Wohnhäuser

Haus zum Salmen

Marktgasse 45

Das «Haus zum Salmen» an der Marktgasse 47 blickt auf eine Baugeschichte bis ins Mittelalter zurück. Über Jahrhunderte vereinte die Liegenschaft Wohn-, Handels- und Lagerräume. 1919 wurde es von der italienischen Konsumgesellschaft «Società Cooperativa» übernommen. Das Haus entwickelte sich zu einem wichtigen lokalen Treffpunkt für die italienische Community in Winterthur.


Adresse
Pizzaria Ristorante Molino
Martkgasse 45
8400 Winterthur

Die Bierhalle «Zum Salmen» um 1910. Damals diente das Restaurant auch als Varieté-Theater. Neben humoristischen Konzerten gab es auch athletische Darbietungen, Wahrsagerautomaten und internationale Gastauftritte. Dabei waren Darstellungen aussereuropäischer Menschen teilweise von kolonialen Vorstellungen und exotisierenden Zuschreibungen geprägt.

Foto: winbib (Signatur 022627)

Ein Haus mit mittelalterlichen Wurzeln

Das «Haus zum Salmen» an der Marktgasse 47 ist eine historische Liegenschaft in der Winterthurer Altstadt, deren Baugeschichte bis ins Mittelalter zurückreicht. Archäologische Untersuchungen zeigen, dass das steinerne Hinterhaus zu den ältesten Bauteilen des Häuserblocks gehört und vermutlich älter ist als die angrenzenden Gebäude «Zur Eich», «Zum Apfelbaum» und «Zur goldenen Traube». Die heutige Fassadenmauer des Vorderhauses entstand hingegen erst zu einem späteren Zeitpunkt und ist jünger als die Fassade am Vorderhaus «Zur Eich».

Eine Urkunde aus dem Jahr 1483 liefert erste Hinweise auf die Nutzung der Liegenschaft. Damals gehörte sie dem Winterthurer Baumeister Konrad Gisler, der den Zürcher Predigerherren die Hälfte der Nutzungsrechte überliess. Aus der Quelle geht hervor, dass die Gebäude neben Wohnräumen auch Wirtschaftsräume wie Stall, Kornschütte und Lagerräume umfassten. Nach Gislers Tod nutzten die Predigerherren das Haus mindestens bis 1519 als Unterkunft für reisende Ordensbrüder. 

Eine detaillierte Beschreibung stammt aus einer Teilung der Liegenschaft im Jahr 1681. Sie belegt, dass das Vorderhaus mehrere Stockwerke mit Wohnräumen, Läden, Stallungen, Vorratsräumen und Kornspeicher umfasste. Das Hinterhaus verfügte über einen Keller und mehrere Kammern. Ergänzt wurden die Gebäude durch den Innenhof mit Laubengängen, ein Badstübchen sowie weitere Nebeneinrichtungen. Damit vereinte die Liegenschaft Wohn-, Handels- und Lagerungsfunktionen – eine für spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Stadthäuser typische Nutzung.

Vermutlich vor 1838 wurde die westliche Mauer des mittelalterlichen Hinterhauses abgebrochen und der ehemalige Steinbau in das benachbarte Haus «Zum Apfelbaum» integriert.

Italianità im «Salmen»

Nach zahlreichen Umbauten erhielt die Liegenschaft im 20. Jahrhundert eine gastronomische Nutzung. Im Jahr 1919 übernahm die italienische Konsumgesellschaft «Società Cooperativa» die Liegenschaft und eröffnete am 1. Juli 1920 das dritte seiner Restaurants in Winterthur im «Salmen». Das florierende Restaurant erwarb 1950/51 die benachbarte Liegenschaft «Eich» und in einem Umbau wurden neue Räume für Gäste, Personal und Vorräte realisiert. Per 30. September 1976 schloss die «Società Cooperativa» das Restaurant Salmen.

Der «Salmen» wird ausgehöhlt

In der Nachkriegszeit herrschte in der Schweiz wiederholt grosse Wohnungsnot. Der steigende Bedarf an Wohn- und Geschäftsraum setzte auch die historischen Altstadtkerne unter Druck. Die Winterthurer Altstadt umfasste um 1800 rund 684 Gebäude. Bis 1950 wurden 206 davon abgebrochen und durch Neubauten ersetzt.

Gegen den fortschreitenden Verlust historischer Bausubstanz regte sich zunehmend Widerstand, unter anderem von Seiten des Heimatschutzes. Ab den 1950er-Jahren setzte sich deshalb eine andere Form der Erneuerung durch: Statt ganze Häuser abzubrechen, wurden sie teilweise bis auf die Fassaden und tragenden Aussenmauern entkernt und im Innern neu aufgebaut.

Zwischen 1950 und 1983 wurden weitere 209 Gebäude entweder abgebrochen oder weitgehend ausgehöhlt. Damit waren bis 1983 rund 61 Prozent des Gebäudebestands von um 1800 durch Abbruch oder tiefgreifende bauliche Eingriffe verändert worden.

Auch der «Salmen» war von dieser Entwicklung betroffen. 1983 entschloss sich die Brauerei Haldengut zu einer vollständigen Entkernung der Liegenschaft. Den Umbau leitete der Winterthurer Architekt Peter Stutz. Nach Abschluss der Arbeiten eröffnete darin das erste und letzte Mövenpick-Restaurant in Winterthur. Die Restaurant-Kette tat sich in Winterthur schwer mit der Akzeptanz, weil viele Leute befürchteten, dass die traditionellen Restaurants immer mehr aus der Altstadt verschwinden würden. Das Geschäft konnte nie rentabel betrieben werden. 

Rückkehr der italienischen Gastronomie

1999 zog sich Mövenpick aus Winterthur zurück. Die Nachfolge trat die zum Jelmoli-Konzern gehörende Restaurantkette Molino an. Damit kehrte die italienische Gastronomie an den Standort zurück.


Benutzte und weiterführende Literatur:

o.A.: «Molino» jetzt auch in Winterthur, in: Neue Zürcher Zeitung, 1.09.1999.
Frascoli, Lotti: Handwerker- und Kaufmannshaushalte im frühneuzeitlichen Winterthur. Untersuchung zu vier Liegenschaften in der Altstadt, Zürich und Egg 1997.
c.b.: Nach Salmen nun Mövenpick, in: Neue Zürcher Nachrichten, 07.09.1983.
c.b.: «Mövenpick»-Kette bald in Winterthur, in: Neue Zürcher Nachrichten, 07.01.1983.

Archivalien
StAW, Urkunde Nr. 3823, Original im Staatsarchiv Zürich unter CII/10/334 Obm.A.
StAW, Grundprotokolle: GP 5/325; GP 6/345; GP 4/14; GP 11/199b; GP 2/60 u. 61.
StAW, Bevölkerungsverzeichnisse von Winterthur über die Jahre 1643, 1672, 1683 und 1686–1704: B3p 1–4.
StAW, Steuerbücher: B3f plus Jahrgang.
StAW, Urkunden 76 und 181.

Bibliografie


Autor/In:
Antonio Mestre
Letzte
Bearbeitung:
26.09.2026
Nutzungshinweise
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