KMU und Gewerbe

Reismühle Hegi

Reismühleweg 36

Die Reismühle in Hegi ist die älteste noch betriebsfähige Sägerei mit Wasserantrieb in der Region Winterthur. Seit 2002 wird sie vom Verein Sagi Reismühle als Schausägerei betrieben. Die Ursprünge des Gebäudeensembles reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Den Anfang machte ein Mühlebetrieb. Die alte Sägerei geht auf das 18. Jahrhundert zurück.


Adresse
Reismühle Hegi
Reismühleweg 36
8409 Winterthur

Aquarell der Reismühle Hegi, 1917.
Foto: winbib, Jakob Greuter (Signatur 068726_O)

Die mittelalterliche Reismühle

Die Gemeinde Hegi verfügte im Mittelalter über drei Wassermühlen, die von der Eulach gespiesen wurden. Die Dorfmühle, die Obere Mühle und die Reismühle.

Die Anfänge der Reismühle reichen vermutlich bis ins 14. Jahrhundert zurück. Die Mühle wurde etwas abseits vom Dorf auf dem freien Gelände errichtet. Der erste sichere schriftliche Beleg stammt aus dem Jahr 1429. Die Mühlen gehörten im Mittelalter zu den sogenannten ehehaften Betrieben. Dabei handelt es sich um Gewerbebetriebe, die zur Grundausstattung einer Grundherrschaft gehörten und über Sonderrechte verfügten.  Dazu zählten Mühlen, Bäckereien, Schmieden und Gasthäuser. Das Müllerhandwerk war im Mittelalter deshalb eines der angesehensten und lukrativsten Berufe unter der Landbevölkerung.

Um eine Mühle betreiben zu können braucht es fliessendes Wasser. In Hegi wurde es von der Eulach über ein Wuhr abgezweigt und über einen künstlichen Kanal zu den Mühlen geleitet. Um die Wasserkraft nutzen zu können musste vor der Mühle zudem ein künstlicher Wasserfall angelegt werden. Davon leitet sich auch die Bezeichnung «Reis» ab, was «fallen» oder «steigen» bedeutet. Über ein Wasserrad konnte die Wasserkraft in die Mühle geleitet und dort die beiden kreuzweise gerillten Mühlsteine angetrieben werden. Auf diese Weise wurde das Korn zu Mehl gemahlen. Je nach Getreideart waren mehrere Mahlgänge notwendig.

Mühle, Bäckerei und Sägerei

Aufgrund einer erhaltenen Jahreszahl in einer Eichenstütze im Keller der Mühle ging man davon aus, dass die Reismühle 1622 neu errichtet wurde. Viel ist von dieser Zeit nicht bekannt, aber es dürfte sich um eine ganze Gebäudegruppe mit mehreren Wohnhäusern und Wirtschaftsbetrieben gehandelt haben. Um 1760 wurde die Anlage um eine grosse Sägerei erweitert. Im Jahr 1850 übernahm Friedrich Peter die Reismühle mit ihren beiden Wohnhäusern und liess fünf Jahre später ein zweites Wasserrad montieren. Sein Nachkomme Eduard Peter richtete 1886 zusätzlich eine Bäckerei ein. So entwickelte sich das ehemalige Mühleareal zu einem eigentlichen Gewerbekomplex. Dort wurde zeitweise für den Landwirtschaftlichen Kantonalverband Mais, Hafer und Gerste verarbeitet.

1897 fiel ein Teil der Sägerei einem Brand zum Opfer und musste wiederaufgebaut werden. 1910 übernahm Werner Kübler aus Wiesendangen die Anlage. Er war auf Holzhandlung- und verarbeitung spezialisiert, weshalb er die Mühle und die Bäckerei bald darauf einstellte. In der ehemaligen Mühle liess er einen Fräsenraum einbauen. Das Wasserrad der Mühle verkaufte er 1921 an die Sägerei Dübendorfer in Wila.

