Grosskonzerne

Scheco AG

In der Euelwies 17

Die Scheco-Geschichte – gegründet 1865 von August Schellenbaum - begann im Gleisdreieck bei der Spitalbrücke. Das Unternehmen entwickelte sich zum Grossunternehmen mit 450 Mitarbeitenden an der Hegistrasse in Oberwinterthur. Dort steht heute eine Grossüberbauung zum Wohnen. Die nach wie vor starke aber umstrukturierte Scheco wirkt heute von Wülflingen aus.


Gründungsdatum
1865


Adresse
Scheco AG
In der Euelwies 17
8408 Winterthur

2022: Scheco AG in Wülflingen
 Foto: winbib, Nadia Pettannice (Signatur FotDig_2023-04689

Von der Werkstätte zum Familienunternehmen

Am 30. November 1865 gründete der Mechaniker August Schellenbaum-Wipf in Winterthur eine mechanische Werkstätte mit einer Buntmetallgiesserei. Der Betrieb befand sich an der Lindstrasse 31, im Gleisdreieck, unweit der Brauerei Haldengut. Zunächst stellte Schellenbaum vor allem Zubehör für Brauereien her, darunter Bierpumpen, Abfüllanlagen und Bierfilter. Zu seiner Kundschaft gehörten zahlreiche Schweizer Brauereien. Später erweiterte er das Sortiment um Pumpen und Filteranlagen für Kellereien sowie Armaturen und Spritzen für Feuerwehren.

Das Unternehmen entwickelte sich erfreulich. Bereits 1894 konnte Schellenbaum eine Nachbarliegenschaft erwerben und die Werkstätte erweitern. Nach seinem Tod 1898 übernahm sein Sohn August Schellenbaum-Schurter die Verantwortung für den Betrieb. Er hatte eine Mechanikerlehre absolviert und am Technikum Winterthur studiert. Nach einer Weiterbildung im Ausland führte er das Unternehmen ab 1907 auf eigene Rechnung weiter.

Unter seiner Leitung begann die Entwicklung vom Armaturenhersteller zum Kältetechnikunternehmen. 1910 entstand eine Abteilung für die Isolierung von Eiskellern. Zwei Jahre später baute die Firma maschinelle Kühlanlagen. Während des Ersten Weltkriegs litt die Firma unter Rohstoffknappheit, Personalmangel und rückläufigen Aufträgen. Die Erweiterung des Produktionssortiments half, die schwierigen Jahre zu überstehen.

Aufstieg zum Grossunternehmen

1932 begann das Unternehmen mit der Herstellung vollautomatischer Kälteanlagen unter der Schutzmarke «Scheco», einer Kurzform von Schellenbaum & Co. Im selben Jahr trat mit August Schellenbaum-Engelmann die dritte Generation in den Familienbetrieb ein. Der ausgebildete Ingenieur vertiefte 1934–1935 seine Kenntnisse der Kältetechnik in den USA und übernahm 1946 die Unternehmensleitung.

Unter seiner Führung wurde die Produktion erweitert und der Betrieb nach Oberwinterthur verlegt. 1947 bezog das Unternehmen an der Hegistrasse ein neues Büro- und Fabrikationsgebäude. Das bisherige Firmengelände an der Lindstrasse verkaufte Scheco 1954 an die Schweizerische Bundesbahnen (SBB).

In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die A. Schellenbaum & Co. AG zu einem vielseitigen Industriebetrieb. Das Produktionsprogramm umfasste Kühl- und Tiefkühlanlagen, industrielle Kältetechnik, Kühlmöbel und Ladeneinrichtungen, thermische Isolierungen, Armaturen, Metallveredelung sowie Wasseraufbereitung und Apparatebau. Niederlassungen bestanden in Zürich, Basel und Bern. Zu den Kunden gehörten nun Betriebe der Lebensmittelindustrie, der Milchwirtschaft, des Gastgewerbes und des Maschinenbaus.

1965 feierte Scheco mit über 330 Beschäftigten sein hundertjähriges Bestehen. Die Jubiläumsfeier fand in einer neuen Werkhalle statt. Zum Unternehmen gehörten damals auch ein firmeneigener Männerchor und eine Musikgesellschaft. Für die Beschäftigten bestand eine Personalfürsorgekasse. 1973 erreichte die Belegschaft mit rund 450 Personen ihren Höchststand.

