Schulbauten und Kindergärten

Haus Adeline Favre

Katharina-Sulzer-Platz 9

Das Haus Adeline Favre wurde 2020 als Neubau für das Departement Gesundheit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) eröffnet. Der Bau von pool Architekten steht auf dem Fussabdruck der ehemaligen Sulzer-Halle 52 und fügt sich mit seiner gelben Klinkerfassade bewusst in das industrielle Ensemble am Katharina-Sulzer-Platz ein.


Baujahr
1906


Adresse
ZHAW-Departement Gesundheit
Haus Adeline Favre
Katharina-Sulzer-Platz 9
8400 Winterthur

Neubau im industriellen Herzen

Das Haus Adeline Favre steht am Katharina-Sulzer-Platz im ehemaligen Sulzer-Areal. Dieser Platz war einst ein wichtiger Lager- und Umschlagort der Giessereien und ist bis heute stark vom industriellen Charakter des Areals geprägt. Backsteinfassaden, grossmassstäbliche Baukörper und die historische Kranbahn bestimmen das Erscheinungsbild.

Der Neubau entstand an der Stelle der ehemaligen Halle 52. Anders als die benachbarte Halle 53, die unter Denkmalschutz steht, durfte diese abgebrochen werden. Das im Jahr 2013 aus einem Architekturwettbewerb hervorgegangene Projekt «Samba» von pool Architekten übernahm jedoch Spuren des Vorgängerbaus und suchte bewusst die Nähe zur historischen Industriearchitektur.

Eine Fassade als Weitererzählung

Äusserlich erscheint das Haus Adeline Favre fast wie ein Industriebau. Die Fassade besteht aus selbsttragendem gelbem Klinkermauerwerk und nimmt die Gliederung der benachbarten Sulzer-Bauten auf. Vertikale Lisenen, ein niedriger Betonsockel und hohe Fensteröffnungen erinnern an die ehemaligen Giessereihallen.

Auch die historische Kranbahn blieb erhalten. Vor dem Abbruch wurde sie fachgerecht demontiert, auf dem Baugelände ausgelagert und nach Fertigstellung der Fassade wieder montiert. Dadurch bleibt ein prägendes Element des Katharina-Sulzer-Platzes sichtbar.

Trotz dieser starken Annäherung an die umliegenden Industriebauten handelt es sich nicht um eine Rekonstruktion eines realen Vorbildes, sondern um einen eigenständigen Neubau. Die Fassade übersetzt die industrielle Formensprache in eine zeitgenössische Bauweise. Die Fenster sind grösser gerastert. Sie bestehen aus filigranen Stahlprofilen mit Dreifach-Isolierverglasung und erfüllen heutige energetische Anforderungen.

Das Atrium als gedeckter Aussenraum

Im Innern zeigt sich ein deutlicher Bruch zur ruhigen äusseren Erscheinung. Die Räume sind um ein grosses, überdachtes Atrium organisiert. Dieses wird von umlaufenden Galerien gefasst und durch Oberlichter mit Tageslicht versorgt. Hörsäle, Praxisräume und Spezialräume sind als versetzte Betonvolumen in den Innenhof gestapelt.

Durch diese Anordnung entstehen Terrassen, Nischen, Treppen und offene Begegnungszonen. Das Atrium ist nicht nur Erschliessungsraum, sondern ein zentraler Lern- und Aufenthaltsort. Es soll den informellen Austausch zwischen Studierenden, Dozierenden und Mitarbeitenden fördern. Damit greift das Gebäude einen klassischen Hochschultypus auf: eine zentrale Halle mit umlaufenden Gängen und angrenzenden Unterrichtsräumen.

Die Gestaltung unterstützt den Eindruck eines gedeckten Aussenraums. Kandelaberartige Leuchten, Outdoor-Mobiliar und die offene Raumfolge lassen das Atrium eher wie eine Piazza wirken als wie eine gewöhnliche Eingangshalle.

Material, Farbe und Orientierung

Während die Aussenfassade auf gelben Klinker setzt, wird das Innere durch den Sichtbeton dominiert. Die gestapelten Raumkörper erscheinen roh und skulptural. Vermittelnd wirkt die umlaufende Raumschicht zwischen Fassade und Atrium: Dort taucht gelber Kalksandstein auf, der die Materialität des Äusseren in den Innenraum weiterführt.