In der Reismühle wurde darauf sogenanntes «Reisholz» oder Reisig zersägt. 1949 erfolgte dann auch die Stilllegung des Zweiten Wasserrades bei der Sägerei. Stattdessen wurde eine Blockbandsäge errichtet, die ihrerseits 1970 durch eine Vollgattersäge ersetzt wurde. In der Sägerei können Baumstämme von bis zu sechs Meter verarbeitet werden.

Restaurierung und Zerstörung des Wasserrades

In den 1970er-Jahren bemühte sich der Winterthurer Schreiner und Präsident des Winterthurer Heimatschutzes Max Siegrist um den Erhalt der historischen Mühle und stand dafür auch in engem Kontakt mit dem Besitzer. Auch der Stadtrat lenkte ein und liess die inzwischen heruntergekommene Mühle umfassend restaurieren.

Das Gebäudeensemble wurde in das Inventar der kantonalen Schutzobjekte aufgenommen. Für die Reinigung des alten Wasserrades wurden damals Pfadfinder:innen aufgeboten. Die Sägerei war bis zum Tod von Werner Kübler 1984 in Betrieb. Viele Schulklassen nutzten die Gelegenheiten und besuchten die Schausägerei.

Im Winter 1997 erlitt das verbleibende Wasserrad einen Totalschaden, weil der Gewerbekanal zufror und einen Teil des Rades zermalmte. Es musste danach für 45'000 Franken ersetzt werden.

Verein Sagi Reismühle Hegi

Das Baudenkmal sollte als Schausägerei wieder in Betrieb genommen werden. Es handelt sich um die letzte Sägerei in der Region Winterthur mit Wasserantrieb. Zu diesem Zweck wurde im Jahr 2002 der Verein Sagi Reismühle Hegi ins Leben gerufen. Freiwillige arbeiten in der Mühle und halten sie instand. Neben dem schmieren der Zahnrädchen und der Riemen müssen sie auch den Kanal putzen und das Sägemehl entfernen. Der Verein führt die Sägerei mehrmals im Jahr öffentlich vor und die Anlage kann nach Absprache auch von privaten Gruppen besucht werden.  


Benutzte und weiterführende Literatur

Sollberger, Raphael: Reismühle Hegi, Mühlegebäude mit Sägerei, in: Inventar der Denkmalschutzobjekte von überkommunaler Bedeutung, Stadt Winterthur, Band 1, 2018, S. 116–121.
Klee, Doris: Mühlen in Hegi, in: Hegi. Ein Dorf in der Stadt (332. Neujahrsblatt der Stadtbibliothek Winterthur), 2002, S. 121–124.
Gmür, Martin: Der alte Mann und die Mühle, in: Tages-Anzeiger, 17.09.2002.
Meyer, E.: Neues Wasserrad für alte Sägerei, in: Neue Zürcher Zeitung, 18.09.2002

Bibliografie

    Reismühle Hegi

    • Einträge 1991–2010

      Erhaltung und Wasserkraftbetrieb: Zürcher Heimatschutz Heft 1998/20 S.2+21, 1Abb.
      Wasserrad zerstört: Tages-Anzeiger 1999/125 1Abb.
      Sanierung Kanal und Rad: Zürcher Heimatschutz 1999/20 1Abb. - Landbote 2000/139.
      Die Reismühle [Hrsg. Heimatschutz]: Winterthurer Dok. 2000/39 m.Abb.
      Restaurierung, neues Rad: Landbote 2002/204 1Abb. - NZZ 2002/215 S. 43 1Abb. - Tages-Anzeiger 2002/217 1Abb. - Zürcher Heimatschutz 2004/25 m.Abb.
      In: Schweizer Mühlentag 2004, 22. Mai 2004, Samstag nach Auffahrt. Redaktion: Walter Weiss.[Stammheim] : Vereinigung Schweizer Mühlenfreunde, 2004, Nr. 95 Kurzinfo, 1Abb.


Autor/In:
Nadia Pettannice
Letzte
Bearbeitung:
23.06.2026
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