Kunst und Kultur

Robert Steiner-Jäggli

Architekt, 1931–2015

Robert Steiner, geboren 22. Februar 1931 in Winterthur, Architekt ETH, verstarb am 15 Februar 2015. Er spezialisierte sich früh auf die Renovation baukultureller Zeugen. Er war 1974 Mitbegründer des Winterthurer Heimatschutzes. Ab 1968 war Robert Steiner Bauberater des SHS, zuletzt Chefbauberater. Er war auch Mitglied des Geschäftsausschusses des SHS. 2001 wurde er zum Ehrenmitglied des SHS gewählt.


Geburtsort
Winterthur

Geboren
22.02.1931

Gestorben
15.02.2015


Undatiert: Robert Steiner-Jäggli 1931-2015 Foto: winbib, Urheberschaft unbekannt (Signatur 172544)
Robert Steiner war ein Mann des Heimatschutzes und er hat sich mit diesem Wirken schweizweit einen Namen gemacht. Aber sein Leben und Schaffen war ebenso mit der Villa Flora und der Sammlung Hahnloser eng verbunden. Zusammen mit seiner Frau Verena, einer Enkelin der Kunstsammlerin Hedy Hahnloser, die er 1962 heiratete, wohnten sie seit 1985 in diesem geschichtsträchtigen Haus an der Tösstalstrasse. Aber nicht nur der Erhalt von bisherigem Gebautem war seine Präferenz. Der stets freundliche und zurückhaltende Robert Steiner baute auch selber. Sichtbare Zeugnisse seines Wirkens als Architekt sind der Zwischenbau im Kantonsspital Winterthur und das 1971 eröffnete Zentrum Römertor, das Robert Steiner zusammen mit Edwin Bosshardt realisierte. Der markante Bau mit seinem Theatersaal, der in Oberwinterthur die Funktion eines Quartierzentrums erfüllte, lässt sich mit dem zur selben Zeit erstellten Zentrum Töss vergleichen und gilt als schutzwürdig. Neben den Renovationen der eigenen Villa Flora hat Steiner in der näheren Umgebung auch den Umbau der unter Schutz stehenden Villa Schlosshalde in Pfungen realisiert. Eine Liebe zum Detail habe ihn ausgezeichnet, sagt Heimatschutz Winterthur Co-Präsident Beat Schwengeler und fügt bei: “Robert Steiner war ein unermüdlicher Schaffer“.

Eine Herzensangelegenheit war ihm das Kunstmuseum Villa Flora. Dieses Haus mit der Kunstsammlung von Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler mit Werken von Künstlern wie Bonnard, Cezanne, Vallotton und Hodler war knapp 20 Jahre die Perle unter den Winterthurer Museen. Nicht zu vergessen ist der wunderbar angelegte Garten mit den beiden Maillol-Figuren. Schmerzhaft war für Robert Steiner das vorerste Scheitern seines nun letzten Projektes gewesen. Er wollte das ganze Gebäude der Villa Flora zum Museum machen und er und seine Gattin waren dazu sogar bereit auszuziehen und ins „Stöckli“ (Kutscherhaus) im hinteren Teil des Flora-Areals zu zügeln. Das bestens aufgegleiste Vorhaben scheiterte im letzten Moment, als die Stadt Winterthur aus finanzpolitischen Gründen sich nicht mehr getraute, die mit dem Kanton Zürich abgesprochene Museumsvorlage vor die Volksabstimmung zu bringen. Noch sind aber Varianten im Gespräch, die hoffen lassen, eine wieder reduzierte Ausstellungstätigkeit aufgenommen werden kann. In der Publikation „Schweizer Heimatschutz“ würdigte der ehemalige Redaktor und Geschäftsführer des Schweizerischen Heimatschutzes Marco Badilatti seinen Weggefährten Robert Steiner wie folgt: „Die Winterthurer Stadtkirche war voll mit Leuten, die ihm die letzte Ehre erweisen wollten. Das spricht für sich. Am 15. Februar 2015 ist der langjährige Chefbauberater des Schweizer Heimatschutzes, Robert Steiner, im Alter von 84 Jahren verstorben. Seine Stimme wog schwer — schon wegen ihrer sonoren Klangfarbe und seines kraftvollen Lachens, mit dem sein sinnenfreudiges und stoisch-gelassenes Gemüt eine ganze Runde anstecken konnte. Wann immer Robert Steiner das Wort ergriff, blitzten seine Augen auf, wurde es ernst und zugleich anekdotisch. Egal, ob man über Geschichte, Architektur, Kunst, Ortsbild- und Landschaftsschutz, Politik oder Gesellschaftsfragen diskutierte: Er hatte etwas zu sagen. Und dieses nährte sich von der Liebe zur Sache und vom liberalen Gedankengut der Gründerzeit, distanzierte sich aber von dessen späteren kapitalistischen Auswüchsen.

