Industrie- und Gewerbeanlagen

Roter Turm (PTT-Hochhaus, Swisscom-Hochhaus)

Theaterstrasse 17

Mit seinen roten Klinkerfassaden und 89 Metern Höhe prägt der Rote Turm die Winterthurer Stadtsilhouette. Der Bau war Gegenstand langjähriger politischer und juristischer Auseinandersetzungen. Heute erinnert er an eine Zeit, in der sich Winterthur neu als Dienstleistungs- und Bildungsstandort positionierte.


Baujahr
1996–2000


Adresse
Roter Turm
Theaterstrasse 17
8400 Winterthur

Spatenstich vor versammelten Gästen am 26.09.1996.
Foto: winbib, Stefan Kubli (Signatur FotLb_008255)

Das zurückhaltende Hochhaus

1992 gewann das Badener Architekturbüro Burkard, Meyer, Steiger und Partner den Architekturwettbewerb für das neue Dienstleistungs- und Verwaltungszentrum (DVZ). Das Projekt umfasst den eigentlichen Turm sowie einen fünfgeschossigen Mäanderbau entlang der Theaterstrasse.

Charakteristisch und namensgebend ist die Aussenverkleidung mit roten Klinkerziegeln. Damit knüpft der Gebäudekomplex bewusst an die Sichtbacksteinarchitektur an, die Winterthur seit der Industrialisierung prägt. Ergänzt werden die Klinkerflächen durch grosszügige Glasfassaden und Sichtbeton. Die Architekten wollten kein spektakuläres Hochhaus schaffen, sondern einen Bau, der sich in das bestehende Stadtgefüge einfügt. Aus diesem Grund entstand neben dem Turm ein weitläufiger Mäanderbau, der die Baumasse auf mehrere Gebäudeteile verteilt und neue Freiräume schafft.

Mit einer Höhe von 89 Metern zählt der Rote Turm zwar zu den höchsten Gebäuden Winterthurs, wirkt im Vergleich zu vielen internationalen Hochhäusern jedoch eher klein. Diese bewusste Zurückhaltung war Teil des architektonischen Konzepts. Das Gebäude sollte nicht als Fremdkörper erscheinen, sondern aus der gewachsenen Stadt heraus entstehen.

Eine Besonderheit des Baus liegt im hohen Anteil vorgefertigter Bauelemente. Fassadenteile, Decken und weitere Konstruktionselemente wurden industriell hergestellt und vor Ort montiert. Dadurch konnte die Bauzeit verkürzt werden. Gleichzeitig galt das Gebäude bei seiner Fertigstellung als technisch fortschrittlich. Die Fassade ermöglicht eine natürliche Lüftung der Büroräume und nutzt bewegliche Glas- und Sonnenschutzlamellen zur Regulierung des Raumklimas. Vorgefertigte Betondecken dienen zudem als Wärme- und Kältespeicher.

Baukonsortium für das Hochhaus

Bereits in den 1980er-Jahren plante die PTT die Zusammenführung verschiedener Dienststellen im Kanton Zürich an einem Standort in Winterthur. Die Stadt spielte damals eine wichtige Rolle im schweizerischen Fernmeldewesen. Mit über 650'000 erteilten Telefonauskünften gehörte Winterthur zu den bedeutendsten Auskunftsdienststandorten der Schweiz.

Für das neue Verwaltungszentrum schloss sich die PTT mit mehreren Partnern zur Bellevue Bau AG zusammen. Beteiligt waren unter anderem der Schweizerische Bankverein, die Presto AG, die Volkart Invest AG sowie später die Fenaco als Eigentümerin des Areals. Geplant war ein Büro- und Verwaltungszentrum für rund 1000 Mitarbeitende. Als Standort wählte man das ehemalige Volg-Areal nördlich des Bahnhofs.

Ein umstrittenes Bauprojekt

1991 stellte die PTT das Projekt öffentlich vor. Schon bald regte sich Widerstand gegen das Vorhaben. Anwohnende reichten Rekurse ein und kritisierten insbesondere die Höhe des geplanten Hochhauses. Auch Denkmal- und Heimatschutzorganisationen äusserten Bedenken. Sie befürchteten eine Beeinträchtigung des Stadtbildes und verwiesen auf kritische Gutachten der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege sowie der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission. Diese wurden dann im Verlauf jedoch zugunsten des Hochhauses korrigiert, was für weitere Skepsis in der Bevölkerung sorgte. Die PTT argumentierte vor allem mit der Schaffung von über 1000 Arbeitsplätzen und dem dringenden Raumbedarf.

