Musik und Theater

Esse-Bar, Jazzlokal

Zeughausstrasse 52

Die Esse Musicbar wurde 2005 in einer ehemaligen Schmiede der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) an der Rudolfstrasse 4 eröffnet. Mit regelmässigen Konzerten entwickelte sie sich zu einem wichtigen Treffpunkt der Winterthurer Jazzszene. 2019 musste das Lokal wegen des geplanten Abbruchs des Gebäudes seinen ursprünglichen Standort verlassen und zog auf das Zeughausareal.


Gründungsdatum
2005


Jazz in einer ehemaligen Schmiede

Nach der Schliessung der legendären Pianobar am Winterthurer Bahnhof fehlte in der Stadt während Jahren ein Lokal mit regelmässigen Jazzkonzerten. Diese Lücke wollte der Biologielehrer und Jazztrompeter Koni Weber schliessen. Gemeinsam mit seiner Partnerin Dorothea Keiser und dem Schlagzeuger Mandi Silberer gründete er 2005 den Verein Jazz-Verein Esse Winterthur und eröffnete  die Esse Musicbar.

Als Standort diente eine ehemalige Werkstatt der SBB an der Rudolfstrasse 4, unmittelbar hinter den Gleisen des Hauptbahnhofs. Hier hatten bis kurz vor der Eröffnung noch die Gleisarbeiter gearbeitet und geschmiedet. Die damals noch erhaltene Esse gab dem Lokal sienen Namen. 

Die Einrichtung war ebenso ungewöhnlich wie der Standort. Gebrauchte Sofas, Sessel und Tische sorgten für eine wohnliche Atmosphäre. Wer wollte, konnte sogar ein Möbel kaufen. Die ursprünglichen Werkstattlampen blieben erhalten, während die Bühne aus dem Hotel Dolder stammte. Für den Barbetrieb waren zunächst die Brüder Martin und Christoph Lanz verantwortlich.

Ein Treffpunkt für die Jazzszene

Von Beginn an verstand sich die Esse Musicbar als niederschwelliger Treffpunkt für Jazzbegeisterte. Koni Weber wollte bewusst keinen klassischen Konzertsaal schaffen, sondern ein ungezwungenes Lokal, in dem Musik und gesellschaftlicher Austausch gleichermassen Platz hatten. Das Programm konzentrierte sich auf lokale und nationale Formationen und ergänzte damit die Angebote des Vereins Jazz in Winterthur, der vor allem internationale Musiker:innen präsentierte.

Das Konzept fand rasch Anklang. Bereits drei Jahre nach der Eröffnung konnte die Esse ihr 333. Konzert feiern. Neben den regelmässigen Jazzkonzerten am Donnerstag und Freitag etablierte sich ab Oktober 2006 die sonntägliche Reihe «Folk & More», die von Bernhard Silberer organisiert wurde. Auch bekannte Musiker:innen der Schweizer Jazzszene traten zunehmend in der Esse auf.

Finanzielle Herausforderungen

Trotz des musikalischen Erfolgs blieb der Betrieb wirtschaftlich eine Herausforderung. Die Konzerte waren mit den Einnahmen aus den Kollekten nicht kostendeckend. Zusätzliche Einnahmen erzielte der Verein durch die Vermietung des Lokals für private und geschäftliche Veranstaltungen.

Wiederholt war die Zukunft der Esse Musicbar wegen finanzieller Schwierigkeiten ungewiss. Ende 2011 konnte der Betrieb unter anderem dank neuer Mitglieder und Gönner sowie eines kantonalen Kulturbeitrags von 10'000 Franken gesichert werden. Gleichzeitig wurde das gastronomische Angebot ausgebaut. Anfang 2012 übernahmen Thomas Schmid und Thomas Wicki den Barbetrieb.

Umzug ins Zeughausareal

Nach rund 14 Jahren musste die Esse Musicbar ihren ursprünglichen Standort verlassen, weil die SBB das Werkstattgebäude abbrechen und umnutzen wollte. Als neuer Standort bot sich das Zeughaus 1 im Quartier Mattenbach an, das gerade zu einem Zentrum für Gewerbe, Gastronomie und Kultur umgebaut wurde.

Der Umzug stellte für den Verein eine erhebliche finanzielle Belastung dar. Für den Ausbau des neuen Konzertlokals erhielt die Esse Musicbar 180'000 Franken aus dem kantonalen Lotteriefonds. Die Stadt Winterthur unterstützte das Vorhaben mit einem Beitrag von 80'000 Franken und einem Darlehen von 100'000 Franken. Weitere Mittel konnten durch Spenden aufgebracht werden.

Mit dem Standortwechsel begann ein neues Kapitel in der Geschichte des Jazzlokals. Kaum umgezogen, erreichte die Corona-Pandemie die Schweiz, womit die Wiedereröffnung vorerst ins Wasser fiel. 2026 kam es zum Zusammenschluss zwischen dem Verein Esse Bar und der Draft Brothers GmbH, die im Zeughausareal eine Brennerei betreiben. Ab 2027 treten sie gemeinsam als Gastgebende auf.


Benutzte und weiterführende Literatur

red.: Die Esse-Bar wartet noch zu mit Wiedereröffnen, in: Der Landbote, 14.05.2020.
Dworschak, Helmut: Esse erhält Preis der Kulturstiftung, in: Der Landbote, 21.10.2008.
o.A.: «Bei uns darf man auch mal husten», in: Der Landbote, 14.04.2008.
Meyer, Ernst: Jazz und Folk unter ienem Dach, in: Neue Zürcher Zeitung, 04.01.2008.
Gsteiger, Tom: Webers Traum floriert, in: Der Landbote, 02.06.2006.
Schmid, Jürg. Hinter den Gleisen lodert das Jazz-Feuer, in: Tages-Anzeiger, 21.03.2006.
mgm.: Möbel, Drinks und Jazz - die Essen, in: Tages-Anzeiger, 29.04.2005.

Bibliografie


Autor/In:
Nadia Pettannice
Letzte
Bearbeitung:
19.10.2026
Nutzungshinweise
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