Natur und Pärke

Schützenweiher

Der Schützenweiher mit Schützenhaus, Tanzhalle, Minigolfanlage, Spazierwegen und Kinderspielplatz ist ein beliebtes Freizeitareal im Stadtkreis Veltheim. Er befindet sich am nördlichen Rand der Stadt in der Nähe des Einkaufszentrums Rosenberg. Der Weiher entstand im 19. Jahrhundert beim Abbau von Lehm. Später war er in Privatbesitz, bis die Stadt Winterthur ihn 1956, mit Ausnahme der kleinen Seerosenbucht, kaufte. Im Winter nutzten die Menschen den Weiher als Eisbahn und im Sommer trainierten die Modellschiffbauer auf dem Weiher. Bis 2040 soll das Freizeitareal im Rahmen des Projekts Stadtrandpark aufgewertet werden.


Schlittschuhlaufen um 1900 auf dem Schützenweiher.
Foto: winbib (Signatur 101895)

Lehmgewinnung im Schachen für die Ziegelei

Das Gebiet Schachen unterhalb des Wolfensberg im Stadtkreis Veltheim war schon immer sumpfig. Im 19. Jahrhundert deckte ein Unternehmer zwischen der Schaffhauserstrasse und der Eichwaldstrasse Humus und Torf ab, um an die darunterliegende Lehmschicht zu gelangen. Der abgetragene Lehm verarbeitete eine nahegelegene Ziegelei. In die ausgehobene Grube floss mit der Zeit Wasser bis eine über 12'000 Quadratmeter grosse offene Wasserfläche entstand.

Wie der Weiher zu seinem Namen kam

Der neu entstandene Weiher, der durch einen Unterwasserzufluss vom Veltheimer Dorfbach gespeist wird, bekam in Anlehnung an den nahegelegenen 300-Meter-Schiessstand des Schützenvereins Veltheim den Namen Schützenweiher. 1924 wurde die alte Anlage abgerissen und eine neue 300-Meter-Schiessanlage mit zwölf Scheiben angelegt. Diese wurde 1984 aufgehoben und in die Schiessanlage Ohrbühl integriert. Mit dem Wegzug der Schützen wurde das traditionelle Schützenhaus am Schützenweiher leer. Nach verschiedenen Zwischennutzungen wurde es 2014 zum Quartiertreffpunkt „Schützehüsli“ umfunktioniert. Der Quartierverein Rosenberg übernahm die Trägerschaft und setzte eine Betriebskommission ein.

Natureisproduktion am Schützenweiher

1897 erstellte Traugott Mebold aus Ohringen einen Eisschuppen am Schützenweiher um dort im Winter Eis zu gewinnen. Die Winterthurer Brauereien nutzten - bevor es Kühlschränke gab - Natureis um ihre mit Bier gefüllten Eiskästen zu kühlen. Zur Lagerung der gewonnenen Naturreisplatten diente bis Ende der 1920er Jahre ein sogenanntes Eishaus neben dem Weiher. Dort, wo heute der Campingplatz Schützenweiher ist, waren die Werkzeuge für den Abbau des Eises in einem Schopf untergebracht. Gegen Süden hin schützte eine Tannengalerie das Eis vor der Sonne.

Schlittschuhlaufen auf dem Schützenweiher

Bereits um 1900 liefen die Menschen auf dem Schützenweiher Schlittschuh. Nach dem Tod von Traugott Mebold kaufte Konrad Hagenbucher 1925 das Schützenhaus. Im Winter baute er kein Eis mehr ab, sondern betrieb auf dem gefroreren Weiher eine Eisbahn. Der Eintritt kostete 20 Rappen. Für 15 Rappen gab es ein Stück Brot und für 20 Rappen einen Becher Lindenbütentee. Ob die Eisbahn offen war, wurde an der Bachtelstrasse 68 mit einer Tafel angezeigt. Eine Gruppe von sechs bis acht Personen glättete das Eis mit breiten Abschiebblechen. Die Risse wurden mit warmem Wasser aus Giesskannen ausgebessert und dann mit einem Wasserschlauch abgespritzt. Auch der 1933 gegründete EHC Veltheim, zu dessen Förderern Konrad Hagenbucher gehörte, nutzte das Eisfeld um zu Trainieren und für seine Meisterschaftsspiele. 1956 kaufte die Stadt Winterthur den grössten Teil des Weihers. Wenn es genug kalt war und der See gefroren war, gab die Stadtgärtnerei den Weiher ebenfalls fürs Eislaufen frei. Auch sie behandelte die Eisfläche mit Wasser, um Unebenheiten auszugleichen. Anfangs der 2000er Jahre war der See einige Male zugefroren und zog viele Besucher:innen an. Letztmals wurde der Schützenweiher 2012 zum Eislaufen freigegeben.

