Kunst und Kultur

Katharina Henking

Künstlerin, Grafikerin *1957

Katharina Henking ist eine in Winterthur tätige Künstlerin, deren Werk Zeichnung, Papierschnitt, Skulptur und raumbezogene Installation umfasst. Nach einer Ausbildung im Bereich Grafik entwickelte sie seit den 1980er-Jahren eine eigenständige künstlerische Sprache, die von autobiografischen Zeichnungen über abstrakte Zeichenwelten bis hin zu dreidimensionalen Arbeiten reicht. Seit den 1990er-Jahren ist Winterthur ein zentraler Bezugsort ihres Schaffens.


Geburtsort
Winterthur

Geboren
19.12.1957


Ausbildung und frühe Arbeiten

Von 1975 bis 1980 absolvierte Katharina Henking den Vorkurs sowie die Grafikfachklasse an der Schule für Gestaltung in St. Gallen. Nach einem kurzen Abstecher in den Ausdruckstanz wandte sie sich ganz der Bildenden Kunst zu. In den 1980er-Jahren entstanden unter dem Einfluss der «Neuen Wilden» vorwiegend kleinformatige, autobiografisch geprägte Zeichnungen in Pastell und Kohle. Thematisch befasste sie sich mit Mutterschaft, der Rolle der Frau in der Gesellschaft sowie mit Geschlechterbeziehungen.

Neuorientierung in Winterthur

Um 1990 leitete ein persönlicher Neuanfang, verbunden mit dem Umzug nach Winterthur, eine künstlerische Neuorientierung ein. Die zuvor gegenständlich-figurative Bildsprache wurde zunehmend abstrakter. Alltägliche Gegenstände erschienen nun als rätselhafte, reduzierte Zeichen. Ab 1990 arbeitete Henking mehrheitlich in Schwarz-Weiss und Grautönen. Kurz darauf entstanden die ersten Papierschnitte, aus denen sich Serien sowie raumgreifende, ortsbezogene Installationen entwickelten.

Eine markante Scherenschnitt-Installation zeigte sie 1995 in den Büroräumen der ehemaligen Bankgesellschaft Winterthur, kurz vor deren Umbau. In den folgenden Jahren erweiterte Henking ihr aus der Dingwelt abgeleitetes Zeichenvokabular zunehmend um ornamentale Elemente. Ab 2003 griff sie vermehrt Sujets aus den Printmedien auf, um ihrem Unbehagen gegenüber dem zeitgenössischen politischen und gesellschaftlichen Geschehen Ausdruck zu verleihen.

Hinwendung zum dreidimensionalen Arbeiten

Ende 2012 führte eine existenzielle Krise, verbunden mit der ernsthaften Erwägung, die eigene künstlerische Arbeit aufzugeben und zu zerstören, zu einer tiefgreifenden Transformation ihres Werkes. Eine raumbezogene Installation aus geschredderten Zeichnungen sowie Objekten aus Papierschnitten, die sie im Forum Vebikus in Schaffhausen präsentierte, markierte die endgültige Hinwendung zum dreidimensionalen Arbeiten.

Für die mobilen, oft filigranen Gebilde verwendet Henking seither neben Papier vermehrt Materialien aus der Natur. Charakteristisch ist die Ambivalenz ihrer Arbeiten: Aufgrund der ornamental-repetitiven Struktur und der Nähe zu traditionellen Techniken wie Scherenschnitt oder Textilhandwerk wirken sie auf den ersten Blick dekorativ und harmlos, thematisieren jedoch häufig Ohnmacht, Gewalt und Verletzlichkeit. Seit 2018 rückt die Landschaft verstärkt ins Zentrum ihres künstlerischen Interesses.

Werk, Auszeichnungen und Mitgliedschaften

Das Gesamtwerk von Katharina Henking umfasst Zeichnung, Papierschnitt, Skulptur, Kunst am Bau, Fotografie als Grundlage für Monotypien sowie räumliche Installationen. Für ihr künstlerisches Schaffen erhielt sie mehrfach Auszeichnungen, darunter 1996/97 einen Werkbeitrag des Kantons Zürich, 1999 einen Werkbeitrag der Esther-Matossi-Stiftung Zürich sowie 2011 den Preis der Carl-Heinrich-Ernst-Kunststiftung Winterthur. Seit 1996 ist sie Mitglied der Künstlergruppe Winterthur.


Benutzte und weiterführende Literatur


Bühler, Kathleen: Mitten ins verunsicherte Herz der Kunst geschaut, in: Der Landbote, 29.12.2014.
Huber, Carin: Forum Vebikus: Kunstwerke zum Hören und Staunen, in: Schaffhauser Nachrichten, 13.05.2013.
red.: Kulturpreis für Katharina Henking, in: Der Landbote, 01.10.2011.
Wolfensberger, Iris: Geometrische Muster im MIttelpunkt, in: Der Landbote, 16.9.2005.
Handke, Barbara: Ein grosszügig bespielter Raum, in: Tages-Anzeiger, 17.04.2001.

Bibliografie

    Henking, Katharina, 1957-, Grafikerin

    • Einträge 1991–2010

      Ausstellungen. Atelier Gal. Krause: Landbote 1997/130.
      Zeichen setzen: Winterthurer Jahrbuch 2001 von Kathleen Bühler, m.Abb.
      Kunsthalle: Landbote 2001/92 von Adrian Mebold, m.Abb.
      Galerie Alexander: Landbote 2002/209 von Lucia Cavegn Khammassi, 1Abb.
      Ausstellung Elsau: Landbote 2003/192.
      Kunstkasten: Landbote 2004/212.
      Kunst am Bau Schulhaus Feld: Landbote 2009/265


Autor/In:
Lucia Angela Cavegn
Letzte
Bearbeitung:
16.06.2026
Nutzungshinweise
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