Wirtschaftliche Krise und Umstrukturierung

Mit dem Tod von August Schellenbaum-Engelmann im Jahr 1973 schied die Gründerfamilie aus dem Unternehmen aus.  Die ungeklärte Nachfolge fiel in eine Zeit zunehmender wirtschaftlicher Schwierigkeiten. 1974 erhielt das Unternehmen eine neue Leitung, die einen ersten Stellenabbau einleitete.

In den folgenden Jahren verschärfte sich die wirtschaftliche Lage. Die zurückhaltende Investitionstätigkeit in der Schweiz, der steigende Preisdruck durch ausländische Hersteller und der hohe Frankenkurs führten zu empfindlichen Auftragsverlusten. Die Unternehmensleitung reagierte mit einer schrittweisen Verkleinerung und Konzentration des Produktionsprogramms. Die Abteilungen Isolation sowie Schreinerei und Ladenbau wurden reduziert. Bei einer weiteren Restrukturierung mussten 30 Beschäftigte entlassen werden. Ein Sozialplan sollte die Folgen abfedern.

Besonders einschneidend war die Ausgliederung der Metallveredelung. Auf den 1. Januar 1979 übernahm die neu gegründete Winterthur Metallveredelung AG (WMV) die bisherige Galvanikabteilung. An der neuen Gesellschaft beteiligte sich auch die Maschinenfabrik Rieter AG, für die Scheco ein wichtiger Zulieferer war. Rieter wollte sich so die Versorgung mit metallveredelten Bauteilen sichern, die bei einem drohenden Konkurs gefährdet gewesen wäre.

1979 ging die Scheco an die Beglinger-Unternehmensgruppe über. Weitere Geschäftsbereiche wurden verkauft oder verselbständigt. Die Belegschaft schrumpfte auf rund 40 Personen. Damit endete die Geschichte der Scheco als breit aufgestellter Industriebetrieb.

Spezialisierung auf Kälte- und Energietechnik

Nach der Übernahme durch die Beglinger-Unternehmensgruppe 1979 konzentrierte sich Scheco zunehmend auf Kälte- und Energietechnik. Unter Geschäftsführer Bruno Wermelinger baute das Unternehmen insbesondere die industrielle Kältetechnik, Anlagen für die Milchwirtschaft und den Unterhalt von Wärmepumpen aus.

1989 gelangte Scheco über die Frigorex AG in den Besitz des Winterthurer Sulzer-Konzerns. Die Zugehörigkeit zu einem Grossunternehmen brachte jedoch auch Einschränkungen mit sich. Nach späteren Aussagen der Geschäftsleitung durfte Scheco während mehrerer Jahre nur in einem begrenzten geografischen Gebiet Kundschaft gewinnen. 1996 verkaufte Sulzer die Firma deshalb im Rahmen einer strategischen Neuausrichtung an die Wettstein AG in Bern. Sulzer zog sich damit aus der gewerblichen Kältetechnik zurück und konzentrierte sich auf industrielle Grossanlagen.

Trotz des Eigentümerwechsels blieb die wirtschaftliche Lage angespannt. 1998 leitete Rolf Löhrer, der zwei Jahre zuvor als Bereichsleiter eingetreten war, eine umfassende Sanierung ein. Die Entwässerungstechnik wurde im Rahmen einer Übernahme durch das bisherige Management ausgegliedert. Gleichzeitig vereinfachte Scheco ihre Organisationsstruktur und konzentrierte sich auf die drei Geschäftsbereiche Kälte, Klima und Wärme. Bei der Reorganisation gingen zehn weitere Arbeitsplätze verloren. Die Belegschaft schrumpfte auf rund 40 Personen.

In den folgenden Jahren stabilisierte sich das Unternehmen. Neben der Planung und dem Bau von Anlagen gewann der technische Kundendienst zunehmend an Bedeutung. Scheco spezialisierte sich auf massgeschneiderte Lösungen für Gewerbe, Industrie, Detailhandel und öffentliche Einrichtungen sowie auf den Unterhalt bestehender Anlagen. Um 2005 erzielte das Unternehmen mit rund 40 Beschäftigten einen Jahresumsatz von acht bis neun Millionen Franken.