Die Farbgestaltung dient auch der Orientierung. Die Böden der einzelnen Geschosse sind in erdigen Farbtönen gehalten. Praxisräume wurden in hellblauen Tönen gestaltet, Hörsäle in rötlichen Farben. Die nichttragenden Wände der Galerien bestehen aus gelbem Kalksandstein. So entsteht eine Atmosphäre, die zwischen industrieller Robustheit und lernfreundlicher Aufenthaltsqualität vermittelt.

Zur künstlerischen Gestaltung gehören sgraffitoartige Wandbilder von Judith Albert. Sie legen bildlich die rauen inneren Schichten des Betons frei und betonen damit das Prozesshafte des Ortes.

Raumprogramm und Nutzung

Das Haus Adeline Favre umfasst sechs oberirdische und zwei unterirdische Geschosse. Die Geschossfläche beträgt rund 25’300 Quadratmeter. Im Gebäude befinden sich Unterrichts- und Praxisräume, Hörsäle, Büros, ein Ambulatorium, ein Simulationszentrum, eine Cafeteria und Zonen für Selbstverpflegung.

Der Bau ist auf das Departement Gesundheit der ZHAW zugeschnitten. Er dient der Ausbildung in Pflege, Physiotherapie, Ergotherapie und Geburtshilfe. Die räumliche Organisation unterstützt die interprofessionelle Lehre: Verschiedene Gesundheitsberufe arbeiten im selben Gebäude, nutzen gemeinsame Aufenthalts- und Lernzonen und begegnen sich im zentralen Atrium.

Nachhaltigkeit und Bedeutung

Das Haus Adeline Favre erfüllt den Minergie-Standard und wurde nach den Richtlinien des SIA-Effizienzpfads Energie 2040 geplant. Beheizt und gekühlt wird es unter anderem über ein thermoaktives Bauteilsystem sowie Fernwärme und Fernkälte. Auf Autoparkplätze wurde bewusst verzichtet; stattdessen entstanden grosszügige Veloabstellplätze. Die Nähe zum Winterthurer Hauptbahnhof unterstützt diese Ausrichtung.

Architektonisch steht das Gebäude exemplarisch für den Wandel des Sulzer-Areals vom Industrie- zum Bildungsstandort. Es ersetzt eine ehemalige Giessereihalle, ohne den industriellen Charakter des Ortes aufzugeben. Gerade darin liegt die besondere Qualität des Baus: Er versucht nicht, sich vom Bestand abzusetzen, sondern entwickelt die bestehende Stadtstruktur weiter. Das Haus Adeline Favre zeigt exemplarisch, wie sich historische Industrieareale transformieren lassen, ohne ihre räumliche Identität.

Namensgebung

Benannt ist das Gebäude nach der Walliser Hebamme Adeline Favre (1908–1983). Favre arbeitete während Jahrzehnten in abgelegenen Bergregionen des Val d’Anniviers und galt als Pionierin der modernen Hebammenarbeit in der Schweiz. Bekannt wurde sie insbesondere durch ihre autobiografischen Schriften über den Hebammenalltag im Wallis.


Tschanz, Martin: Mimetisch eingepasst. Haus Adeline Favre der ZHAW Winterthur von Pool Architekten, in: Werk, Bauen + Wohnen, 108. Jg., Nr. 3, 2021, S. 57–61.
Baudirektion Kanton Zürich, Hochbauamt (Hg.): Haus Adeline Favre. Neubau Departement Gesundheit. Einweihung, Zürich 2020.
Thurnherr, Andrea: Bildung in Winterthur: ZHAW eröffnet neues Haus für Hebammen, in: Der Landbote, 28.08.2020.


Bibliografie

    Zürcher Hochschule Winterthur ZHW - ZHAW Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften

    • Einträge ab 2011

      Sedioli, Claudia: "Tatort" hören und Vorlesungen sehen. In: Winterthurer Jahrbuch 2019 (2018). S. 124-127. m. Abb.
      Zürcher Hochschule Winterthur (ZHW), Klassenzusammenlegung, Interne E-Mail Korrespondenz ZHW, offizielle Information an die Studierenden über die Zusammenlegung der Klassen ET1a, ET1b und ET1c, Beschwerde zum Beschluss der Zusammenlegung von ET-Klassen im 1. Studienjahr, Pamphlet «Riesen Skandal in Winterthur im Gange!!!», Referat Dr. W. Inderbitzin, Rektor ZHW «Der lange Marsch. Die ZHW auf dem Weg in die neue Bildungslandschaft», Zeitungsartikel, 2001-2002, in: Doku Landbote 15/6.
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      Einträge 1991–2010