Die Bauherrschaft führte zudem Verhandlungen mit verschiedenen Rekurrent:innen. Mehrere Einsprachen wurden darauf zurückgezogen, andere durch die Gerichte abgewiesen. 1995 bestätigte schliesslich auch der Zürcher Regierungsrat die Baubewilligung.

«Volksinitiative zur Erhaltung der Stadtsilhouette»

Die Diskussion um das Hochhaus verlagerte sich in der Folge auch auf die politische Ebene. 1995 gelangte die «Volksinitiative zur Erhaltung der Stadtsilhouette» zur Abstimmung. Sie verlangte ein Verbot neuer Hochhäuser im Gebiet nördlich der Eulach bis zum Hangfuss von Wolfensberg und Lindberg. Die Initiant:innen hofften, damit rückwirkend auch das PTT-Hochhaus verhindern zu können, was jedoch auch im Falle einer Annahme als äusserst unwahrschienlich galt.

Der Stadtrat und der Grosser Gemeinderat lehnten die Vorlage deutlich ab. Unterstützung erhielt sie einzig von den Grünen, während die Sozialdemokratische Partei (SP) Stimmfreigabe beschloss. Auch die Winterthurer Stimmberechtigten verwarfen die Initiative klar. Wenig später erteilte der Zürcher Regierungsrat die definitive Zustimmung zum Bauprojekt.

PTT-Hochhaus, Swisscom-Hochhaus, Roter Turm

Im September 1996 erfolgte der Spatenstich. Neben den Rekursverfahren verzögerten auch Altlasten auf dem ehemaligen Industrieareal die Bauarbeiten. Zudem fehlten lange Investoren für die geplanten Mäanderbauten. Ursprünglich war für die Anbauten ein Hotelbetrieb vorgesehen, doch Nutzungsstudien kamen zum Schluss, dass dies wirtschaftlich keinen Sinn ergab, weshalb die Idee verworfen werden musste.

Während der Bauphase des Turmes kam es 1998 zur Auflösung der PTT. Aus dem ehemaligen Bundesbetrieb gingen die Schweizerische Post und die Swisscom AG hervor. Gleichzeitig veränderten sich die Flächenbedürfnisse. Während die PTT ursprünglich den grössten Teil der Räumlichkeiten selbst nutzen wollte, sank der Eigenbedarf bis zur Fertigstellung von 85% auf 20% deutlich, was weitere Kritik an den ursprünglichen Plänen hervorrief. Das Gebäude wurde in der Folge zunehmend als Mietobjekt konzipiert. Schon kurz nach der Eröffnung stand das Gebäude zum Verkauf.

Als wichtigste Mieterin konnte die Winterthur-Versicherung gewonnen werden. Sie bezog einen grossen Teil des Turms sowie weitere Flächen im Mäanderbau. Weitere Räumlichkeiten wurden unter anderem an die IBM AG vermietet, die in den Untergeschossen ein Rechenzentrum einrichtete. 2001 kaufte die Swiss Prime Site den Turm. Der zuletzt realisierte Trakt C ging an die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Mit dessen Bezug im Jahr 2005 war der Ausbau des gesamten Dienstleistungs- und Verwaltungszentrums abgeschlossen. Allmählich bürgerte sich im Volksmund der Name Roter Turm ein, obwohl dieser ursprünglich nur das Restaurant bezeichnete. 

Turm Areal Winterthur

Im Jahr 2015 übersiedelte die AXA Winterthur in den Superblock. Nach ihrem Auszug standen grosse Teile des Roten Turmes über mehrere Monate leer. Auch das Restaurant «Roter Turm» ging in dieser Zeit Konkurs. Danach folgte eine Phase des mehrheitlichen Leerstandes. Im Jahr 2017 übernahm die Swiss Prime Site Immobilien die ehemalige Bellevue-Bau AG und damit auch die Mäanderbauten. Sie ist seither alleinige Eigentümerin des Gebäudekomplexes. 2019 beschloss die Eigentümerin gemeinsam mit der zuständigen Immobilienverwaltung Wincasa eine systematische Aufwertung des Areals. Es wird nun unter dem Label «Turm Areal Winterthur» beworben.   

Ein Wahrzeichen entlang der Bahngleise

Der Rote Turm entstand in einer Zeit, als sich Winterthur zunehmend von der Industrie- zur Dienstleistungsstadt wandelte. Zusammen mit weiteren Neubauten auf ehemaligen Industriearealen steht er für diesen Strukturwandel. Durch seine Lage direkt am Bahnhof gehört er heute zu den bekanntesten Orientierungspunkten der Stadt.

