KMU und Gewerbe

Meyerhofer & Co.

Lithografische Anstalt, 1839–1993

Die Gründung der Firma Meyerhofer & Cie. AG geht auf den Lithografen Jakob Ferber zurück, der 1839 im Haus zum «oberen Adler» am Obertor eine kleine Lithografie-Werkstatt betrieb. 1876 erwarb Jakob Meyerhofer Fries den Betrieb und zügelte ihn 1887 an die Haldenstrasse 1. Um die Jahrhundertwende spezialisierte sich die Firma Meyerhofer, Fries & Co. auf die Herstellung von bedruckten Verpackungen. 1991 tätigte die Firma mit dem Kauf einer neuen Druckmaschine ihre letzte Investition. 1993 wurde sie von der PAWI übernommen.


Gründungsdatum
1840


Adresse
Meyerhofer & Co
Neuwiesenstrasse 69
8400 Winterthur

Jakob Meyerhofer zügelte seine Firma 1887 von der Stadthausstrasse an die Haldenstrasse 1 (heute Theaterstrasse 1) in einen Neubau.
Foto: winbib (Signatur 031528)

Von der Lithografie-Werkstatt zur Kommanditgesellschaft Meyerhofer, Fries & Co.

Die Gründung der Firma Meyerhofer & Cie. AG geht auf den Lithografen Jakob Ferber zurück. Er betrieb 1839 im Haus zum «oberen Adler» am Obertor eine kleine Lithografie-Werkstatt mit zwei Steinpressen, einer Glanzpresse und einer Liniermaschine. Unter anderem druckte er dort die obligatorischen Schultableaux für den Kanton Zürich. 1871 verkaufte Ferber seinem ehemaligen Lehrling Rudolf Maugweiler sein Geschäft. Dieser vergrösserte den Betrieb von drei auf vier Handpressen. 1876 erwarb Jakob Meyerhofer-Freis von Weiach den Betrieb und verlegte ihn 1880 an die Stadthausstrasse 29, wo er eine der ersten Flachdruck-Schnellpressen der Schweiz installierte. Der Betrieb florierte, sodass Meyerhofer 1887 an der Haldenstrasse 1 (heute Theaterstrasse 1) die Firma erweiterte. Dem Neubau gliederte er 1890 eine Akzidenzdruckerei an und nahm seinen Stiefsohn, Albert Fries, der Betriebsleiter und gelernter Lithograf war, in die Firma auf. 1893 trat sein Sohn Carl Meyerhofer-Bretscher in die Firma ein. Er war Kaufmann und kannte sich in der Druckereibranche aus.

Kauf von Spezialmaschinen für Verpackungen

Um die Jahrhundertwende stammten die meisten bedruckten Verpackungen aus dem Ausland. Hierzulande waren sie kaum erschwinglich. Meyerhofer und Fries verfolgten diese Entwicklung und beschlossen, ins Geschäft mit den bedruckten Verpackungen einzusteigen. Da die Fabrik an der Haldenstrasse 1 für ihre Pläne bereits zu klein geworden war, entschieden sie sich, an der Ecke Wülflingerstrasse / Neuwiesenstrasse eine neue Fabrik zu bauen. Diese konnte 1899 bezogen werden. Um die Verpackungen zu bedrucken und zuzuschneiden, kaufte die Firma neue Spezialmaschinen ein. Die Produktion lief erfolgreich an, und neben inländischen Kund:innen kamen bald auch ausländische dazu.