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      Für Mütter: Tages-Anzeiger 1998/298 1Abb. [Winterthurer Dok. 1998/65].
      5 Monate: Tages-Anzeiger 1998/300 Interview Jörin, 1Abb.
      Studienreform, Lehren und Lernen: zhwinfo 1999/2 von Peter Fuchs, m.Abb.
      Kulturmanagement, Lehrfach: Landbote 1999/250, 2000/67, 2001/24. - NZZ 1999/251 S.45. - Tages-Anzeiger 1999/251 [Winterthurer Dok. 1999/53]. --Berater André Haelg: Tages-Anzeiger 2000/2.
      Wohnstudie: Landbote 2000/87.
      Wahl neuer Rektor: Landbote 2000/147.
      Wissensmanagement, Projekt: Landbote 2000/135.
      Entwicklung Steg aus Fiberglas über die Kempt, für Expo '02: Landbote 2000/263.
      Studiengebühren. Bundesgerichts-Entscheid: Landbote 2000/239.
      Sanierung Plattenbau-Siedlung Orlova, Tschechien: Zhwinfo 2000/4 m.Abb. - Schw. Baublatt 2000/23, 52 m.Abb. [Winterthurer Dok. 2000/37]. - Landbote 2000/117 1Abb. - Zürcher Oberländer 2000/117.
      Interims-Rektor Werner Inderbitzin: Landbote 2001/23.
      Neues Fach: Maschinenbau-Informatik: Tages-Anzeiger 2001/63.
      1. Schw. Pflegesymposium: Landbote 2001/70.
      Preis für Mobilfunkantenne: Tages-Anzeiger 2000/114.
      Die ZHW in einer sich wandelnden Bildungslandschaft: Zhwinfo 2000/6 von Werner Inderbitzin.
      Regierungsrat gegen eigenen Sportverband: Landbote 2001/134.
      Sport-Management, Nachdiplomkurs: Landbote 2001/137, 138.
      Sustainability-Symposium: Landbote 2001/204.
      Archäopterix, Projekt Leicht-Flugzeug: Landbote 2001/206 1Abb.,218 Testflug 1Abb.. - Tages-Anzeiger 2001/218 1Abb. [Winterthurer Dok.2001/34]. - Zhwinfo 2003/18 von Robert Kaeser,m.Abb.
      Informatik. Frauen-Klassen: Tages-Anzeiger 2002/37.
      Betonmontagebau, Projekt: Landbote 2002/72.-- Kanu aus Beton: Stadtanzeiger 2002/14.
      1. internationales Innovationsforum "Innoventure02": Stadtblatt 2002/15.
      Absolvententag: Landbote 2002/134 1Abb.
      Stadtplanung Diessenhofen: Landbote 2002/145.
      Zukunft: NZZ 2002/147 S. 49 Interview Werner Inderbitzin, 1Abb.
      Finanzprobleme: Landbote 2002/240. - NZZ 2002/241 S. 43. - Tages-Anzeiger 2002/241 1Abb.
      Management Symposium: Landbote 2002/260, 261 1Abb.
      Kulturkritik: Landbote 2003/38.
      Zentrum für Ökobau. Schliessung: Tages-Anzeiger 2003/82 [Winterthurer Dok. 2003/34].
      Kampf um Studiengänge: Landbote 2003/140.
      Streit zwischen Fachhochschulen, Interview Rektor Werner Inderbitzin: Tages-Anzeiger 2003/125 1Abb. [Winterthurer Dok. 2003/49].
      E-learning; zhwinfo 2002/12 verschiedene Beiträge.
      Biotechnologie. Gefährdet: Landbote 2003/121.
      Lichtdesign, Studiengang "Professionelle Lichtplanung": Zhwinfo 2003/18 von Reto Keller, m.Abb. _ Tages-Anzeiger 2003/11.
      E-learning: Zhwinfo 2002/12 mehrere Beiträge.
      Studiengang "Betriebsökonomie". Bachelor-Anerkennung: NZZ 2003/122 S. 47. - Landbote 2003/121.
      Kampf un Studiengänge: Landbote 2003/140.
      Fachhochschule, die andere Uni ? Stadtblatt 2003/51 von Claudia Blumer.
