekt an. 1985 beschlossen sie, ihre Forschung auf weitere Länder auszuweiten. In dieser Zeit entstanden auch die ersten Publikationen. 1987 gaben sie dem Projekt den Namen «Internationales Baum-Archiv (IBA)».
Die Ausweitung ihres Forschungsfeldes brachte ganz neue methodische und organisatorische Herausforderungen mit sich. Die beiden Forschenden traten in Kontakt mit zahlreichen lokalen Forstmitarbeitenden, Behördenvertretenden, Forschenden und der Lokalbevölkerung. Bedeutend war auch das intensive Quellenstudium: In alten Schriften spiegelt sich die enorme globale Bedeutung von Bäumen in den verschiedenen Religionen und ihren Geschichten von der Entstehung der Welt.
Das alles benötigte Zeit und finanzielle Mittel. Neben privaten Gönner:innen erhielten die beiden Fördermittel vom Bund, Kanton und dem eigens gegründeten IBA-Verein. Von 1992 bis 1995 befand sich der Hauptsitz des Archivs in der Weyrmühle in Muri (AG). Eigentlich lief der Vertrag noch bis 1998, doch die Stadt Winterthur hat erfolgreich darum geworben, das Archiv in die Eulachstadt zu holen.
1996 zog das Baumarchiv in die Villa Rosenberg ein. Mit ihrer schönen Gartenanlage umringt von über 100-jährigen Bäumen bot der Standort den idealen Rahmen für das neue Baum-Museum. Mitten in den Vorbereitungen erkrankte Verena Eggmann schwer und verstarb am 17. Mai 1997 im Alter von 51 Jahren.
Bernd Steiner entschloss sich, ihr Lebenswerk weiterzuführen und das Museum dennoch wie geplant zu eröffnen. Eine wichtige Stütze bei diesem Vorhaben war die Waldpädagogin und Erwachsenenbildnerin Silvia Haubensak. Sie kümmerte sich fortan um das museumspädagogische Angebot. Später heirateten die beiden.
Das Museum hatte während gut zehn Jahren bestand. In dieser Zeit besuchten rund 30'000 Menschen das Baum-Archiv, darunter viele Schulklassen aber auch ausländische Gruppen. Ein Höhepunkt der Ausstellungstätigkeit war die Ausstellung «Magie der Bäume» in der Fondation Beyeler bei Basel.
Für den Betrieb des Museums waren die Betreibenden auf die finanzielle Unterstützung der öffentlichen Hand und von privaten Stiftungen angewiesen. Im Kontext der sich abzeichnenden Finanzkrise im Jahr 2008 schnallten jedoch überall die Menschen die Gürtel enger und das Geld für den Weiterbetrieb kam nicht mehr zusammen. 2005 bemühte sich das kleine Museum erfolglos um städtische Subventionen.
2007 musste das Museum endgültig seine Pforten schliessen. Zum Zeitpunkt der Schliessung verfügte das Internationale Baum-Archiv über 2000 verzeichnete Standorte von kulturgeschichtlich bedeutenden Bäumen in 18 verschiedenen Ländern. Das Fotoarchiv umfasste etwa 50'000 kuratierte und beschriftete Negative und Dias. Hinzu kamen rund 400 Objekte, darunter auch eine einzigartige Sammlung von geschnitzten Nüssen und Kernen.
Das IBA soll zugänglich bleiben
Nach der Schliessung des Museums suchten Bernd Steiner und Silvia Haubensak nach einer neuen Möglichkeit um das Baumarchiv erneut öffentlich zugänglich zu machen. In diesem Kontext kam es 2014 zu einer Schenkung an das Naturama in Aarau. Die seit 1999 bestehende Stiftung IBA wurde dabei aufgelöst.
Aufgrund mehrerer Leitungswechsel und beschränkter Ressourcen konnte das Vorhaben jedoch nicht realisiert werden, weshalb die Schenkung im Jahr 2025 an das ArboCityNet weitergegeben wurde. Dabei handelt es sich um ein interdisziplinäres Schweizer Netzwerk für «Urban Forestry». Im Rahmen dieser Plattform soll das Internationale Baum-Archiv wieder für Lehre, Forschung und Öffentlichkeit zugänglich werden.
Benutzte und weiterführende Literatur
Bernd Steiner: Internationales Baum-Archiv, in: Wikipedia.org, Stand. 07.10.2025.
Josifovic, Bojan: Baumarchiv kehrt der Stadt den Rücken, in: Der Landbote, 26.09.2007.
smd: Winterthurer Kleinmuseum schliesst wegen Geldmangels, in: Tages-Anzeiger, 09.06.2007.
sst.: Wenn Bäume Geschichte erzählen, in: Der Landbote, 04.07.2006.
Girschweiler, Heinz: Die Verschmähten machn weiter, in: Tages-Anzeiger, 24.02.2005.
gak: Neuerscheinung im AT-Verlag: Bäumige Ansichten und fein verästelte Texte, in: Alpegruess, 02.05.2002.
Keller, Roger: Ein Haus für die Bäume, in: Tages-Anzeiger, 11.06.1998.
mm. Photographin der Stille. Zum Tode von Verena Eggmann, in: Neue Zürcher Zeitung, 28.06.1997.
Schambron, Eddy: Klosterdorf verliert ds Internationale Baumarchiv, in: Aargauer Zeitung, 07.02.1997.
- Autor/In:
- Nadia Pettannice
- Letzte
- Bearbeitung:
- 18.10.2025