Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges im Jahr 1939 verdoppelten sich die Baukosten in der Schweiz. Dies führte zu einer starken Wohnungsnot. Über mehrere Volksabstimmungen und Gemeindebeschlüsse intervenierte die Stadt Winterthur, indem sie finanzielle Mittel zur Förderung des privaten und genossenschaftlichen Wohnungsbaus zur Verfügung stellte.
Ein Beispiel dieser Wohnbaupolitik ist die Siedlung Grabenacker. Sie wurde in den Jahren 1944–1947 in mehreren Etappen am damaligen Stadtrand von Winterthur zwischen Oberwinterthur und dem Weiler Zinzikon durch die Heimstätten Genossenschaft Winterthur (HGW) realisiert. Das dafür nötige Bauland konnte die HGW im Jahr 1943 mit Unterstützung der Stadt Winterthur zum Selbstkostenpreis vom Architekturbüro Badertscher und Morger erwerben. Die Baupläne stammten von den Architekten Edwin Badertscher und Edwin Bosshard.
Die Siedlung gilt heute als frühes Beispiel jener Stadtrandsiedlungen, die sich bewusst von den streng geometrischen Vorkriegssiedlungen lösten und stärker auf topografische Gegebenheiten reagierten. Die Haupterschliessungsstrasse folgt den Höhenkurven des Geländes, von ihr zweigen Nebenwege zu den Häusern ab. Dieses Prinzip verleiht der Siedlung einen dörflichen, beinahe malerischen Charakter. Besonders im nördlichen Teil zeigt sich die Abkehr von der Strenge früherer Siedlungen deutlich.
Zeitgenössisch galten solche Anlagen als «Elemente einer neuzeitlichen Stadtbaukunst». Vergleichbar sind etwa die Siedlungen Stapfen- und Bethlehemacker in Bern-Bümpliz oder Jakobsberg in Basel. Innerhalb Winterthurs stellt der Grabenacker ein Pionierwerk dar und bildete den Ausgangspunkt für die Besiedlung des Zinzikerfeldes, das bis heute durch diese Siedlung, die spätere Überbauung Sonnenblick sowie die Schulanlage Guggenbühl geprägt ist.