Architekt und Kunstfreund Robert Steiner wurde am 22. Februar 1931 in Winterthur geboren und studierte an der ETH Zürich Architektur. Schon bald machte er sich selbstständig und spezialisierte sich auf die Renovation baukultureller Zeugen. 1962 heiratete er Verena Jäggli, mit der er drei Töchter hatte und die seinen Kunstsinn teilte. Deren Grossmutter, Hedy Hahnloser-Bühler, hatte 1896 die legendäre Villa Flora erworben, darin ihr Atelier eingerichtet und eine Kunstsammlung mit Werken bedeutender Maler wie Vallotton, Vuillard, Bonnard, Matisse, van Gogh, Giacometti und Hodler angelegt und so in Winterthur der zeitge-nössischen Kunst einen Platz gesichert. Auch für Robert Steiner und dessen Gattin wurde die Villa zur Herzenssache, indem sie einen Trägerverein und die Stiftung Hahnloser-Jäggli gründeten. Obwohl ihr Ziel, die Sammlung integral zusammenzuhalten, in einem Kompromiss endete, wurden sie 2011 für ihre unschätzbaren Verdienste um die Stadt mit dem «Winterthurer Löwen» geehrt.

Im Dienste von Kultur und Natur Der Schweizer Heimatschutz hatte Robert Steiner bereits zehn Jahre zuvor zum Ehrenmitglied ernannt. Dieser war 1968 zum Nachfolger von Max Kopp, 1972 zum Chefbauberater des Schweizer Heimatschutzes, 1976 in den Geschäftsausschuss und später zum Vizepräsidenten gewählt worden. Zudem wirkte er in der Wakkerpreis- und Redaktionskommission der Verbandszeitschrift, in der Heimatschutzgesellschaft Winterthur und in mehreren lokalen Stiftungen mit, so in Splügen, Hospental, in der Leventina, im Thur- und Tösstal. Landauf, landab trugen zahllose Gutachten zu umstrittenen Projekten entweder seine Handschrift, oder war Steiner an solchen beteiligt. Einäugigkeiten abgeneigt, bemühte er sich dabei stets um die Gesamtsicht. Denn als passionierter Natur- und Bergfreund stand er auch der Raumplanung, dem Landschafts-und Umweltschutz nahe und brachte sich überdies in die Kulturpolitik ein. Nicht alles gelang, aber die Linienführung der N2 bei Faido etwa geht massgeblich auf seinen Einsatz zurück. Ethischen Werten verpflichtet Mit Robert Steiner haben der Schweizer Heimatschutz wie überhaupt die umwelt- und kulturpolitische Schweiz einen kompetenten Fachmann, zuverlässigen Ratgeber, zielstrebigen Mitstreiter, vor allem aber einen liebenswürdigen Mitmenschen und Freund verloren. Sein feines Gespür für die Gemeinschaft sowie für kulturelle und ethische Werte war vorbildlich und bleibt zeitlos gültig."

Bibliografie


Autor/In:
Heinz Bächinger
Unredigierte Version
Letzte
Bearbeitung:
02.09.2022