Kunst und Kultur

Georges Wenger

Druckgrafiker, Linolschnittkünstler, *1947

Georges Wenger ist ein internationaler Druckgrafiker und Linolschnittkünstler, der seit Jahrzehnten in Winterthur-Töss lebt und arbeitet. Sein Werk zeichnet sich durch technisch hochdifferenzierte Druckgrafik, experimentelle säurefreie Techniken und grossformatige Linolschnitte aus. Er gründete 2002 das Swiss Center for non-toxic Intaglio Printmaking und ist weit über die Schweiz hinaus ausgestellt.


Geburtsort
Zürich

Geboren
10.11.1947


Georges Wenger, 2002.
Foto: winbib, Kurt Zimmermann (Signatur 173056)

Ausbildung und frühe Jahre

Georges Wenger wurde 1947 in Zürich geboren und erlernte von 1964 bis 1968 an der Kunstgewerbeschule Zürich das Handwerk des Typografen und Grafikdesigners. Nach einigen Jahren Berufserfahrung brach er 1972 in einem VW-Campingbus mit seiner damaligen Frau auf zu einer ausgedehnten Reise durch Asien, Nordamerika und Südamerika. Während eines Aufenthalts in Tokyo 1973 kam er zur Druckgrafik und besuchte dort Workshops zu klassischen Tiefdrucktechniken, die den Grundstein für sein späteres druckgrafisches Schaffen legten.

Druckgrafik und technische Innovation

Über vier Jahrzehnte war der Tiefdruck (Radierung, Kupferstich etc.) Wengers Haupttätigkeitsfeld. Später wandte er sich aus gesundheitlichen und ökologischen Gründen säurefreien, nicht-giftigen Druckverfahren zu, bei denen Zeichnungen über lichtempfindliche Polymerfilme und UV-Belichtung auf Kupferplatten übertragen und mit Natriumkarbonat entwickelt werden. Diese Technik ermöglicht eine ähnliche räumliche Wirkung wie traditionelle Ätzverfahren, ohne den Einsatz gefährlicher Chemie. 2002 gründete er das Swiss Center for non-toxic Intaglio Printmaking, um den fachlichen Austausch zu fördern. 

In jüngerer Zeit konzentriert sich Wenger auf grossformatige Linolschnitte, die er auf handgeschöpftem japanischem Papier druckt. Diese Arbeiten entstehen in einem langsamen, meditativen Prozess: Die Vorlagen basieren oft auf eigenen Fotografien, die digital auf Linolplatten übertragen und dort unter Einsatz eigens entwickelter Werkzeuge detailreich ausgearbeitet werden. Der anschliessende Handabdruck erfolgt traditionell mit dem «Baren», einem japanischen Abreibteller, was den Linolschnitten ihre charakteristische Tiefe und Atmosphäre verleiht.

Ausstellungen und Anerkennung

Wenger war an zahlreichen internationalen Ausstellungen beteiligt, unter anderem an der International Print Biennale in Newcastle upon Tyne (2016), wo er eine eindrückliche Serie grossformatiger Linolschnitte zeigte. Kurz darauf erwarb das renommierte Victoria & Albert Museum in London sieben seiner Arbeiten – ein bedeutender Meilenstein in seiner künstlerischen Anerkennung.

Werkstatt und künstlerisches Selbstverständnis

Sein Atelier befindet sich in einer ehemaligen Fabrikhalle der Maschinenfabrik Rieter AG in Winterthur-Töss, wo Wenger ein Umfeld geschaffen hat, das traditionelles Handwerk mit künstlerischer Präzision vereint. Für ihn verbinden sich Kunst und Natur sowie die alltägliche Erfahrung des Lebens: Kunst ist ein «Bereich des Denkens, der sich vor allem auf Papier abspielt», analog zur Musiknotation, die Ideen und Begriffe in Bewegung versetzt.


Benutzte und weiterführende Literatur

Bibliografie

    Wenger, Georges, 1947-, Künstler

    • Einträge 1991–2010

      Ausstellungen: Gal. PulsArt: Landbote 1994/15.--Biographie: Weinländer Zeitung 1995/122 von Kurt Zimmermann. - Landbote 1995/242 1Abb.
      Atelier Traubensaal Rutschwil geräumt, Auktion: Winterthurer Arbeiterzeitung 1996/252. - Landbote 1996/283 von Susi Sasso, m.Abb.
      Weinländer Zeitung 1996/144.
      Besuch im Atelier: Zürcher Magazin 1997/1 von Peter K. Wehrli, m.Abb.
      Druckgrafik, Malerei und Zeichnungen der letzten 30 Jahre: Winterthurer Dok. 2004/41 Ausstellungsprospekt, m.Abb.
      Atelierausstellung: Landbote 2005/ 294 1Abb.
      Retrospektive: Landbote 2009/269 von Angelika Maass, m.Abb.


Autor/In:
Lucia Angela Cavegn
Letzte
Bearbeitung:
16.02.2026
Nutzungshinweise
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