Verkehr und Infrastruktur

Fussgängersteg Chinesenbrüggli

Der Töss-Steg im Chinesischen Brückentypen, der den Rossberg und die Gemeinden verbindet

Das 1911 erbaute «Chinesenbrüggli» ist ein Fussgängersteg über die Töss zwischen dem Reitplatz und dem Rossberg. Seinen volkstümlichen Namen verdankt es seiner auffälligen Holzkonstruktion, die an ostasiatische Brücken erinnert. Der Verkehrs- und Verschönerungsverein Winterthur und Umgebung initiierte den Bau als Teil des Wanderwegnetzes.


Baujahr
1911


Mit dem «Chinesebrüggli» konnte der Rossbar wieder via Reitplatz erreicht werden. Ansichtskarte von 1920.
Foto: winbib (Signatur Rossberg 7_03)

Ein Steg für den Ausflugsverkehr

Das «Chinesenbrüggli» verbindet heute den Reitplatz mit den Wanderwegen am Rossberg und in Richtung Kemptthal und Lindau. Die Initiative zum Bau ging vom Verkehrs- und Verschönerungsverein Winterthur und Umgebung aus. Dem 1910 aufgesetzten Schreiben zufolge war der Grund für den Wunsch nach einem Fussgängersteg, dass der starke Verkehr die Fussgänger davon abhielt, die Heerstrasse nach Kemptthal und Töss zu nutzen, weil sich dort viel Staub entwickelte. Sie erklärten weiter, dass dies seit langem ein Anliegen der gesamten Bevölkerung sei. Denn seit dem Einsturz eines älteren Flussteges im Jahr 1897 gab es keine direkte Verbindung mehr zum Rossberg über die Töss. Seit 1900 versuchte der Verkehrs- und Verschönerungsverein diesen Steg zu ersetzen. 

Das städtische Forstamt war von der Idee weniger angetan. Die Verantwortlichen befürchteten, dass durch den Bau des Stegs «Frevler» Zugang zu Waldgebieten erhalten würden, weshalb es davon abriet. Die Hauptbefürchtung war wohl das unerlaubte Entnehmen von Brennholz für den Eigenbedarf. Der Winterthurer Stadtrat entschied sich trotz dieses Einwandes für die Umsetzung und eine Subvention von 500 Franken.

Brückenzöllnerinnen sammeln Geld

Der Bau des hölzernen Steges kostete Rund 6000 Franken, wovon der Verkehrs- und Verschönerungsverein das meiste aus der eigenen Tasche stemmte. Für die verbleibenden 1000 Franken wandte sich der Verein mit einer speziellen Aktion an die Bevölkerung: Am 10. September 1911 schlüpften «Töchter Winterthurs» in die Rolle von Brückenzöllnerinnen. Wer die neueröffnete Brücke überquerte, konnte bei ihnen freiwillig eine kleine Spende entrichten und danach auf dem Rossberg ein Freikonzert der Stadtmusik geniessen.  

Eine ungewöhnliche Holzkonstruktion

Die Brücke ist 24 Meter lang und 2,12 Meter breit. Da der Steg breit genug für schmale Fahrzeuge war, erliess die Stadt ein Fahrverbot. Um das Befahren des Stegs zu verhindern, liess die Stadt in der Mitte der beiden Zugänge Stücke von alten Eisenbahnschienen in den Boden rammen. 

Die Tragkonstruktion ruht auf je zwei einbetonierten Stahlstützen an beiden Ufern. Ein hölzernes Sprengwerk, eine Konstruktion aus schräg angeordneten Balken, trägt zusammen mit den bogenförmigen Längsträgern den begehbaren Holzbelag. Die ungewöhnliche Form prägt das Erscheinungsbild des Stegs bis heute.  

Zu schmal für die Revitalisierung der Töss

Im Jahr 2010 drohte dem Chinesenbrüggli der Abbruch. Grund dafür war ein gross angelegtes Projekt zur Revitalisierung der Töss. Die kleine Holzbrücke war zu Schmal für die ursprünglichen Pläne. Aus finanzpolitischen Gründen wurde das Vorhaben aber immer wieder verschoben und dann aufgegeben. 2021 wurde das «Chinesenbrüggli» durch das Winterthurer Ingenieurbüro Dr. Deuring + Oehninger AG saniert.

Namensherkunft

Seinen Namen erhielt der Steg im Volksmund Die geschwungene Holzkonstruktion erinnerte die Bevölkerung offenbar an Brücken, die sie mit chinesischer Architektur in Verbindung brachte. Seit wann genau es so genannt wird, ist nicht bekannt. Der Verkehrs- und Verschönerungsverein seinerseits sprach um 1911 lediglich von einem «hölzernen Steg über die Töss».


Benutzte und weiterführende Literatur

Jurecka, Charlotte: Brücken. Historische Entwicklung – Faszination der Technik, Wien/München 1970.
o. A.: IVS Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz, Bern 2002, Bundesamt für Strassen (ASTRA), Signatur: Inv. Nr. ZH 672.
Sollberger, Raphael: Fussgängersteg «Chinesenbrüggli» in: Inventar der Denkmalschutzobjekte von überkommunaler Bedeutung, Winterthur 2018, Kanto Zürich, Baudirektion, Amt für Raumentwicklung, Archäologie und Denkmalpflege, Signatur: 237STEG00001.
Widmer, Urs: Die Tössbrücken von Winterthur. Geschichtliches, Technisches, Heimatkundliches, Winterthur 1996.
o.A.: An die Bevölkerung Winterthurs!, in: Der Landbote, 07.09.1911.
o.A.: Verkehrs- und Verschönerungsverein Winterthur, in: Der Landbote, 07.05.1911.

Bibliografie


Autor/In:
Giulia Haymoz
Letzte
Bearbeitung:
21.09.2026
Nutzungshinweise
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