Kunst und Kultur

Manfred Schoch

Maler und Zeichner (1932–2015)

Manfred Schoch war ein Vertreter der zweiten Generation der konkreten Kunst in der Schweiz. Nach einer handwerklichen Ausbildung fand er als Autodidakt zur freien Kunst und prägte ab den 1960er-Jahren die konkrete Malerei in Winterthur. Seine geometrischen Kompositionen verbanden Rationalität, Farbe und später auch Naturerfahrungen.


Sterbeort
Winterthur

Geburtsort
Winterthur

Geboren
05.08.1932

Gestorben
03.02.2015


Manfred Schoch in seinem Atelier 1974. Seine Werke signierte er mit seinem vollen Namen, doch in Künstlerkreisen nannte er sich selbst und andere ihn «Mascho». Manfred Schoch klopfte gerne Sprüche und liess sich gerne mit Zigarette ablichten. 
Foto: winbib (Signatur FotRenold_1453_16)

Ausbildung und Hinwendung zur Kunst

Manfred Schoch wurde 1932 in Winterthur geboren. Er war gelernter Maler und Schriftenmaler und arbeitete zunächst als Dekorateur. In den Jahren 1953 und 1954 wandte er sich als Autodidakt der freien Kunst zu. Unter dem Eindruck der Werke von Edvard Munch entstanden seine ersten gegenständlich-figurativen Gemälde. 

Eine prägende Begegnung hatte er 1959 mit Piet Mondrian. In der Folge schloss sich Manfred Schoch den Zürcher Konkreten an und wurde von den etablierten Künstlern Camille Graeser und Richard Paul Lohse gefördert. 

Die Winterthurer Konkreten

Manfred Schoch gehörte zur zweiten Generation der konkreten Künstler in der Schweiz. Zusammen mit Rainer Alfred Auer, Ulrich Elsener und Willy Müller-Brittnau zählte er zu den sogenannten «Winterthurer Konkreten», die sich in den 1970er Jahren formierten. Einen gemeinsamen Auftritt hatte die Gruppe 1975 in der Ausstellung «7 Winterthurer Konkrete» im Kunstmuseum Winterthur. Die konkrete Kunst löst sich bewusst vom Gegenständlichen und arbeitet mit geometrischen Formen, Farben und Linien, die als eigenständige Bildelemente verstanden werden.

Werk und künstlerische Entwicklung

Schochs frühe Kompositionen folgten logisch nachvollziehbaren, mathematisch-geometrischen Gesetzen. Das Quadrat bestimmte über lange Zeit nicht nur das Bildformat, sondern auch das strukturelle Grundmuster. Später kamen auch Rechtecke, Linien, Kreise und Dreiecke hinzu. Im Gegensatz zu Rainer Alfred Auer, der die Bildfläche durch Diagonalen dynamisiert, integrierte Manfred Schoch Op-Art-Effekte in seine Acryl-Malerei. Der Effekt besteht darin, dass durch fein segmentierte Quadrate und differenzierte Farbabstufungen eine tiefenräumliche Bewegung suggeriert wird, weil das menschliche Gehirn versucht, die Spannung zwischen Fläche und Tiefe aufzulösen. 

Manfred Schoch beschäftigte sich intensiv mit Farbe in ihrer Wirkung und in den Feinheiten ihrer Nuancierungen. So arbeitete er mit Farbverläufen von Grün zu Blau, in denen es mehr um das Subtile des Wechsels ging, aber auch kräftige Rot- und Gelbtöne kamen immer wieder neu variiert zum Einsatz. 

Kunst am Bau in Winterthur

Manfred Schoch setzte in Winterthur mehrere Kunst-am-Bau-Projekte um. 1973 gestaltete er die Pausenhalle des Schulhauses Wallrüti mit einem Wand- und Deckengemälde. 1978 bemalte er die Aussenfassade des Hallenbades Geiselweid und 1987 folgte die Gestaltung der Eingangshalle des Neubaus der Landwirtschaftlichen Schule in Wülflingen. 

Lyrische Erweiterung des Konstruktiven

Im Verlauf der 1980er-Jahre vollzog Manfred Schoch eine Relativierung des streng konstruktiven Ansatzes, indem er Rationalität mit Emotionalität in Verbindung brachte. Er übersetzte Naturerlebnisse in eine konstruktiv-geometrische Bildsprache. Sein Schaffen erhielt dadurch eine lyrische Qualität. Zuletzt arbeitete der Künstler ausschliesslich mit dem Farbstift.

Manfred Schoch war seit 1970 Mitglied der Künstlergruppe Winterthur. Von 1973 bis 1974 war Schoch zudem Mitglied des Internationalen Arbeitskreises für konstruktive Gestaltung. Regelmässig nahm er an den Dezemberausstellungen der Künstlergruppe teil und stellte in verschiedenen Galerien aus, darunter die Galerie «ge» und im Atelier Alexander. 1993 widmete ihm das Kunstmuseum Winterthur eine Einzelausstellung, 2018 folgte eine Retrospektive in den oxyd Kunsträumen.


Benutzte und weiterführende Literatur:

Piniel, Gerhard: Wohlbehütet – Wertgeschätzt. Winterthur Kunst aus Winterthurer Privatbesitz, Winterthur 2018.
Mebold, Adrian: Der Letzte der Winterthurer «Konkreten», in: Der Landbote, 16.02.2015.
Henking, Katharina: Ein Leben im Quadrat. Nachruf, in: Der Landbote, 09.02.2015.
Peege, Christina: Wenn Ränder ein Eigenleben führen, in: Der Landbote, 24.01.2008.
he.: Das Quadrat als Ordnungsmass des Geistigen, in: Neue Zürcher Nachrichten, 25.10.1979.
O.A.: «Konstruktive Arbeiten» von Manfred Schoch, in: Neue Zürcher Nachrichten, 09.03.1973.

Bibliografie

    Schoch, Manfred, 1932-, Kunstmaler

    • Einträge ab 2011

      Geiser, Christine (Hrsg): Manfred Schoch. 5. August 2012. Zum Achzigsten. Winterthur, 2012. Unpag., ill.

      Einträge 1991–2010

      Kunst an der Fabrik (Rieter): Stadtanzeiger 1993/51 m.Abb.
      Ausstellungen. Kunsthalle Waaghaus: Landbote 1993/292 von Georg Rutka, 1Abb.-- Gal. Weisses Haus: Landbote 1996/230 m.Abb.
      Galerie ge: Weinländer Zeitung 1999/14. - Landbote 1999/31 von Adrian Mebold, 1Abb.
      Atelier Alexander: Landbote 2006/87 von Christina Peege, 1Abb., 2008/19 von Christina Peege, m.Abb.


Autor/In:
Lucia Angela Cavegn
Letzte
Bearbeitung:
16.06.2026
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