Siedlungen

Siedlung Heiligberg II

Frohbergstrasse 15 und Heiligbergstrasse 30, 32, 34, 36 und 38

Die Siedlung Heiligberg II ist eine im Kanton Zürich seltene Wohnanlage aus fünf aneinandergebauten, villenähnlichen Einfamilienhäusern. Sie entstand 1905 und gehört zu den frühen Beispielen des Reformstils, der sich vom Historismus abwandte. Auffällig sind die sanft geschwungene Anordnung entlang der Strasse und die grosszügigen Vorgärten, die der Anlage bis heute ein repräsentatives und geschlossenes Erscheinungsbild verleihen.


Baujahr
1905


Nordfassade der Siedlung, 1905
Foto: winbib (Signatur 051927)

Lage und städtebaulicher Kontext

Die Siedlung liegt südwestlich der Winterthurer Altstadt zwischen Frohberg- und Heiligbergstrasse, oberhalb der Hangkante. Sie befindet sich zwischen der «Siedlung Heiligberg I» und der «Siedlung Heiligberg III» und ist Teil eines besonderen Wohnensembles. In der Umgebung liegen bedeutende historische Grünräume wie der Frohbergpark, der Rosengarten sowie die Parkanlagen der Villa Sonnenberg und der Villa Bühler. Zusammen zeigen die drei Heiligberg-Siedlungen die Entwicklung des Wohnens um 1900 – vom historistischen Stil hin zu reformorientierten Bauformen.

Baugeschichte

Die Siedlung wurde 1905 von den Winterthurer Architekten Jung & Bridler sowie ihrem Umfeld realisiert. Die Häuser richteten sich an eine gehobene Bürgerschicht, darauf verweist das Raumprogramm. Die Häuser verfügen über acht Zimmer, darunter auch Gästezimmer und ein «Mägdezimmer». 

Bedeutung der Anlage

Die Siedlung Heiligberg II ist bemerkenswert, weil sie eine ungewöhnliche Wohnform zeigt: Reihenhäuser, die in ihrer Gestaltung eher an freistehende Villen erinnern. Sie verbindet anspruchsvolle Architektur mit einem gehobenen Wohnstandard und einer bewusst gestalteten Strassenansicht. Die sanfte Krümmung der Häuserzeile erzeugt eine malerische Wirkung und verleiht dem Strassenraum eine besondere Qualität.

Architektur

Die fünf Einfamilienhäuser sind individuell gestaltet, fügen sich jedoch zu einer geschlossenen Einheit zusammen. Talseitig sind sie dreigeschossig, strassenseitig zweigeschossig ausgeführt, jeweils mit ausgebauten Sattel- oder Krüppelwalmdächern. Die Fassaden sind schlicht verputzt und asymmetrisch aufgebaut, mit unterschiedlich grossen Rechteckfenstern. Typische Elemente sind Loggien, ein Zimmererker, Fachwerkpartien in den Giebeln, verschiedene Dachaufbauten sowie Helmstangen. Zwei über das Dach hinausragende Brandmauern prägen zusätzlich die Silhouette.

Die Hauseingänge sind bewusst zurückhaltend gestaltet und über kurze Treppen von der Strasse aus erreichbar. Die Endhäuser und das mittlere Haus sind grösser dimensioniert, während die beiden Zwischenhäuser etwas kleiner ausfallen.

Vorgärten und Gärten

Die Vorgärten sind ein zentrales Gestaltungselement der Siedlung. Ursprünglich einheitlich angelegt, prägen sie bis heute den Strassenraum. Entlang der Heiligbergstrasse ist grösstenteils ein historischer Staketenzaun aus Metall auf niedrigem Betonsockel erhalten. Die Gartentore sind individuell gestaltet und zeigen sowohl schlichte als auch dekorative Formen, teils mit floralen Motiven oder Rosenbögen.

In den rückwärtigen Hausgärten kam es im Laufe des 20. Jahrhunderts zu Veränderungen, etwa durch Garagen oder Parkplätze. Eine besondere Stellung nimmt das Grundstück Heiligbergstrasse 38 ein, wo qualitätvolle Gartenanlagen mit Natursteinmauern und einer terrassierten Treppenanlage erhalten geblieben sind. Diese Gestaltung entstand vermutlich erst später, in der Zwischenkriegszeit.


Benutzte und weiterführende Literatur

Bärtschi, Hans-Peter: Die Siedlungsstadt Winterthur (Schweizerische Kunstführer, Serie 45, Nrn. 447/448), Bern 1989, S. 28.
Flury-Rova, Moritz: Backsteinvillen und Arbeiterhäuser. Der Winterthurer Architekt Ernst Jung (1841–1912) (Neujahrsblatt der Stadtbibliothek Winterthur 339), Zürich 2008, S. 171, 248–249.
Schutzwürdige Bauten der Stadt Winterthur. Ergänzung um Wohnsiedlungen, Grün- und Freiräume, hg. von Denkmalpflege der Stadt Winterthur, Winterthur 2017, S. 62–63.
Stadtarchiv Winterthur.
Stadtbibliothek Winterthur

Bibliografie


Autor/In:
Nadia Pettannice
Letzte
Bearbeitung:
01.06.2026
Nutzungshinweise
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