Bildung und Soziales

Emil Zehnder-Lamprecht

Lehrer, Schulleiter, Berufsberater, Offizier, (1945–2024)

Emil Zehnder war Lehrer und Berufsberater. Er engagierte sich ausserdem als Offizier bei der Fliegertruppe und war in diversen Chargen in Vereinen und Gruppierungen aktiv.


Sterbeort
Winterthur

Geburtsort
Winterthur

Geboren
03.03. 1945

Gestorben
01.02.2024


Emil Zehnder wurde am 3. März 1945 in Ricketwil, dem zu Oberwinterthur gehörenden Weiler, geboren. Seine Mutter verstarb als Zehnder noch ein Kleinkind war. Zusammen mit seinen zwei Geschwistern wuchs er darauf gemeinsam mit zwei Halbgeschwistern in einer Bauern- und Handwerkerfamilie auf. Als Kind musste er regelmässig bei der Feldarbeit mithelfen und entdeckte dort seine Leidenschaft für die Aviatik. Immer wieder konnte er nämlich vom Feld aus verschiedene Flugzeuge  Aufgrund seiner guten Schulnoten konnte er ab der 2. Sekundarklasse in die Kantonsschule im Lee und danach ins Oberseminar wechseln, um Lehrer zu werden. Seine ersten Stellen als Reallehrer hatte er in Turbenthal und in Flaach. Neben seiner Lehrtätigkeit war Emil Zehnder aber auch in manch weiteren Wirkungsfeldern ein äusserst umtriebiger Zeitgenosse. So besuchte er bereits im Alter von 17 Jahren den fliegerischen Vorunterricht mit dem Plan, die Rekrutenschule bei der Fliegertruppe zu absolvieren. Ein Jahr später absolvierte er das Privatpilotenbrevet. 

Militärische Karriere

Sein Traumziel Militärpilot zu werden erfüllte sich zwar nicht, aber seine militärische Karriere konnte sich dennoch sehen lassen, befehligte er doch unter anderem während sechs Jahren den Militärflugplatz Payerne als Kommandant und wurde danach zum Leiter des psychologisch-pädagogischen Dienstes der Armee, für die Ostschweiz. Seinen Dienst quittierte Emil Zehnder im Range eines Oberstleutnants. Zusammengezählt sei er viereinhalb Jahre im Militärdienst gewesen, pflegte er zu sagen.

Schulleiter Berufswahlschule Winterthur

Nachdem Emil Zehnder von 1970 bis 1973 als Personalchef bei der Textilfirma Schaad AG tätig war, bewarb er sich darauf als Berufsberater bei der Stadt Winterthur. Stattdessen folgte er 1973 dem Ruf des damaligen Schulstadtrats Franz Schiegg (SP), der ihm die Stelle als Lehrer und Schulleiter an der Berufswahlschule Winterthur (BWS) anbot. Die seit 1969 geplante und 1972 in Betrieb gegangene Schule hatte damals gerade eine schwierige Startphase hinter sich und Zehnder erhielt den Auftrag sie in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. Zehnder bildete sich zum diplomierten Berufsberater weiter und leitete 19 Jahre lang das «10. Schuljahr» mit grossem Einsatz. Zusammen mit seinem Team verhalf er unzähligen Schulabgängern zu Anschlusslösungen ins Berufsleben und prägte die Schule massgeblich. Gleichzeitig wirkte er 13 Jahre lang in der Bezirksschulpflege Winterthur mit. Auch politisch war er aktiv und präsidierte von (XXXX bis XXX) die FDP Winterthur-Seen. Als Schulleiter war er mit seinen Ideen innerhalb des Lehrkörpers nicht unumstritten und immer wieder kam es auch zu Phasen des Widerstands. Gegen Ende der 1980er-Jahre kündigte er und wagte von 1992 bis 1995 den Schritt in die Selbständigkeit und eröffnete eine Praxis für Berufswahl- und Laufbahnberatung. Nebenbei publizierte er regelmässig einen Ratgeber in der «Schweizerische Kaufmännische Zeitung». Diese Artikel wurden 1995 als Sammelband veröffentlicht.

1995 bot ihm der Kanton Thurgau die Stelle als Leiter der kantonalen Berufs- und Studienberatung an. In dieser Zeit baute er die vier regionalen Berufsberatunsstellen aus und führte Massnahmen zur Qualitätssicherung ein. Mit 60 Jahren trat er in den vorzeitigen Ruhestand um sich wieder der selbständigen Beratungstätigkeit zu widmen. 

Engagiert in unterschiedlichsten Vereinigungen

Als äusserst geselliger Mensch engagierte sich Emil Zehnder nebst Beruf und Militär in diversen Vereinen und Gruppierungen. So wirkte er als Vorstandsmitglied in der Mittelschulverbindung Fraternitas, war Gründungsmitglied des Kiwanis Club Winterthur-Kyburg, und als ehemals begeisterter Eishockeyspieler amtete er später auch als Präsident beim EHC Winterthur. Ebenso lenkte Emil Zehnder viele Jahre die Geschicke der Holzkorporation Oberwinterthur. Dort war es insbesondere seiner Initiative zu verdanken, dass das Försterhaus ein Waldschulzimmer erhielt, dessen Vermietung nach wie vor massgeblich zur finanziellen Stabilität der Holzkorporation beiträgt. Ebenfalls wirkte er als Präsident im Ortsverein Ricketwil und war massgeblich an der Organisation der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen des Ortsvereins beteiligt. Als Ricketwiler war ihm zudem wichtig, dass der Ort vermehrt als Aussenwacht von Oberwinterthur wahrgenommen wird. Mittels Leserbriefen und Interventionen setzte er schliesslich die noch heute gültige Bezeichnung «Ricketwil (Winterthur)» durch.

Eine weitere Leidenschaft galt dem Tennisspiel, wo er beim LTC Winterthur in zahlreichen Turnieren eine bewährte Stütze war. Ebenso hatte die Reformierte Landeskirche für Emil Zehnder stets eine besondere Bedeutung. So war er nicht nur lange Zeit Sänger im Kirchenchor Elgg, sondern engagierte sich nach seinem beruflichen Rücktritt zudem noch während einiger Jahre als Präsident der Kirchgenpflege in Oberwinterthur.


Benutzte und weiterführende Literatur:

Strehler, Remo: Ein Oberianer mit grossem Herz und breitem Netzwerk, in: Der Landbote, 16.02.2024. 

Bibliografie


Autor/In:
Remo Strehler
Letzte
Bearbeitung:
02.04.2024
Nutzungshinweise
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