Wirtschaft und Gastronomie

Johann Philipp Ziegler

Kaufmann und Namensgeber der «Ziegler-Teppiche», 1833–1880

Johann Philipp Ziegler war ein Winterthurer Kaufmann, dessen Name im 19. Jahrhundert international bekannt wurde. Unter der Bezeichnung «Ziegler-Teppiche» brachte er persische Orientteppiche, insbesondere aus der Region Sultanabad (heute Arak), erfolgreich auf den europäischen Markt und prägte damit den Teppichhandel nachhaltig.


Johann Philipp Ziegler.
Foto Familienbesitz / Wikimedia Commons

Von Winterthur in die Welt des globalen Handels

Ziegler entstammte einer Winterthurer Bürgerfamilie. Er wurde 1833 als Sohn des Chirurgen Jakob Ziegler (1798–1882) und von Louise Sulzer (1803–1883) geboren. 1855 verliess er Winterthur und liess sich im aufstrebenden Industriezentrum Manchester nieder. Grossbritannien war die führende Industrie- und Handelsmacht und verfolgte anders als die europäischen Staaten eine Freihandelspolitik. Für exportorientierte Schweizer Unternehmer war Grossbritannien ein attraktiver Ort. Schweizer Händler gründeten Handelsniederlassungen in London oder anderen englischen Städten wie Manchester und vertrieben dort Schweizer Produkte: Maschinen, Uhren, Textilien.

1867 kam Ziegler erstmals mit Persien in Berührung, als er den Auftrag erhielt, den Konkurs der Exportfirma Dinner & Hanhart in Täbris abzuwickeln. Diese Tätigkeit brachte ihn in direkten Kontakt mit persischen Teppichen, deren Qualität in Europa seit den Weltausstellungen des 19. Jahrhunderts zunehmend geschätzt wurde. Der Architekt Gottfried Semper (1803-1878) – er stammte selbst aus einer Familie von Textilfabrikanten – äusserte sich enthusiastisch über die hohe Qualität dieser Teppiche

Sultanabad als Drehscheibe eines neuen Teppichmarkts

Ein Schlüsselfigur für Zieglers späteres Engagement war sein Landsmann Emil Alpiger (1841–1905). Alpiger, bereits seit seiner Jugend im Osmanischen Reich und im Iran tätig, wurde Zieglers Agent und später Geschäftsführer. Gemeinsam verlegten sie den Firmensitz nach Sultanabad.

Die Firma Ziegler & Cie. begann zunächst mit dem Export lokaler Teppiche. Aufgrund der hohen europäischen Nachfrage liess Ziegler jedoch zusätzliche Produzenten im Umland von Sultanabad arbeiten. Die Produktion blieb dezentral organisiert, was Qualität und Flexibilität sicherte. Zeitgenössische Fotografien – viele davon von Antoin Sevruguin, gesammelt durch Emil Alpiger – dokumentieren eindrücklich die Arbeitsbedingungen sowie das Wohn- und Geschäftsgebäude der Unternehmung. Sie befinden sich heute in der Sammlung des Zürcher Museums Rietberg und sind via Wikimedia Commons greifbar. Eines der Bilder zeigt beispielsweise das Kontor der Firma Ziegler in Sultanabad: Am Schreibtisch sitzt ein Europäer mit Hut, im Raum sitzen oder stehen rund ein Dutzend einheimischer Männer mit der typischen Kopfbedeckung, es dürfte sich dabei um Vertreter der Produzenten gehandelt haben. Das waren vielfach kleinere und kleinste Manufakturen oder Familien in der ganzen Region von Sultanabad.

Der «Ziegler-Stil» und das Erbe eines internationalen Unternehmers

Mit der Zeit entwickelte Ziegler Teppiche, die speziell auf den europäischen Geschmack zugeschnitten waren: grössere Formate, schlichtere Muster und weichere Farbpaletten. Diese Produktlinie wurde zum charakteristischen «Ziegler-Stil» und bis heute in der Teppichfachwelt anerkannt.

Ziegler war Teil eines weitreichenden Netzwerks europäisch-schweizerischer Handelsfirmen. Dazu gehörten auch Winterthurer Unternehmen wie Volkart. Der Handel erfolgte oftmals nicht in Geld, sondern im Warentausch, unter anderem mit Baumwolle, Seide, Opium und Teppichen. Die Schweiz entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einem bedeutenden Exporteur persischer Teppiche und war noch in den 1960er Jahren weltweit die Nummer zwei hinter Grossbritannien.

Ziegler war zweimal verheiratet und Vater zweier Kinder. Er starb 1880 in Manchester. Die Firma Ziegler & Cie. wurde von seinem Sohn Karl Theodor weitergeführt und bestand in Sultanabad nachweislich bis 1932. Obwohl Ziegler die Stadt früh verliess, ist er in verschiedenen Winterthurer Bürgerregistern des 19. Jahrhunderts dokumentiert.


Benutzte und weiterführende Literatur

Dominik Landwehr: Johann Philipp Ziegler: Ein Winterthurer wird zum Begriff für Orientteppiche. In: Winterthurer Jahrbuch 2025. S.153-157.
Axel Langer: Emil Alpiger (1841–1905). Teppich-Kaufmann und Sammler. Zürich 2018.    

Bibliografie

    Ziegler, Johann Philipp, 1833-1880, Kaufmann, Textil-Handelsfirma Ziegler & Cie

    • Einträge ab 2011

      Landwehr, Dominik: Johann Philipp Ziegler: Ein Winterthurer wird zum Begriff für Orientteppiche. In: Winterthurer Jahrbuch, 2025. S. 153-157. m.Abb.

      Einträge 1991–2010

      In: Stefan Sigerist. Schweizer in Asien. Schaffhausen, 2001, S. 82 fff.


Autor/In:
Dominik Landwehr
Letzte
Bearbeitung:
20.01.2026