An der Spitze des Turms befindet sich ein Café. Es gilt als höchstgelegenes öffentlich zugängliches Lokal Winterthurs und bietet einen weiten Blick über die Stadt und ihre Umgebung. Seit der Eröffnung hat es schon mehrere Pächter:innenwechsel erlebt. Immer wieder steht die Bar auch leer.


Benutzte und weiterführende Literatur

Fonti, Mirjam: Langsam kehrt im Roten Turm wieder Leben ein, in: der Landbote, 03.02.2017.
Garne, Jigme: Das Areal Roter TUrm hat jetzt einen einzigen Besitzer, in: Der Landbote, 02.12.2017.
Burkard, Urs; Meyer, Adrian: DVZ Theaterstrasse in Winterthur. Bericht der Architekten zum Dienstleistungs- und Verwaltungszentrum DVZ, in: Schweizer Ingenieur und Architekt, Nr. 31/32, 08.08.2000, S. 664–667.
Adam, Hubertus: Vom Block zum Turm. Burkhard Meyer und Partner: Dienstleistungs- und Verwaltungszentrum Winterthur 1992–2000, in: Archithese, Nr. 4, 2000.
Dufner, Oliver: Signifikante Gestalt, serielle Ordnung. Zum Aspekt der Vorfertigung beim Dienstleistungs- und Verwaltungszentrum Winterthur, in: Werk, Bauen + Wohnen, Nr. 11, 2000.
o.A.: Ein ziegelroter Mäander als Schlusstein, in: Neue Zürcher Zeitung, 21.12.2005.
Krk.: Mäander kommt, in: Tages-Anzeiger, 01.10.1999.
Em.: Keine Winterthurer Hochschul-Provisorien. Zusätzliche Räume für die Zürcher Hochschule Winterthur, in: Neue Zürcher Zeitung, 23.05.2001.
Em: Baubeginn für PTT-Hochhaus in Winterthur. Fehlende Investoren stellen Gesamtprojekt in Frage, in: Neue Zürcher Zeitung, 27.09.1996.
Em.: Bald Baubeginn für PTT-Hochhaus in Winterthur? Keine aufschiebende Wirkung der staatsrechtlichen Beschwerde, in: Neue Zürcher Zeitung, 06.01.1996.
Em.: Ein Beitrag zum Wirtschaftsstandort WIntertur. Keine Einwände des Regierungsrates zum Hochhausprojekt, in: Neue Zürcher Zeitung, 29.11.1995.
Em.: Bauverbot für Hochhäuser in Winterthur? Abstimmung über drei Initiative und einen Gegenvorschlag, in: Neue Zürcher Zeitung, 13.11.1995.
Sda: Rekurs gegen PTT-Hochhaus Winterthur abgewiesen, in: Neue Zürcher Zeitung, 26.10.1995.

Bibliografie

    PTT-Hochhaus, Dienstleistungs- und Verwaltungszentrum Theaterstrasse PVZ

    • Einträge ab 2011

      Initiative zur Erhaltugn der Stadtsilhouette, Zeitungsartikel, Medienmitteilung zum Komitee für eine positive Stadtentwicklung, Leserbrief, Pressemitteilungen, Bremi, Hans Beschwerdeführer Rekurs, Bulletin zur Hochhaus-Abstimmung, 1993-1996, in: Doku Landbote 9/4.

