Kunst und Kultur

Oliver Krähenbühl

Maler, *1963

Oliver Krähenbühl ist ein Maler und Medienkünstler, dessen Werk sich von der Malerei und Zeichnung zu raumbezogenen, multimedialen Installationen entwickelte. Seit den 1990er-Jahren ist er eine prägende Figur der Winterthurer Kunstszene. Er engagiert sich in verschiedenen Kunsträumen und kulturpolitischen Gremien und realisierte bereits zahlreiche Ausstellungen, Installationen und Videoprojekte im In- und Ausland.


Geburtsort
Basel

Geboren
04.09.1963


Oliver Krähenbühl in seinem Atelier, Aufnahme 2014
Foto: Regula Thomas, zvg. Oliver Krähenbühl

Ausbildung und frühe Jahre

Oliver Krähenbühl wuchs in Basel und in Greifensee auf. 1984 zog er nach Winterthur, später nach Neftenbach. Von 1984 bis 1986 absolvierte er eine Ausbildung an der F+F Schule für Kunst und Mediendesign in Zürich.

1990 gründete er gemeinsam mit dem Winterthurer Künstler Stephan V. Müller und dem Fotografen Paul Golla die Galerie Pendenz in Winterthur. Vier Jahre später war Krähenbühl Mitbegründer des Kunstraums Konradstrasse 11, der in den 1990er-Jahren eine wichtige Plattform für zeitgenössische Kunst in Winterthur bildete.

Künstlerisches Werk

In den frühen 1990er-Jahren entwickelte Oliver Krähenbühl eine eigenständige malerische Bildsprache. Transparente, sich überlagernde Farbschichten erzeugen vielschichtige Bildräume in meist kühler, heller Tonalität. Fleck und Raster wurden zu konstanten bildnerischen Elementen in seinen Werken. Ausgehend vom eigenen Daumenabdruck entwickelte Krähenbühl Formen, die zugleich als Kugeln oder Köpfe und – in optischer Umkehrung – als Gefässe erscheinen. Dieses Vokabular verdichtete er zu traumhaft-surrealen Landschaften sowie zu rätselhaft-poetischen, organisch anmutenden Bildformen. 

1999 widmete ihm das Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen seine erste institutionelle Ausstellung. Zwei Jahre später war die Malerei-Installation Dream on an der Dezemberausstellung in Winterthur zu sehen, die neben Gemälden auch Hängeobjekte und ein tischähnliches Objekt umfasste. Ausgehend von Malerei und Zeichnung erweiterte Krähenbühl sein künstlerisches Spektrum schrittweise um neue Medien. Experimentelle Offenheit und reflektierte Arbeitsprozesse prägen seither sein Œuvre.

Nach der Jahrtausendwende wandte er sich vermehrt der Digitalfotografie zu. 2003 entstand mit heim-suchen die erste Videoarbeit, die er in der Galerie GE präsentierte. In den folgenden Jahren spezialisierte sich Krähenbühl auf multimediale, den Raum einbeziehende Präsentationsformen, in denen Bilder, Zeichnungen, Fotografien und Video miteinander in Beziehung treten.

Installationen und Ausstellungen

Die Installation Flag – eine Kombination aus Readymades (Fahnen), Malerei und Video – zeigte Oliver Krähenbühl 2014 im artspace R 57 sowie 2015 an der Dezemberausstellung im Kunstmuseum Winterthur. Mit der Lichtinstallation november lights, die 2014 in der Werkstattgalerie Aarau präsentiert wurde, erprobte er eine neue, atmosphärisch geprägte Form des räumlichen Arbeitens.

Anlässlich der Jubiläumsausstellung 100 Jahre Künstlergruppe Winterthur in der Sulzerhalle 1020 (2016) realisierte Krähenbühl mit DROON seine erste freistehende Videoinstallation.

Atelieraufenthalte und Engagement

Oliver Krähenbühl absolvierte zahlreiche Atelieraufenthalte, darunter 1992 in Berlin, 1995 in Paris, 2002 in New York und 2015 in London. Weitere Studienaufenthalte führten ihn 2005 nach Peru, 2007 nach Tokyo sowie 2012 nach Thailand und Burma.

Seit 2006 lebt Krähenbühl in Suhr (AG); sein Atelier befindet sich im benachbarten Hunzenschwil. Von 2006 bis 2013 war er Mitglied der Kunstkommission der Stadt Winterthur als Vertreter der Künstlergruppe Winterthur. 2011 kuratierte er im Raiffeisen Kunstforum Winterthur eine Ausstellung mit lebensgrossen Holzfiguren von Hans Bach.

Auszeichnungen und Mitgliedschaften

Oliver Krähenbühl erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Förderungen, darunter 1994 ein Atelierstipendium des Kantons Zürich, 1995 einen Werkbeitrag des Kantons Zürich sowie einen Unterstützungsbeitrag der Gleyre-Stiftung. 2000 wurde er mit dem Maler-Dünner-Förderpreis ausgezeichnet. Weitere Werkbeiträge und Atelierstipendien erhielt er 2011, 2014 und 2019 vom Aargauer Kuratorium. 2020 folgte der Preis der Carl-Heinrich-Ernst-Kulturstiftung Winterthur, 2021 ein Projektbeitrag von Pro Helvetia.

Seit 2000 ist Oliver Krähenbühl Mitglied der Künstlergruppe Winterthur.


Benutzte und weiterführende Literatur


dwo: «Magische Präsenz», in: der Landbote, 03.06.2021.
Schaffter-Wieland, Isolde: Ruhe in der Unruhe, Schweizer Illustrierte, 20.07.2009.
dob: Malerei als Palimpsest, in: Neue Zürcher Zeitung, 07.02.2001.
mfr: Oliver Krähenbühl in Schaffhausen, in: Neue Zürcher Zeitung, 08.02.1999.
pan: Malerei pur, in: Der Bund, 18.09.1996.


Bibliografie

    Krähenbühl, Olivier, 1963-, Kunstmaler

    • Einträge 1991–2010

      Ausstellungen. Galerie Weisses Haus: Landbote 1992/227 1Abb.
      Eglisau: Landbote 1993/199 von Sandra Leis, 1Abb.
      Konradstrasse 11: Landbote 1994/264.
      Galerie Kunst-Treppe: Landbote 2000/212 1Abb.
      Maler Dünner Förderpreis 2000: Landbote 2000/82 1Abb. - Stadtanzeiger 2000/14 1Abb. - Weinländer Zeitung 2000/99.
      Galerie ge: Landbote 2003/217.
      Galerie Lutz&Thalmann, Zürich: Landbote 2004/120 von Christina Peege, 1Abb.


Autor/In:
Lucia Angela Cavegn
Letzte
Bearbeitung:
20.04.2026
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