      Über 1000 eingeschriebene Studenten: NZZ 2003/241 S. 51. --Studiengang Wirtschaftsrecht: Landbote 2004/44 m.Abb.
      Mäander-C-Trakt. Architekten: Burkard und Meyer: NZZ 2004/21 S. 50,2005/127 S. 57.
      Institute an der ZHW: Zhwinfo 2004/19 verschiedene Beiträge.
      Reformen: Zhwinfo 2004/20 von ArthurStraessle, m.Abb.
      1. Forschungsbericht: NZZ 2004/252 S. 51.
      Studiengang Architektur. Einführung gestufter Lehrgang: zhwinfo 2004/22 von Francois Renaud.
      Bologna-Prozess. Mehrere Beiträge: zhwinfo 2004/22. - Landbote 2005/46 1Abb. - Brainstorm 2004/23 Interview Werner Inderbitzin, m.Abb.
      Wird Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften [mit Hochschulen für Angewandte Psychologie, für Soziale Arbeit, Wädenswil und Gesundheit], Rektor: Werner Inderbitzin: Landbote 2005/103 Interview, 1Abb. - NZZ 2005/103 S. 53 1Abb.
      Ergotherapie: Landbote 2005/140.
      Akademischer Austausch über Landesgrenzen, Networking: Stadtanzeiger 2005/29 1Abb. --Studiengang Aviatik: NZZ 2005/246 S. 55.
      Fusion der Fachhochschulen: NZZ 2005/215 S. 53 Interview Werner Inderbitzin und Hans-Peter Schwarz, m.Abb.
      Abteilung Management. Bier importieren und Pub führen "Break even", Technikumstrasse 46: NZZ 2006/136 S. 45,2007/3 S. 49 1Abb. - Landbote 2006/137 1Abb., 237 1Abb., 2007/6 1Abb. - Winterthurer Zeitung 2006/25 m.Abb.
      Die Gebäude: Landbote 2006/276 m.Abb.
      Studiengang "Wirtschaftsrecht": Landbote 2007/24 Bedürfnis.
      Kantine: Zhwinfo 2007/33 von Gabrielle Bischofberger, m.Abb.
      Wird Teil der Hochschule für angewandte Wissenschaften, überregionale Fachhochschule ZHAW: Stadtblatt 2007/26. - Zürcher Oberländer 2007/145. - NZZ 2007/208 S. 59 Interview Werner Inderbitzin, 1Abb. - Tages-Anzeiger 2007/208 Interview Werner Inderbitzin, 1Abb. - Landbote 2007/208 1Abb. [Winterthurer Dok. 2007/33].
      Neue Master-Studiengänge; keine Bewilligung: Landbote 2007/298, 2008/19.
      Pub. Rote Zahlen: Landbote 2008/33 1Abb.
      Lohnsystem. Kritik; Entlassung: Landbote 2008/57.
      Bachelor-Studiengang Hebammen, ab 2008: Landbote 2008/95.
      Break Even. Neues Konzept: Landbote 2008/106 1Abb., 201. - Deponiert Bilanz: NZZ 2009/98 S. 51.
      Departement Gesundheit, Hebammen-Schule, Standort Eulachpassage: Landbote 2008/182, 201. - NZZ 2008/202 S. 60 1Abb.
      Departement Soziale Arbeit. 100 Jahre; Soziallabor, beim Musikpavillon: Winterthurer Zeitung 2008/25 m.Abb.
      Usability-Labor: Landbote 2008/244 1Abb. - NZZ 2008/243 S. 51 1Abb.
      Claude Autenheimer. Geschenk Bilder: Landbote 2008/262 1Abb.
      Die Geburt eines Dinosauriers (Geschichte ZHAW): Winterthurer Jahrbuch 2009 von Marisa Eggli und Urs Baptista, m.Abb.
      Platzmangel: Landbote 2009/149 m.Abb.
      Abteilung Gesundheit 1. Jahrgang. Abschluss: Winterthurer Zeitung2009/41 1Abb.
      Vortrag Ernst Ludwig von Weizsäcker: Landbote 2010/98 1Abb., 99 Interview. --


Autor/In:
Nadia Pettannice
Letzte
Bearbeitung:
26.05.2026
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