      Einträge 1991–2010

      Opposition, Volksinitiative zur Erhaltung der Stadtsilhouette: Landbote 1992/131 1Abb., 202, 1993/44, 93 von Adrian Mebold und Reto Gregori, m.Abb., 138, 156, 193, 194, 220, 227, 233, 243, 275, 1994/3 von Serge Ehrensperger, 6 von Peter Baumberger, 1994/100, 259, 270, 1995/41, 74. - NZZ 1993/46 S.47 1Abb. - Tages-Anzeiger 1992/132 1Abb., 1994/296. - Winterthurer Woche 1992/26. - Winterthurer Arbeiterzeitung 1993/44, 72, 136,148 1Abb. - Weinländer Zeitung 1993/23, 37 1Abb., 115, 119, 120, 123, 139, 1994/51, 148 1Abb. - Anträge, Anfragen und Interpellationen des Grossen Gemeinderates Winterthur 1993/75, 113. - Telecom Hausztg 1994/32 m.Abb.
      Gutachterstreit: Tages-Anzeiger 19.12.1994 [Winterthurer Dok. 1996/6], 1995/271. --,Rekurse zurückgenommen: Landbote 1995/126, 128, 130, 131, 139, 146, 162 Interview Hans Bremi. - Winterthurer Arbeiterzeitung 1995/127, 130, 139, 146, 155. - Tages-Anzeiger 1995/129 [Winterthurer Dok 1995/10]. - NZZ 1995/129 S.53.
      Transparent 1995/2 m.Abb. - Leserbrief: Landbote 1995/225 von Serge Ehrensperger. - Landbote 1995/231 im Nationalrat, 234, 250, 252, 268, 271, 272 von Claudia Sedioli, 280. - NZZ 1995/236 S.56, 264 S.55, 272 S.53 1Abb. - Winterthurer Arbeiterzeitung 1995/262, 270, 272. - Weinländer Zeitung 1995/129, 134. - Tages-Anzeiger 1995/277 Regierungsratsentscheid, m.Abb.
      Rekurs: Landbote 1996/4.
      Widerstand aufgegeben: Landbote 1996/35, 36.
      Altlasten Giesserei St. Georgen: Landbote 1996/85, 134, 223. - Winterthurer Arbeiterzeitung 1997/38 1Abb. - Schw. Baublatt 1997/51 Mobile Bodenwaschanlage, m.Abb.
      Mäanderbau: Landbote 1996/224. -NZZ 1996/225 S.53 m.Abb. - Weinländer Zeitung 1996/112 m.Abb.
      In: PTT-Baukultur gestern, heute, morgen. Bern 1996, S.98 f. m.Abb.
      Baubeginn: Stadtblatt 1997/38. - Schw. Baublatt 1997/45 m.Abb. - Landbote 1998/15 1Abb.
      Nutzung, Auslastung: Landbote 1997/92.
      Café oder nur Aussichtskanzel: Landbote 1997/189 1Abb., 1998/99 Restaurant.
      Bau: Ziegel-Presse 1998/9 m.Abb. - NZZ 1998/110 S.57 1Abb. - Landbote 1998/122.
      Nicht Swisscom, sondern "Winterthur"-Versicherungen ins Hochhaus: Tages-Anzeiger 1999/168.
      Skyline: Landbote 1999/214 m.Abb.
      Ein Hochhaus, das keines sein darf: Tages-Anzeiger 1999/241 1Abb. [Winterthurer Dok. 1999/58].
      Es fehlt die urbane Dimension: Landbote 1999/281 von Adrian Mebold, 1Abb.
      Gutschweizerische Kompromisslösung: NZZ 1999/298 S. 43, 1Abb.
      Rekurs; Geldverteilung: Landbote 1999/298..
      Verkauf ? Landbote 2000/12.
      Restaurant "Roter Turm": Landbote 2000/61. - NZZ 2000/100 S. 49 Eröffnung Bistro, 1Abb. - Winterthurer Woche 2000/16. - Landbote 2000/100. - Tages-Anzeiger 2000/100 1Abb.
      Mäanderbau in Tranchen: Landbote 2000/67 1Abb.
      Schweizer Ingenieur und Architekt 2000/31 von Urs Burkard und Adrian Meyer, m.Abb.
      Ein Monument mit Brüchen: Winterthurer Jahrbuch 2000 von Adrian Mebold, m.Abb.
      Hochparterre 2000/8 Interview Roderick Hönig m.Abb.
      Archithese 2000/4 von Hubertus Adam, m.Abb. - Werk, Bau, Wohnen 2000/11 m.Abb.
      Verkauf: Landbote 2000/177, 178.
      DVZ: Stadtanzeiger 2000/38 m.Abb.
      Bezug des Mäander-Baus: NZZ 2000/288 1Abb.
      Dienstleistungs- und Verwaltungszentrum: Landbote 2000/222 m.Abb.
      Mäanderbau, Theaterstrasse 15: Weinländer Zeitung 2000/143 1Abb.
      Verkauf an CS: Landbote 2001/52 1Abb.
      Architektur & Technik 2001/5 m.Abb.
      Mini-Skyline: Landbote 2001/214 m.Abb.
      Mäanderbau. Grundsteinlegung: Landbote 2003/79.
      Mäander C: Schw. Baublatt 2004/90


Autor/In:
Nadia Pettannice
Letzte
Bearbeitung:
02.06.2026
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