Wissenschaft

Carl Weber-Sulzer

Fabrikant, Korallensammler (1845–1915)

Carl Weber-Sulzer (1845–1915) war ein Winterthurer Unternehmer, Chemiker und Naturforscher. Als Leiter der väterlichen Färberei «Zur Schleife» verband er technisches Wissen mit wissenschaftlicher Neugier. Seine umfangreiche Korallensammlung zählt bis heute zu den bedeutendsten ihrer Zeit. Ein grosser Teil davon befindet sich heute im Naturmuseum Winterthur.


Geburtsort
Ettlingen (D)

Geboren
15.01.1845

Gestorben
19.04.1915


Carl Weber-Sulzer entdeckte seine Faszination zur Natur während eines krankheitbedingten Erholungsaufenthaltes an der Nordsee. Portrait um 1875.
Foto: zvg. Naturmuseum Winterthur (Signatur FotDig_2025-0011)

Kindheit und Beruf

Carl Johann Weber-Sulzer wurde am 15. Januar 1845 in Ettlingen bei Karlsruhe als Sohn von Johann Jakob Weber und Friederike Amalie Wieking geboren. Er war das älteste von neun Kindern. Im selben Jahr erfolgte der Umzug der Familie nach Winterthur, wo Carl Weber seine Kindheit verbrachte. Als ältestes Kind war er häufig im Haushalt tätig, was sich nachteilig auf seine schulischen Leistungen auswirkte. Über seine schulische Laufbahn erzählte Weber seinen Kindern, dass er ein durchschnittlicher Schüler gewesen sei. Erst als die naturwissenschaftlichen und technischen Fächer dazukamen, wurden seine Leistungen besser, was ihm den Besuch der Industrieschule nach Abschluss der obligatorischen Schulzeit ermöglichte.

1862 studierte er an der naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich für ein Jahr Chemie und Physik. Bereits im Alter von 19 Jahren wurde er von seinem Vater mit der Aufgabe betraut eine Filiale des väterlichen Unternehmens in Mariental bei Wien zu gründen und zu leiten. In dieser Zeit absolvierte er verschiedene Studienaufenthalte in Frankreich, England und Schottland. 1869 kehrte er zurück nach Winterthur und trat in die väterliche Firma, die Färberei Zur Schleife, ein. 1874 heiratete er Henriette Sulzer, mit ihr wurde er Vater von zwei Töchter. 1888 übernahm er die Leitung der Firma, zuerst gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Jacob, der jedoch bald darauf auf dem Bernina tödlich verunglückte und so aus der Firma ausschied. Die Firma florierte bereits zu Johann Jakob Webers Zeiten, aber dank Carl Webers Forschungen und seinen technischen Erfindungen konnte der Betrieb den Erfolg ausbauen.

Durch Webers Erfindungen wurde ihm die Ehrenmitgliedschaft in der Schweizerischen Chemischen Gesellschaft zuteil. Im Jahr 1901/02 erfolgte die Umwandlung der Firma in eine Aktiengesellschaft, die fortan den Namen Carl Weber AG trug. Bis zu seinem Ableben am 19. April 1915 fungierte er als Delegierter des Verwaltungsrates und leitete das Unternehmen.

Interesse an Natur und Korallensammlung

Sein Interesse an der Flora und Fauna begann im Jahr 1880, als er aufgrund einer Erkrankung für einen längeren Zeitraum einen Kuraufenthalt an der Nordsee antrat. Im kleinen Dorf Nieblum auf der friesischen Insel Föhr entwickelte er eine enge Freundschaft mit dem Dorfschullehrer, der die Tier- und Pflanzenwelt der Insel gut kannte. In der Folge widmete sich Weber-Sulzer der Erstellung einer Sammlung der Vogelarten der Insel Föhr.

Im weiteren Verlauf entwickelte er eine besondere Vorliebe für Korallen und fokussierte sich fortan ausschliesslich auf Hohltiere. Er importierte Skelette dieser Tiere aus aller Welt, bestimmte, ordnete und gruppierte sie. Die Sammlung umfasste auch seltene Arten, die nicht einmal das Britische Museum zu jener Zeit besass. Die Sammlung umfasste zu Lebzeiten des Sammlers rund 600 fossile Korallen und nochmals so viele nicht-fossile Korallen. Im Jahr 1909 wurde die Sammlung der Universität Zürich übergeben, welche ihm 1914 den Ehrendoktortitel verlieh. Professor Arnold Lang, Inhaber des Lehrstuhls für Zoologie an der Universität, bezeichnete die Sammlung Webers-Sulzers als eine der schönsten und wertvollsten überhaupt, welche zudem durch die fachliche Korrektheit überzeuge.

Die Sammlung wurde bis 1956 im Zoologischen Museum der Universität ausgestellt und anschliessend aufgeteilt: 480 fossile Korallen gingen an Naturmuseum Winterthur und 90 verblieben an der Universität Zürich.


Benutzte und weiterführende Literatur:

Baertschi, Christian: Carl Weber, in: Historisches Lexikon der Schweiz HLS, URL: <https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/032397/2013-09-02/>, 02.09.2013.
Baertschi, Christian: Johann Jakob Weber, in: Historisches Lexikon der Schweiz HLS, URL: <https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/032364/2024-11-11/>, 11.11.2024.
Blumer, Nicole: Carl Johann (Weber) Weber-Sulzer (1845-1915), in: WikiTree, URL: <https://www.wikitree.com/wiki/Weber-3507> , 01.12.2018.
Schaeppi Hansjakob/Rutz, Heinz: Die Korallensammlung Dr. h.c. Carl Weber-Sulzer in den naturwissenschaftlichen Sammlungen der Stadt Winterthur, in: Sonderdruck aus den «Mitteilungen der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Winterthur», Nr. 31, 1964.
A.H.: Nachruf Carl Weber-Sulzer, in: Chronik der Stadt Zürich, 01.05.1915.


Autor/In:
Joshua Dilge
Letzte
Bearbeitung:
18.10.2025
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