Kunst und Kultur

Henri Schmid

Maler, Zeichner, Fotograf, Grafiker, (1924–2009)

Henri Schmid war ein Winterthurer Maler und Grafiker, dessen Werk in der Tradition des Impressionismus steht. Sein Schaffen ist geprägt von einer poetischen Alla-prima-Malerei, einer fein abgestimmten Farbpalette und einer lebenslangen Auseinandersetzung mit Licht, Landschaft und Atmosphäre. Neben Tafelmalerei und Aquarell realisierte er zahlreiche Kunst-am-Bau-Arbeiten in Winterthur und im Kanton Zürich.


Sterbeort
Winterthur

Geburtsort
Winterthur

Geboren
10.01.1924

Gestorben
25.07.2009


Leben und Ausbildung

Henri Schmid wurde 1924 in Winterthur-Töss geboren und wuchs im Sigristenhaus der Stadtkirche Winterthur auf. Früh künstlerisch interessiert, absolvierte er auf Rat seiner Eltern und des Winterthurer Künstlers Rudolf Zehnder eine Lehre als Grafiker-Lithograf in der Grafischen Anstalt Meyerhofer & Co. in Winterthur.

1943 und 1944 besuchte er als Hospitant die Kunstgewerbeschule Zürich und studierte bei Ernst Georg Rüegg und Max Gubler Landschaftsmalerei und Aktzeichnen. 1946 bezog er ein Atelier an der Asylstrasse in Zürich und unternahm seine erste Reise nach Paris. Im selben Jahr reiste er gemeinsam mit dem Maler Walter Kerker in die Provence, wo ihn insbesondere das südliche Licht und die Farbigkeit der Gemälde von Pierre Bonnard nachhaltig prägten.

Reisen und künstlerische Prägung

Ab 1947 führten ihn zahlreiche Studienreisen ins Ausland. 1947 reiste Schmid nach Spanien, 1948 nach Antibes und Paris, wo er Kurse an der Académie de la Grande Chaumière belegte. Bis 1978 setzte er seine Malaufenthalte in Paris regelmässig fort.

Weitere prägende Reisen folgten: 1949 durch Nordafrika und die Sahara, 1956 nach Andalusien, 1960 in die Türkei sowie 1964 nach Tunesien und Marokko. Diese Aufenthalte lieferten zentrale Impulse für seine Gemälde und Aquarelle, insbesondere für seine Wüsten- und Landschaftsbilder.

Berufliche Tätigkeit

1948 machte sich Henri Schmid als Grafiker und Maler selbstständig. Er unterhielt Ateliers in Zürich und Winterthur. Ab 1958 realisierte er Wandmalereien, Mosaike und Sgraffiti im öffentlichen Raum, unter anderem für das Kantonsspital und das Altersheim Rosenthal in Winterthur sowie für mehrere Schulhäuser im Kanton Zürich.

Im Sommersemester 1959 erhielt er auf Empfehlung von Otto Baumberger einen Lehrauftrag an der Architekturabteilung der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich. 1961 nahm er mit seiner Familie Wohnsitz in Winterthur; das Atelier befand sich im Dachstock des Einfamilienhauses an der Kreuzstrasse. 1969 folgte ein Atelieraufenthalt in der Cité internationale des Arts in Paris. Von 1978 bis 1979 unterrichtete er an der Grafik-Abteilung der Kunstgewerbeschule Zürich.

Spätere Jahre

In den 1980er-Jahren reiste Schmid unter anderem nach London sowie mehrfach nach New York. Nach einem Skiunfall im Jahr 1984, der seine Mobilität einschränkte, verlagerte sich sein Arbeitsradius zunehmend ins Zürcher Weinland und ins Tösstal. Dort entstanden atmosphärisch dichte Landschaftsbilder.

1992 erwarb er eine Wohnung an der Côte d’Azur; die Terrasse diente ihm als «atelier en plein air». Ab 1995 bis wenige Monate vor seinem Tod hielt er sich regelmässig im Luberon in der Provence bei seiner Tochter Andrea auf.

