Kunst und Kultur

Robert Wehrlin

Maler, Glasmaler und Grafiker (1903–1964)

Robert Wehrlin wuchs in Winterthur auf und wurde nach einer prägenden Begegnung mit Ernst Ludwig Kirchner zu einem wichtigen Vertreter der expressiven und später gestisch-abstrakten Malerei mit engem Bezug zur Stadt Winterthur. Neben Ölmalerei und Grafik schuf er bedeutende Werke der Glasmalerei und wirkte als Vermittler der École de Paris für jüngere Schweizer Kunstschaffende.


Sterbeort
Winterthur

Geburtsort
WInterthur

Geboren
08.03.1903

Gestorben
29.02.1964


Ausbildung und Wendepunkt

Robert Wehrlin wuchs in Winterthur auf und besuchte hier das Gymnasium. Nach der Maturitätsprüfung im Jahr 1921 begann er ein Jurastudium in Leipzig, Heidelberg und Frankfurt am Main. 1922 lernte er in Davos den Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner kennen, dessen Mutter sich dort wegen einer Tuberkulose-Erkrankung über viele Jahre aufhielt. Diese Begegnung wurde zum biografischen Wendepunkt: 1924 brach Wehrlin sein Universitätsstudium ab und entschied sich, Maler zu werden. Mit Kirchner blieb er bis zu dessen Tod freundschaftlich verbunden.

Künstlerische Ausbildung und internationale Aufenthalte

In der Folge liess sich Wehrlin in Paris nieder und besuchte verschiedene Akademien. Um 1930 reiste er nach England. 1938 zog er mit seiner Frau nach Antony-sur-Mer. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte er seine Auslandaufenthalte fort, darunter Reisen nach Italien (1947, 1963), Spanien (1960, 1961) und Mexiko (1962).

Seit 1946 unterhielt Wehrlin zudem ein Atelier in Winterthur und kehrte regelmässig in die Schweiz zurück, um an Ausstellungen teilzunehmen und Aufträge im Bereich Kunst am Bau auszuführen. Winterthur blieb damit zeitlebens ein wichtiger Bezugspunkt seines Schaffens.

Malerei zwischen Expression und Abstraktion

In der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre entstanden zunächst kleinformatige Ölgemälde, vorwiegend Landschaften, Bildnisse und Figurenbilder in tonigen Farbskalen. Ab 1928, unter dem Eindruck von Kirchners Davoser Landschaften, entwickelte Wehrlin eine eigenständige, expressive Bildsprache mit hellerer und intensiverer Farbigkeit.

Während des Zweiten Weltkriegs setzte er sich künstlerisch mit dem Zeitgeschehen auseinander. Aus persönlicher Betroffenheit entstanden karikierende Zeichnungen und Kaltnadelradierungen sowie Ölgemälde wie La mort de Siegfried (1939) und Der Krieg in Polen (1940). Der Kunsthistoriker Gerhard Piniel charakterisierte Wehrlins Haltung als bewusste Abkehr von Biederkeit und Konformismus und beschrieb Malerei für ihn als «Façon de vivre».

Nach Kriegsende führte Wehrlin die gegenständlich-figurative Malerei fort, realisierte zahlreiche Porträtaufträge – insbesondere Kinderbildnisse – und wandte sich zugleich der gestisch-abstrakten Malerei zu. Diese Entwicklung stand unter dem Einfluss der École de Paris, deren Errungenschaften er aufnahm und weitervermittelte.

Vermittlerrolle und Glasmalerei

Als Vermittler der École de Paris wurde Wehrlin zum Mentor jüngerer Künstlerfreunde, darunter Hans Ulrich Saas, Heinrich Bruppacher und Eugen Eichenberger. Die gestisch-abstrakte Malerei setzte er bevorzugt in grossformatigen Werken um und übertrug sie auch in die Glasmalerei.

Die Erneuerung der Sakralkunst war ihm ein zentrales Anliegen. Er erhielt mehrere bedeutende Aufträge für Kirchenfenster, darunter für die Französische Kirche Winterthur (1958), die Reformierte Kirche Elsau (1960), das Krematorium Nordheim Zürich (1964) sowie die Dorfkirche Bachs (1964). In diesen Arbeiten verband er figürliche und abstrakte Elemente zu einer zeitgemässen Bildsprache.

Weitere Tätigkeiten

Neben Malerei und Glasgestaltung war Robert Wehrlin auch als Buchillustrator tätig. Er arbeitete mit französischen und schweizerischen Verlagen zusammen und erweiterte sein künstlerisches Schaffen damit um ein weiteres wichtiges Ausdrucksfeld


Benutzte und weiterführende Literatur

O.A.: Robert Wehrlin, Thurgauer Zeitung, 04.03.1964.
R.Hs. Robert Wehrling gestorben, 02.03.1964.
P.Nz.: Galerie Läubli: Robert Wehrlin, Neue Zürcher Zeitung, 21.03.1961.
g.: Kunstchronik, in: Neue Zürcher Nachrichten, 16.05.1949.

Bibliografie

    Wehrlin, Robert, 1903-1964, Kunstmaler

    • Einträge ab 2011

      Winteler, Josef: Das Wunder von Elsau. In: Elsauer Zytig, Nr. 204 (2015). S. 70. m. Abb.

      Einträge 1991–2010

      Eglise française, Neuwiesenstr. 40, Kirchenfenster: Landbote 1958/1.
      Retrospektive Bischofszell: Landbote 2003/56, 129 von Gerhard Piniel, m.Abb.
      Ausstellung Kirchgemeindehaus Elsau: Landbote 2003/300 1Abb.
      Wandbilder Wohlfahrtshaus Gebrüder Sulzer, Oberwinterthur. Neuer Standort? Landbote 2007/101 von Gerhard Piniel, m.Abb. - Tages-Anzeiger 2009/204 Abbruch, 1Abb.


Autor/In:
Lucia Angela Cavegn
Letzte
Bearbeitung:
10.01.2026
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