Grosskonzerne

Feilenfabrik R. Schwarz

Hegistrasse 33g

Die Feilenfabrik R. Schwarz gehörte während Jahrzehnten zu den bedeutendsten Herstellern von Feilen und Metallsägen der Schweiz. Aus einer kleinen Werkstatt am Untertor entwickelte sich ab 1867 ein international vernetzter Industriebetrieb in der Grüze. Um 1970 wurde der Betrieb eingestellt. Heute erinnert neben den erhaltenen Fabrikbauten auch der Kulturort «Feilenhauer» an die Winterthurer Industriegeschichte.


Gründungsdatum
1867


Adresse
Feilenhauerei R. Schwarz
Hegistrasse 33g
8404

Blick auf die Feilenfabrik Robert Schwarz um 1922.
Foto: winbib, Bruno Bosshart (Signatur 067460)

Vom Feilenhauer zur Fabrik

Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein existierte in der Schweiz kaum eine eigenständige Feilenproduktion. Hochwertige Feilen wurden meist aus dem Ausland importiert. Mit der Industrialisierung und dem rasanten Wachstum des Maschinenbaus stieg jedoch auch der Bedarf an Präzisionswerkzeugen stark an. Feilen gehörten damals zu den wichtigsten Werkzeugen der Metallbearbeitung.

Der Winterthurer Feilenhauer Rudolf Schwarz kehrte 1867 von seiner Walz nach Winterthur zurück. Sein Handwerk hatte er in ausländischen Werkstätten erlernt. Zunächst eröffnete er eine kleine Werkstatt im Hinterhaus seines Wohnhauses am Untertor. 1871 verlegte er den Betrieb an den «unteren Sulzberg» an der St. Georgenstrasse. Zwei Jahre später erwarb Schwarz zusätzlich die benachbarte Vögelimühle und verfügte damit über die notwendige Wasserkraft für den Ausbau seines Unternehmens.

Mechanisierung und Wachstum

Während Rudolf Schwarz den Betrieb in Winterthur weiterführte, bildete sich sein Sohn Robert Schwarz-Sporrer im Ausland weiter – unter anderem in England, einem Zentrum der europäischen Werkzeugindustrie. Von dort importierte er 1895 die ersten mechanischen Haumaschinen nach Winterthur. Sie bildeten die Grundlage für die Umwandlung des bisherigen Handwerksbetriebs in eine moderne Fabrik.

1900 kaufte die Firma die Liegenschaft «im Talacker Grüze», wo kurz darauf ein neuer Fabrikkomplex entstand. Bereits bei der Eröffnung beschäftigte die Feilenfabrik rund 40 Mitarbeitende. 1907 übernahm Robert Schwarz-Sporrer den Betrieb und modernisierte ihn kontinuierlich weiter.

Die Feilenfabrik R. Schwarz nahm in der Schweiz bald eine führende Stellung ein. Internationale Anerkennung erhielt das Unternehmen insbesondere für Feilen mit gehobeltem Unterhieb in Wellenform – eine technische Spezialität der Winterthurer Fabrik, die sie Stolz an Ausstellungen präsentierte.

Familienbetrieb mit internationalem Know-how

Auch die dritte Generation der Familie setzte auf internationale Erfahrung. Robert Schwarz-Schäfli bildete sich unter anderem in Amerika, England, Italien und Deutschland weiter. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz konzentrierte er sich verstärkt auf die Herstellung hochwertiger Metallsägen der Marke «Tell».

1931 brach in der Härterei ein Brand aus, der sich rasch auf den Dachstock ausweitete. Der Feuerwehr gelang es jedoch, das Feuer unter Kontrolle zu bringen und ein vollständiges Abbrennen der Fabrik zu verhindern.

Ausbau und technische Erneuerung

1939 wurde die bisherige Einzelfirma in eine Kollektivgesellschaft umgewandelt. In den folgenden Jahren investierte das Unternehmen in verschiedene Erweiterungs- und Modernisierungsmassnahmen. Für den Bau eines neuen Bürogebäudes engagierte die Firma den Winterthurer Architekten Adolf Kellermüller.

Gleichzeitig wurde die Produktion weiter mechanisiert. Neue Schleifmaschinen ersetzten ältere Arbeitsmethoden, und zwischen 1940 und 1942 stellte die Fabrik auf elektrische Spezialmaschinen um. Zusätzlich entstanden ein Blei- und Salzbad sowie neue Speditionsräume. Der alte Hochkamin der Fabrik wurde in dieser Zeit abgebrochen.

Neben Feilen produzierte das Unternehmen nun auch Metallsägeblätter, darunter hochwertige Schnellschnittblätter, die damals in der Schweiz als technisch besonders fortschrittlich galten. Dank dieser Diversifizierung überstand die Fabrik auch wirtschaftlich schwierige Zeiten. 1942 beschäftigte der Betrieb bereits rund 100 Mitarbeitende.

Zum 75-jährigen Firmenjubiläum richtete Robert Schwarz-Sporrer zudem einen Fonds für die Alters- und Hinterbliebenenfürsorge der Belegschaft ein.

Verkauf und Ende der Produktion

1966 wurde die Feilenfabrik an die Usines Métallurgiques de Vallorbe SA verkauft – ebenfalls ein traditionsreiches Unternehmen der Feilenindustrie. Noch 1968 galt der Betrieb in Winterthur als zweitgrösste Feilenfabrik der Schweiz. Bereits zwei Jahre später wurde die Produktion jedoch eingestellt. In den folgenden Jahrzehnten wurde das Industrieareal unterschiedlich genutzt. 2007 gelangte das Fabrikensemble mit seiner markanten Doppel-Shedhalle und den Nebengebäuden sowie der ehemaligen Fabrikantenvilla zum Verkauf.

Industrieensemble mit neuer Nutzung

Die neue Eigentümerschaft investierte rund 4,5 Millionen Franken in Umbauten und Neubauten. Dabei entstanden Wohnungen mit einer Gesamtfläche von rund 1825 Quadratmetern. Spätere Eingriffe in die historische Fabrikhalle wurden rückgängig gemacht und die alte Fabrikhalle unter Denkmalschutz gestellt.

Von 2018 bis 2026 betrieb die Berlinerin Brit Hartmann in dem ehemaligen Produktionsgebäude den Kulturort «Feilenhauer». Dort fanden Lesungen, Ausstellungen, Konzerte und Workshops statt. Seit März 2026 wird der Kulturort vom Verein Kulturfeilerei Winterthur betrieben.


Benutzte und weiterführende Literatur

o. A.: Brandausbruch, in: Der Landbote, 14.04.1931.
o. A.: 75 Jahre Feilenfabrik Schwarz, in: Der Landbote, 27.06.1942.
o. A.: Neues Leben in der alten Feilenfabrik, in: NZZ am Sonntag, 18.09.2011.

Bibliografie


Autor/In:
Heinz Bächinger
Letzte
Bearbeitung:
23.06.2026
Nutzungshinweise
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