Die Stadt kauft den Schützenweiher

Konrad Hagenbucher pflegte den Schützenweiher im Sommer und betrieb das Eisfeld im Winter ohne Defizitgarantien und Subventionen. Die hohe Arbeitsbelastung, die durch die Pflege anfiel, führte dazu, dass er zeitweise über eine Verlandung des Sees nachdachte. Um eine Renovation des Restaurants Schützenhaus vornehmen zu können, entschied er sich in den 1950er Jahren, den Weiher bis auf einen kleinen Teil an die Stadt Winterthur zu verkaufen. Diese hatte schon längere Zeit Bestrebungen, den Schützenweiher zu übernehmen. 1956 beantragte der Stadtrat von Winterthur beim Grossen Gemeinderat, dem Kauf des Weihers zuzustimmen. Die 150 Aren Wasser kosteten damals pro Quadratmeter 15 Franken. Die kleine Seerosenbucht in der Nähe der Wirtschaft blieb nach dem Verkauf an die Stadt weiterhin im Besitz der Familie Hagenbucher. 1964 plante die Stadt, den Schützenweiher neu zu gestalten. Sie wollte am Stadtrand ein schönes Erholungsgebiet für alle Winterthurer:innen schaffen.

Erholungs- und Naturschutzgebiet Schützenweiher

In den 1960er Jahren stattete die Stadtgärtnerei die Ufer des Schützenweihers mit Sitzbänken, Bäumen und Sträuchern aus. Der Naturschutz hatte einen hohen Stellenwert: Rund um den See sollte ein Reservat für Wassertiere und Pflanzen entstehen, das über Spazierwege zugänglich ist und Naturbeobachtungen ermöglicht. 1999 gab es Bestrebungen, den Schützenweiher als Badesee freizugeben. Diese wurden jedoch aufgrund des trüben Wassers und des gefährlichen Untergrunds wieder aufgegeben. Auch ein Spielplatz mit verschiedenen Geräten für Kinder wurde erstellt und 2001 neugestaltet. Im Laufe der Zeit verwilderte der Weiher zunehmend. Schilf und Seerosen nahmen überhand, und es drohte immer wieder Verlandung. Um die Artenvielfalt zu fördern, gestaltete die Stadtgärtnerei 2010 im UNO-Jahr der Biodiversität das Gebiet rund um den Schützenweiher neu. Sie pflanzte neben einem Bienenhaus neue Pflanzen an und säte Wiesen aus. An schönen Wochenenden wurden 2015 bis zu 3000 Besucher:innen am Schützenweiher gezählt, die rund um den Weiher spazierten, spielten und die Natur beobachteten.

Modellschiffclub Winterthur

Bereits 1952 trafen sich erste Modellschiffbauer am Schützenweiher mit ihren selbstgebauten Schiffsmodellen. 1957 wurde der Modellschiffclub Winterthur gegründet. Damit die Modellschifffahrer genügend Platz hatten, um auf dem Schützenweiher ihre selbstgebauten Schiffe fahren zu lassen, plante die Stadt Winterthur im Rahmen der Neugestaltung des Schützenweihers in den 1960er Jahren im westlichen Teil eine offene Wasserfläche. Dafür baggerte die Firma Toggenburger den Grund des Sees aus und befreite ihn von den Pflanzen. Mit dem Aushub entstand eine kleine Insel. In den 1970er, 1980er und 1990er Jahren führte der Modeschiffsklub regelmässig Wettbewerbe und Schaufahren auf dem Schützenweiher durch. 1988 konnte der Verein von der Stadt den nicht mehr benötigten Pistolenschiesstand am Ufer des Schützenweihers erwerben und zum eigenen Clublokal umbauen.

Schützenhaus mit Tanzhalle und Minigolfplatz

1967 übernahm René Hagenbucher (1938-2023) den Betrieb von seinem Vater Konrad Hagenbucher. Er brach die alte Scheune neben dem Schützenhaus ab und baute in den 1970er Jahren eine Tanzhalle  für bis zu 1000 Gästen. Nebst der Tanzhalle, in der am Wochende regelmässig Live-Musik spielt, ist das Schützenhaus für sein Selbstbedienungsrestaurant mit grosser Gartenwirtschaft bekannt. Eine farbenfrohe Minigolfanlage mit vielen bunten Tierskulpturen, ein Kinderkarussell und Mini-Car-Wägelchen ergänzen das Angebot bis heute. Der Spielsalon mit Flipperkästen aus den 1980er Jahren ist 2020 einer der letzten im Kanton Zürich. 2023 übernahm André Hagenbucher den Betrieb des Schützenhauses in dritter Generation.