2002 bezog Scheco einen eigenen Neubau an der Euelwies in Winterthur-Wülflingen. Damit begann nach Jahrzehnten wechselnder Eigentumsverhältnisse und wirtschaftlicher Umbrüche eine neue Phase der Unternehmensgeschichte.

Das ehemalige Scheco-Areal

Mit der Verkleinerung und späteren Verlegung des Unternehmens wurde das rund 24'000 Quadratmeter grosse Fabrikareal an der Hegistrasse für eine neue Nutzung frei. Die AXA-Versicherungen erwarben das Gelände und planten eine Wohnüberbauung. Aus einem Architekturwettbewerb ging 1998 ein Entwurf der Winterthurer Architekt Silke Hopf Wirth und Toni Wirth hervor.

Die Umsetzung verzögerte sich unter anderem wegen umfangreicher Altlasten, die zunächst saniert werden mussten. Nach einer Überarbeitung des Projekts und weiteren Verzögerungen begann 2007 der Bau. Zwischen 2008 und 2010 entstanden 15 Wohnhäuser mit insgesamt 175 Mietwohnungen. Die Überbauung mit ihren charakteristischen farbigen Balkonbrüstungen (im Volksmund «Stabilo-Siedlung» genannt) erinnert in ihrer räumlichen Ausdehnung noch heute an die Grösse des ehemaligen Industriestandorts.


Benutzte und weiterführende Literatur:

sda.: Wettstein AG übernimmt von Sulzer Infra die Scheco AG, in: Neue Zürcher Zeitung, 15.12.1995.
sda.: Von Sulzer-Tochter übernommen Scheco: Handwechsel, in: Der BUnd, 06.11.1987.
o.A.: Scheco AG kauft Ewison AG, in: SChweizer Bauer, 12.06.1986.
o.A.: Firmenübernahme, in: Neue Zürcher Nachrichten, 25.11.1982.
pd.: Scheco AG (vorm. Schellenbaum & Co. AG) mit neuem Unternehmenskonzept Klare Konzentration auf Kälte- und Energietechnik, in: Neue Zürcher Narchrichten, 14.01.1982.

o.A.: Scheco. 100 Jahre A. Schellenbaum + Co AG Winterthur, o.O., 1966.
spk.: 100 Jahre Schellenbaum & Co. AG, Winterthur, in: Der Bund, 20.05.1966.
jas.: Ein Winterthurer Gewerbejubiläum, in: Die Tat, 22.05.1966.

Bibliografie

    Scheco AG, Kältetechnik

    • Einträge ab 2011

      Pionier in Sachen Kälte: 1865 begann die bewegte Geschichte der Scheco AG. In: Winterthurer Stadtanzeiger, Nr. 33, Jg. 90 (2015). S. 26. m. Abb.

      Einträge 1991–2010

      Chlorfreies Kühlmittel: Landbote 1992/214.
      Kälteanlagen, Umrüstung: Sulzer Horizonte 1992/11.
      Verkauf von Sulzer an Wettstein AG, Gümligen: Landbote 1995/291.
      Neubau Talwiesen: Landbote 2001/229 + Geschichte, 1Abb.

    Scheco-Areal, Ueberbauung Talwiesen, Hegistrasse 41 (Architekten: Hopf + Wirth)

    • Einträge 1991–2010

      Wohnüberbauung "Winterthur" Versicherungen: Tages-Anzeiger 1998/122 1Abb.
      Projekt "Betulacea" der Architekten Hopf/Wirth: Tages-Anzeiger 1998/258 [Winterthurer Dok. 1998/39]. - Landbote 1998/262 m.Abb., 2001/21, 2003/207. - NZZ 1998/262 S.56, 2000/54 S.51 + Altlasten.
      Überarbeitung Projekt: Landbote 2004/123.
      NZZ 2005/47 S. 55.
      Wohnen im Wechselspiel der Farben: Landbote 2009/236 von Ulrich Scheibler, 1Abb.

    Eulachbrücke Talwiesenquartier-Schecoareal

    • Einträge 1991–2010

      Fiberglas durch Hochschule ZHAW: Landbote 2009/78 m.Abb. - NZZ 2009/78 S.51 1Abb.


Autor/In:
Alex Hoster
Unredigierte Version
Letzte
Bearbeitung:
14.02.2022
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