Künstlerisches Werk

Henri Schmid verpflichtete sich zeitlebens dem malerischen Augenblick. In der Tradition des Impressionismus entwickelte er eine lockere Alla-prima-Malerei und eine nuancenreiche, raffinierte Farbpalette. Seine Motive reichen von Landschaften und Stadtansichten über Wüstenbilder bis zu Interieurs und Ausblicken durch Fenster.

Kennzeichnend ist eine reduzierte, auf das Wesentliche konzentrierte Bildauffassung. Neben Gemälden schuf er Aquarelle, Lithografien sowie ein weniger bekanntes fotografisches Werk.

1988/1989 widmete ihm das Kunstmuseum Winterthur eine Einzelausstellung. In den Jahren 1991 und 2002 erhielt er zudem bedeutende Porträtaufträge, darunter für Bundesrat Rudolf Friedrich und den Winterthurer Stadtpräsidenten Alois Haas.

Auszeichnungen

Henri Schmid wurde mehrfach ausgezeichnet. 1948 und 1949 erhielt er das Eidgenössische Kunststipendium sowie eine Förderung der Kiefer-Hablitzel-Stiftung. 1968 und 1969 folgte ein Atelierstipendium des Kantons Zürich für einen Aufenthalt in der Cité internationale des Arts in Paris. 1973 sprach ihm die Stadt Winterthur eine Anerkennungsgabe zu, 1976 erhielt er den Preis der Carl-Heinrich-Ernst-Kunststiftung Winterthur.

Engagement

Henri Schmid war seit 1952 Mitglied der Künstlergruppe Winterthur und amtierte über viele Jahre als deren Präsident. Zudem war er von 1979 bis 1992 Mitglied der kantonalen Kulturförderungskommission des Kantons Zürich.


Benutzte und weiterführende Literatur

Büttiker, Herbert: Die Weltraumfahrt im Atelier, in: Der Landbote, 05.12.2009.
Mebold, Adrian: Letzter Meister der «Peinture», in: Der Landbote, 08.08.2009.
M.D.: Vom Reichtum der Farbe. Der Kunstmaler Henri Schmid wird 80, in: Neue Zürcher Zeitung, 10.01.2004.
Walter, Niels: Stadtpräsident verschönert, in: Tages-Anzeiger, 03.08.2001.
H. Re.: Winterthurer Ehrung für Henri Schmid, in: Neue Zürcher Zeitung, 20.02.1974.
O.A.: Henri Schmid, Maler und Graphiker, in: Berner Tagwacht, 08.07.1971.
O.A.: Henri Schmid. Ausstellung im Schloss Arbon, in: Thurgauer Zeitung, 25.04.1969.

Bibliografie

    Schmid, Henri, 1924-2009, Kunstmaler

    • Einträge 1991–2010

      Ausstellungen. Galerie Wolfsberg, Zürich: Landbote 2000/260.
      80: NZZ 2004/7 S. 55. - Landbote 2004/60 Glücksversprechen..., von Martin Kraft, m.Abb.
      Ausstellung Wolfsberg: NZZ 2004/55 von Paul Weder, 1Abb.
      Ausstellung Galerie Fine Arts Collection Ltd: Tössthaler 2007/26 m.Abb.
      Porträt Regierungsrätin Dorothee Fierz: Landbote 2007/123 1Abb., 136 m.Abb.
      Todesanzeige: Landbote 2009/176, 177, 181 Letzter Meister der Peinture, von Adrian Mebold, m.Abb.
      Ausstellung Galerie RW Fine Arts Collection: Landbote 2009/270 Landschaft im Licht der Peinture, von Adrian Mebold, m.Abb. - Winterthurer Jahrbuch 2010 1Abb.


Autor/In:
Lucia Angela Cavegn
Letzte
Bearbeitung:
16.06.2026
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