1902 überliess Jakob Meyerhofer-Fries seinen Söhnen die Führung der Firma. Diese wandelten sie in die Kommanditgesellschaft Meyerhofer, Fries & Co. um. 1903 beschäftigte die Firma 120 Mitarbeitende. 1904 erweiterte die Firma an der Wülflingerstrasse die Fabrik um ein Geschäftshaus mit Wohnung. Mit der Einführung des Farbdruckprägverfahrens konnte die Firma die Leistungsfähigkeit zusätzlich steigern. Um Zölle zu umgehen, richtete die Firma 1907 eine Niederlassung in Konstanz ein, die 1907 nach Lörrach verlegt wurde. 1911 folgte eine weitere Niederlassung in Belfort. Damals verfügte die Firma Meyerhofer über vier Steindruck-Schnellpressen. 1917 führte die Firma nach einem Streik der Arbeiterinnen Mindestlöhne zwischen 25 und 40 Rappen pro Stunde ein. 

Offsetmaschinen und Ausbau der Fassionierabteilung

In den 1920er-Jahren kamen Offsetdruckmaschinen auf. Mit ihnen gelang es, das lithografische Druckverfahren qualitativ zu verbessern und zu beschleunigen. 1932 schuf die Firma Meyerhofer & Cie. die erste Zweifarben-Offsetmaschine. In der Folge baute sie ihren Maschinenpark auf vier Maschinen aus. 1932 folgte eine weitere Niederlassung in St. Louis in Frankreich bei Basel. Ab den 1940er Jahren baute die Firma ihre Fassonierabteilung aus. 1952 wurde aus der Kommanditgesellschaft Meyerhofer & Cie. eine Aktiengesellschaft (AG). Kurz darauf verstarb Carl Meyerhofer-Bretscher im Jahr 1954. 

In den 1960er Jahren arbeiteten rund 100 Mitarbeitende für die Firma

In den 1960er Jahren waren rund 100 Mitarbeitende bei Meyerhofer & Cie. tätig. Die Firma, die über die modernsten Fassonierautomaten verfügte, stellte zu dieser Zeit Verpackungen für namhafte Grossfirmen und Werbeagenturen her. Im vollklimatisierten Erdgeschoss lagerte die Firma 550 Tonnen Papier und Karton. Diese wurden im Offsetverfahren bedruckt und in der Fassonierabteilung zugeschnitten, gestanzt, gerillt, ausgebohrt und geklebt. Eine spezielle Abteilung konzentrierte sich auf die Herstellung von Flachbeuteln für Pudding oder Gewürze. Die Firma stellte aber auch Stellplakate und andere Werbemittel her. 1966 führte die Firma verschiedene bauliche Veränderungen im Fabrikteil durch. 1967 sanierte der Architekt A. Prosperpi im Zuge der Modernisierung das Bürogebäude, das aus der Jahrhundertwende stammte und wandelte es in ein Verwaltungsgebäude um.

Neue Druckmaschine und Übernahme durch die PAWI

1991 nahm die Meyerhofer & Cie. AG einen neuen Anlauf und reorganisierte die Firma. Nach längeren Schwierigkeiten investierte sie eine Million in eine neue Druckmaschine. Zu diesem Zeitpunkt war die Firma auf Verpackungen und Display-Material, das heisst Kleinplakate und Kleinwerbeträger, spezialisiert. Hauptkunden waren unter anderem Sandoz, Maggi und Dispersa. Gut zwei Jahre später übernahm die PAWI im Jahr 1993 die Firma Meyerhofer & Cie. AG.


Benutzte und weiterführende Literatur

Meyerhofer & Cie. nimmt neuen Anlauf. In: Landbote, Nr. 164 (1991). 
Gmür, Martin: Brot, Süsses und Edles verpacken. In: Der Landbote, 17.9.2010.
Schaufelberger, Hans: Büro-Umbau der Firma Meyerhofer AG. In: Der Landbote, 15. Dezember 1967.
Aus den schweizerischen Verbänden. In: Gewerkschaftliche Rundschau für die Schweiz, Nr. 9 (1917). 
Nos industries. In: Le national Suisse, 29. Dezember 1903.

Bibliografie


Autor/In:
Karin Briner
Letzte
Bearbeitung:
01.06.2026
Nutzungshinweise
QR-Code generieren