Kunst und Kultur

Eugen del Negro

Architekt, Zeichenlehrer, Künstler, 1936-2025

Eugen del Negro wirkte erst als Bauzeichner und Architekt. Später machte er eine Ausbildung zum Zeichenlehrer und unterrichtete an der Kantonsschule im Lee. Schliesslich beschloss er sein Leben ganz der freien Kunst zu widmen. Zuerst beschäftigte er sich vorzugsweise mit Landschaftsmalerei und Stilleben. In den 1980er-Jahre wandte er sich dann der abstrakten Kunst zu. 1968 wurde er Mitglied in der Künstlergruppe Winterthur.


Sterbeort
Feuerthalen (ZH)

Geburtsort
Winterthur

Geboren
22.01.1936

Gestorben
11.08.2025


Persönlicher Werdegang

Eugen del Negro wurde am 22. Januar 1936 in Winterthur-Töss geboren. Seine Eltern waren aus Italien in die Schweiz eingewandert. Schon in seiner Jugendzeit entdeckte Eugen del Negro seine Leidenschaft für die Malerei und war oft mit Stift und Pinsel unterwegs. Von 1951 bis 1954 absolvierte er eine Lehre als Bauzeichner in Winterthur. Anschliessend arbeitete er während rund eineinhalb Jahren in einem Architekturbüro in Stockholm. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz liess er sich zum Architekten HTL am Technikum Winterthur ausbilden. Allerdings erfüllte ihn der Architektenberuf nicht dauerhaft. Von 1962 bis 1965 absolvierte er an der Kunstgewerbeschule Zürich eine Ausbildung zum Zeichenlehrer. Zusätzlich besuchte er Vorlesungen in Kunstgeschichte und Archäologie an der Universität Zürich. Von 1962 bis 1974 unterrichtete er an der Kantonsschule im Lee in Winterthur. 1968 trat er der Künstlergruppe Winterthur bei.

Eugen del Negro heiratete und zog mit seiner Frau Margrit zwei Kinder auf. Del Negro wohnte und arbeitete ab 1967 in Unterstammheim, ab 1972 in Oberstammheim, wo er für seine Familie ein Einfamilienhaus mit Atelier errichtete, das 1973 bezogen werden konnte. Kurz darauf geriet er in eine Schaffenskrise: Die zunehmenden künstlerischen Ambitionen liessen sich nicht mehr mit seiner Lehrtätigkeit vereinbaren. 1974 gab er seine Anstellung auf und entschloss sich, fortan als freischaffender Künstler zu arbeiten.

Künstlerisches Wirken

In der ersten Phase seines künstlerischen Schaffens widmete sich del Negro vor allem der Landschafts-, Stillleben- und Figurenmalerei. Seine Motive fand er vorwiegend in der Umgebung von Oberstammheim, häufig arbeitete er direkt im Freien. Schon früh machte er sich als Landschaftsmaler einen Namen und blieb lange der figurativen, gegenständlichen Kunst verpflichtet. Menschen spielten in diesen Bildern kaum eine Rolle.

Parallel dazu entstanden in den 1970er-Jahren zahlreiche Holzschnitte, in denen del Negro bäuerliches Handwerk thematisierte. Gegen Ende des Jahrzehnts hatte er sich jedoch an diesen Motiven erschöpft. In einem langwierigen, experimentellen Prozess löste er sich schrittweise vom Gegenständlichen und wandte sich der abstrakten Malerei zu. Diese Entwicklung beschrieb er selbst als Hinwendung zu einer zunehmend autonomen Farb- und Formensprache.

In dieser Phase zog er sich für rund ein Jahr intensiv in sein Atelier zurück und arbeitete überwiegend auf Makulaturpapier. Über 900 Blätter dokumentieren diesen Such- und Klärungsprozess. Ab 1978 begann del Negro zudem, Traumbilder in seine Arbeit einzubeziehen. Dafür befasste er sich intensiv mit dem Werk des Psychoanalytikers Carl Gustav Jung. Es entstanden Bleistiftzeichnungen und Gemälde, die von surrealistischen Bildwelten beeinflusst waren und eine stärker introvertierte, psychische Dimension aufweisen.

In den 1990er-Jahren beschäftigte sich Eugen del Negro vermehrt mit rhythmischen Allover-Strukturen. Er griff erneut auf die Holzschnitttechnik zurück, entwickelte Stempelbilder, Collagen und arbeitete später auch mit Metall. Die handwerkliche Durchdringung des Materials blieb dabei ein zentrales Interesse seines künstlerischen Schaffens. Entsprechend vielseitig und vielgestaltig ist sein Werk. Die Stadt Winterthur erwarb 1998 das Werk «Weiss im Vordergrund», das bis heute im Superblock öffentlich zugänglich ist.

Kunst am Bau

Seinem Bezug zur Architektur blieb er treu und beschäftigte sich auch mit Kunst am Bau. 1991 erstellte er für die katholische Kirche Andelfingen ein Wandrelief, dass er aus alten Orgelpfeifen herstellte. In Winterthur schuf er zudem bewegliche Wandobjekte für die Eingangshallen der Kantonsschulen Rychenberg und im Lee.

Im Jahr 2014 entstand eine umfangreiche Monographie des Künstlers, die einen Überblick über sein Werk gibt. 

Mitgliedschaften

Eugen del Negro war seit 1965 Mitglied des Vereins für Originalgrafik + Arta und gehörte seit 1968 der Künstlergruppe Winterthur an.


Benutzte und weiterführende Literatur:

Mebold, Adrian: Er tauchte in die rätselhafte Welt der Träume ein, in: Der Landbote, 29.08.2025.
Humm, Tobias: «Malen im Freien hatte mir immer gefallen, aber es musste etwas Neues folgen», in: Der Landbote, 20.02.2017.
Mebold, Adrian: Malergrüsse von den Inseln, in: Der Landbote, 11.07.2015.
Piniel, Gerhard: Eugen del Negro. Der Archipel eines Malers, 2014.

Bibliografie

    Del Negro, Eugen, 1936-2025, Kunstmaler, Künstlergruppe Winterthur (1968-2025)

    • Einträge 1991–2010

      Ausstellungen. Frauenfeld: Landbote 1991/264. - Andelfinger Zeitung 1991/136 m.Abb.
      Galerie Weisses Haus: Winterthurer Arbeiterzeitung 1992/255, 264. - Landbote 1992/258 1Abb.
      Pro Arta, Zürich: Landbote 1995/34.
      Kunsthalle: Landbote 1997/91 1Abb.
      Retrospektive Ossingen: Landbote 1997/216 von Adrian Mebold, 1Abb.
      Wandrelief Katholische Kirche Kleinandelfingen: Andelfinger Zeitung 1991/151 1Abb.
      Kirchgemeindehaus Oberwinterthur: Landbote 1997/267 von Eva Oswald, 1Abb.
      In Schuhhaus Peterhans: Landbote 1998/237 1Abb. - Weinländer Zeitung 1998/119 1Abb.
      Eglisau: Landbote 1999/234 von Kathrin Gebert-Kuhn, 1Abb.
      Weingut Brupach: Landbote 2000/239.
      Lebensteppich: Landbote 2003/70 von Koni Ulrich. - Andelfinger Zeitung 2003/76 1Abb.
      Ausstellung Oxyd: Landbote 2009/127 von Christina Peege, m.Abb.


Autor/In:
Nadia Pettannice
Letzte
Bearbeitung:
17.01.2026