Freizeitareal ist Teil des Projekts Stadtrandpark

2022 bewilligte das Stadtparlament einen Projektierungskredit von 300'000 Franken zur Aufwertung des Freizeitareals Schützenweiher auf dem Rosenberg und 2025 plant der Stadtrat, die Freizeit- und Erholungsanlage rund um den Schützenweiher für 16,5 Millionen Franken aufzuwerten. Schilf und Seerosen sollen entfernt werden, und auf der Nordseite ist ein kleiner Park mit einer breiten Treppe zum Wasser geplant. Ein Spielplatz mit Picknicktischen und ein Holzsteg, der über den Weiher führt, soll das Angebot ergänzen. Zudem soll es möglich werde, im Weiher zu baden. Neben dem Dorfbach, der freigelegt werden soll, hat für die Stat auch eine breitere Zufahrt sowie der Bau eines komplett neuen Campingplatzes Priorität. Die Aufwertung des Schützenweihers soll bis 2040 im Rahmen des Projekts Stadtrandparks, einem grünen Saum rund um die Stadt, erfolgen. Der Rosenberg soll dabei Teil des Erholungsraum sein.  


Benutzte und weiterführende Literatur

Rohner, Rafael: Schützenweiher zugefroren: Es reicht aber nicht zum Eislaufen. In: Der Landbote, 7.1.2026.
Stauffer, Menoa: Touring-Club Schweiz übernimmt den Camping Schützenweiher. In: Der Landbote, 19.3.2025.
Kühne, Beat: Ein reiches Leben am Schützenweiher. René Hagenbucher, 1.11.1938-22..8.2023. In: Gallispitz, Nr. 4 (2023). S. 33. m.Abb.
Appelt, Dagmar: Der Schützenweiher soll aus dem Dornröschenschlaf erwachen. In: Der Landbote, 24.10.2022.
Huber, Martin: «Einarmige Banditen» als Retter: Im wohl letzten Zürcher Spielsalon schöpft man wieder Hoffnung. In: Tages-Anzeiger, 7.11.2020.
Kozma, Livia: Solange früher alles besser war, bleibt alles beim Alten. In: Coucou, Nr. 76 (2019)
Grieshaber, Erwin. Natureisbahn Schützenweiher. In: Gallispitz, Nr. 4 (2018).
Graf, Michael: Ein Weiher verwildert. In: Der Landbote, 14.10.2015.
Arnold, Sabine: Glücklich ist, wer Kufen hat. In: Der Landbote, 9.2.2012.
Beerli, Marius: Ein Hotel direkt am Weiherufer. In: Der Landbote, 22.5.2010.
Neue Zürcher Nachrichten, Band 95, Nummer 36, 13. Februar 1991
Schützenweiher bleibt Erholungsgebiet. In: Der Landbote, 7.10.1985.
Thurgauer Zeitung, Band 178, Nummer 134, 10. Juni 1976
Bauverwaltung der Stadt Winterthur: Bauten in der Nähe des Schützenweihers. In: Der Landbote, 25.5.1974.
Hagenbucher, R.: Entwicklungen am Schützenweiher. In: Der Landbote, 20.4.1974.
Frei, J.: Die Umgestaltung des Schützenweihers in Veltheim. In: Der Landbote, 6.5.1964.
Winterthur schützt einen Weiher. In: Thurgauer Zeitung, 2. Januar 1956.
Thurgauer Zeitung, Band 157, Nummer 88, 16. April 1955

Bibliografie

    Schützenweiher

    • Einträge ab 2011

      Kühne, Beat: Ein reiches Leben am Schützenweiher. In: Gallispitz, Nr. 4 (2023). S. 38-39. m.Abb.
      Portmann, Sandro: Bald lädt der Schützenweiher zum Baden ein. In: Winterthurer Zeitung, Nr. 12 (2025). S. 7. m.Abb.

      Einträge 1991–2010

      Letzte Bastion der Natureisfans: Weinländer Zeitung 1992/4 1Abb.
      Zum Baden: Tages-Anzeiger 2000/17.
      Die Weiher von Winterthur: Winterthurer Jahrbuch 2001 von Martin Gattiker, m.Abb. Eis frei: Landbote 2003/42 1Abb.
      Erinnerungen: Gallispitz 2008/139 De Schützi, von Ernst Hablützel, m.Abb.

    Modelschiff-Club Schützenweiher

    • Einträge 1991–2010

      Landbote 2001/138

    Schützenverein Veltheim

    • Einträge 1991–2010

      125 Jahre: Landbote 1991/118. - Gallispitz 1991/70 m.Abb.
      In: Landbote 2007/250 1Abb.

    Restaurant Schützenhaus

    • Einträge ab 2011

      50 Jahre ohne einen Wirtesonntag. In: Winterthurer Stadtanzeiger, Nr. 13, Jg. 89 (2014). S. 3. m. Abb.

    Hagenbucher, René, 1938-2023, Wirt Restaurant Schützenhaus

    • Einträge ab 2011

      Kühne, Beat: Ein reiches Leben am Schützenweiher. In: Gallispitz, Nr. 4 (2023). S. 38-39. m.Abb.


Autor/In:
Karin Briner
Letzte
Bearbeitung:
02.02.2026