Öffentliche Bauten

Haus zum Adler

Obertorgasse 17

Das Haus zum Adler ist eine am Obertor gelegene Rokokovilla von 1764 Es diente der Familie Sulzer «zum Adler» als Wohnhaus und zeitweise als Geschäftssitz ihrer Indiennefabrik. Von 1917 bis 2022 war darin die Stadtpolizei untergebracht. Anschliessend wurde das denkmalgeschützte Gebäude saniert und wieder einer Büronutzung zugeführt.


Baujahr
1764


Adresse
Haus zum Adler
Obertorgasse 17
8400 Winterthur

Bau und Architektur

Das Haus zum Adler wurde im Jahr 1764 anstelle mehrere spätmittelalterlicher Häuser als Stadtvilla mit Mansardendach erbaut. Die gegen das Obertor gerichtete Fssadeumfasst drei Geschosse und sieben Fensterachsen, also sieben senkrecht übereinander angeordnete Fensterreihen. Diese Schauseite wird durch toskanische Eckpilaster eingefasst, es handelt sich dabei um flache, kaum verzierte Wanpdfeiler. Im Erdgeschoss befindet sich ein rundbogiges Eingangsprotal aus stilisierten Bossenquadern, deren Vorderseitenplastisch aus der Wand hervortreten. Den Scheitelstein am höchsten Punkt des Bogens schmückt ein Adler.  Darüber liegt ein kleiner Balkon mit einer Ballustrade. Der Balkon wird von Voluten getragen, das sind spiralförmig eingerollte Schmuckelemente. 

Die Villa enstand in der Epoche des Rokoko (1730 bis etwa 1780). Davon zeugen primär die Gliederung der Fassade, die geschwungenen Fensterstürze im Erdgeschoss und in der Mittelachse sowie die Portalgestaltung und die geschwungenen und verschnörkelten Schmiedearbeiten des Balkongeländers wie des Fensterkorbs im zweiten Geschoss. Östlich des Hauses verläuft eine Seitengasse der Strasse «Obertor», die hinter das Anwesen in den sogenannten Adlerhof führt. Die Rückseite des Gebäudes ist gleich gegliedert wie die Schauseite zur Gasse hin, jedoch ohne Bauornamente.

Familie Sulzer «zum Adler» und die Indiennerie

Schon der Vorgängerbau der Rokokovilla war im Besitz der Familie Sulzer «zum Adler». Der Namenszusatz «zum Adler» wurde zur Unterscheidung der späteren Industriellenfamilie Sulzer verwendet. Von 1798 bis 1833 war das Haus zum Adler Geschäftssitz der Indiennerie von Jakob Sulzer. Die Textildruckerei stellte sogenannte Indiennes her, das sind bedruckte Baumwollstoffe, deren Bezeichnung auf ihren ursprünglich indischen Ursprung verweist.  Sulzer hatte die Fabrik 1798 von deren Gründer Johannes Steiner erworben. Das Unternehmen ging 1833 jedoch Konkurs und das Haus zum Adler war Teil der Konkursmasse. Anschliessend erwarb Baron Heinrich von Wart die Liegenschaft und nutzte sie mit seiner Familie als Winterresidenz.

Polizeiposten am Obertor

Im Jahr 1917 erwarb die Stadt Winterthur das Haus zum Adler richtete darin Büros für die Stadtpolizei ein. 1947 erfolgte ein umfassender Umbau, um das Haus an die Bedürfnisse der Polizei anzupassen. Zu diesem Zweck wurde auch die Raumaufteilung den neuen Gegebenheiten angepasst. 1960 kaufte die Stadt auch die benachbarten Liegenschaften Obertor 11 und 13. Diese wurden ebenfalls von der Stadtpolizei genutzt und 1971 entsprechend umgebaut.

Weiterentwicklung des «Areal Obertor»

2016 befürwortete die Winterthurer Stimmbevölkerung den Bau eines neuen Polizeigebäudes am Teuchelweiherplatz. Nach dessen Fertigstellung zog die Stadtpolizei im Herbst 2022 schrittweise aus dem Haus zum Adler und den benachbarten Gebäuden aus. Bis zum Beginn der Sanierungsarbeit erfolgte eine Zwischennutzung durch die Kantonspolizei und die kantonale Staatsanwaltschaft.

Die stadteigenen Liegenschaften am Obertor sind städtebaulich vor allem durch den weitläufigen Hinterhof, den Adlerhof von grossem Wert. Im Sommer 2024 startete die Stadt mit der Sanierung und Umnutzung der Gebäude Obertor 11, 23 und 17. Im denkmalgeschützten Haus zum Adler wird die ursprüngliche Raumaufteilung soweit möglich wiederhergestellt. In der restaurierten Stadtvilla entstehen Büroflächen. In den Nachbarhäusern Obertor 11 und 13 entstehen im Untergeschoss Gewerbeflächen. In den Obergeschossen wird bezahlbarer Wohnraum angestrebt.


Benutzte und weiterführende Literatur

Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich, Band VI, Die Stadt Winterthur, hg. von Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Basel 1952, S. 100,–102. 
Inventar der überkommunalen Schutzobjekte, Winterthur, Archiv der kantonalen Denkmalpflege Zürich. 
Schutzwürdige Bauten der Stadt Winterthur, hg. von Denkmalpflege der Stadt Winterthur, Winterthur 2006, S. 68. 
Stadt Winterthur: Umnutzung und Sanierung von Altstadtliegenschaften. Liegenschaften Obertor 11, 13 und 17, in: stadt.winterthur.ch, 2022, Online: Stand 28.06.2026.
Stadt Winterthur: Weiterentwicklung Areal Obertor. Sanierungs- und Umnutzungsprojekt, in: stadt.winterthur.ch, 2024, Online:  Stand 28.06.2026.
Zürcher Denkmalpflege, 10. Bericht 1979–1982, hg. von Kantonale Denkmalpflege, Zürich/Egg 1986, Teil 1, S. 150–151.

Bibliografie

    Haus zum Adler. Obertor 17

    • Einträge ab 2011

      Widmer, Urs: "Haus zum Adler". Obertor 17. In: Dokumentation Urs Widmer. Bauwerke und Häuser A-Sch. 5 S.


Autor/In:
Nick Wangler
Letzte
Bearbeitung:
14.09.2026
Nutzungshinweise
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