Schulbauten und Kindergärten
Schulhaus Altstadt
Lindstrasse 1
Das Schulhaus Altstadt ist ein bedeutender öffentlicher Bau der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und Teil eines bis heute geschlossenen Ensembles repräsentativer Bauten nördlich der Winterthurer Altstadt. Es wurde zwischen 1862 und 1864 von Ferdinand Stadler errichtet. Architekturhistorisch markiert es den Übergang vom Klassizismus zum Historismus. 1929 erhielt das Schulhaus als erstes in der Stadt eine hufeisenförmige Tischbestuhlung, statt Schulbänken.
Adresse
Schulhaus Altstadt
Lindstrasse 1
8400 Winterthur
1900er-Jahre: Schulhaus Altstadt, im Vordergrund Park und Brunnen vor Stadthaus
Foto: winbib (Signatur -Altstadt-Schulhaus 6_5)
Mit der Auffüllung der Winterthurer Stadtgräben ab 1835 entstand nördlich der Altstadt Raum für eine Zone öffentlicher Bauten. Das Schulhaus Altstadt liegt im ehemaligen Schanzengebiet und bildet zusammen mit dem heutigen Museum Oskar Reinhart am Stadtgarten, dem Stadthaus und dem Museums- und Bibliotheksgebäude ein bis heute prägendes städtebauliches Ensemble. Südlich schliesst ein grosszügiger Vorplatz an die Stadthausstrasse an, welche die Altstadt nach Norden begrenzt.
Die Stadthausstrasse steht damit sinnbildlich für die Entwicklung der Stadt Winterthur zu einer modernen Industriestadt.
Entstehung und Baugeschichte
Der Bauplatz wurde 1861 festgelegt und der Auftrag an Ferdinand Stadler vergeben. Damit setzte er sich gegen die Pläne des Stadtarchitekten Wilhelm Bareiss durch. Während des Baus kam es 1862 zu einem Teileinsturz, der einen vollständigen Abbruch und Neuaufbau notwendig machte. Die Angelegenheit war brisant, da Stadtbaumeister Wilhelm Bareiss den Bauplatz noch kurz vor der Katastrophe inspiziert hatte. Dennoch wurde keine Untersuchung eingeleitet. 1864 konnte das Schulhaus dann feierlich eingeweiht werden. In den folgenden Jahrzehnten erfolgten mehrere Umbauten und Renovationen, darunter die reiche Ausmalung des Singsaals durch Wilhelm Dünner nach 1876 sowie umfassende Erneuerungen im 20. Jahrhundert. Die letzte Gesamtrenovation 2009 verband denkmalpflegerische Anliegen mit zeitgemässen Anforderungen an Nutzung und Sicherheit.
Das Schulhaus ist als dreigeschossiger, unterkellerter Dreiflügelbau mit Walmdächern konzipiert. Die südliche Hauptfassade umfasst 15 Achsen und nimmt formal Bezug auf das benachbarte ehemalige Knabenschulhaus von 1838–1842. Gegenüber diesem zeigt das Schulhaus Altstadt jedoch eine differenziertere Gliederung und reichere Fassadendetails, die es als frühes historistisches Bauwerk ausweisen. Charakteristisch sind die Mittelrisalite, die Putzquaderung des Erdgeschosses, segmentbogige Fenster sowie die umlaufenden Gesimse.
Im Innern verfügt das Gebäude über 25 Schulzimmer, eine zentral gelegene Aula beziehungsweise einen Singsaal im zweiten Obergeschoss sowie weitere Nebenräume. Die Vorhalle ist seit 1970 mit Wandmalereien von Heinrich Müller ausgestattet, die Szenen der bäuerlichen Arbeit und des Spiels zeigen.
Erstes Schulhaus mit hufeisenförmiger Möbilierung
1929 liess die Stadt ein Schulzimmer versuchsweise neu möbilieren. Die altehrwürdigen Schulbänke wurden entfernt und durch flache Tische mit Stühlen ersetzt. Diese wurden hufeisenförmig positioniert, so dass sich die Schülerinnen und Schüler gegenseitig ansehen konnten. Dadurch sollte die Diskussion in der Klasse gefördert werden. Für den Fremdsprachenunterricht wurde zudem ein Lehrgrammophon aufgestellt.
Das Schulhaus Altstadt gehört zu den frühesten regionalen Zeugnissen des Historismus in der Schweiz. Als Werk von Ferdinand Stadler, der bis zum Auftreten von Gottfried Semper zu den führenden Schweizer Architekten zählte, besitzt es hohe architekturgeschichtliche Bedeutung. Der Denkmalschutz zielt auf die Erhaltung der bauzeitlichen Substanz, der historischen Grundrissdisposition sowie der inneren und äusseren Ausstattungselemente, einschliesslich der Wandmalereien des 20. Jahrhunderts.
Benutzte und weiterführende Literatur
Archiv der kantonalen Denkmalpflege Zürich.
Schutzwürdige Bauten der Stadt Winterthur, Winterthur 2006.
INSA – Inventar der neueren Schweizer Architektur 1850–1920, Band 10, Zürich 2001.
Brossard, Gilbert; Oederlin, Daniel: Architekturführer Winterthur 1830–1930, Band 1, Zürich 1997.
o.A.: Glöckel macht Schule!, in: Freiburger Nachrichten, 10.12.1929.
Der Bauplatz wurde 1861 festgelegt. Bei der Auftragsvergabe setzte sich der Architekt Ferdinand Stadler gegen den Stadtbaumeister Wilhelm Bareiss durch. Während der Bauphase kam es 1862 zu einem Teileinsturz des Rohbaus, der einen vollständigen Abbruch und Neuaufbau notwendig machte. 1864 wurde das Schulhaus feierlich eingeweiht. In den folgenden Jahrzehnten erfolgten mehrere Umbauten und Renovationen, darunter die reiche Ausmalung des Singsaals durch Wilhelm Dünner nach 1876 sowie umfassende Erneuerungen im 20. Jahrhundert. Die letzte Gesamtrenovation 2009 verband denkmalpflegerische Anliegen mit zeitgemässen Anforderungen an Nutzung und Sicherheit.