Wohnhäuser

Waaghaus

Marktgasse 25

Das Waaghaus entstand 1503 und diente als Kaufhaus und Waaghalle. Es wurde 1863/64 von Stadtbaumeister Wilhelm Bareiss umgebaut. Neu fanden die Feuerwehr, das Musikkollegium und die Sammlung des 1848 gegründeten Kunstvereins darin Platz. 1928 erhielt das Waaghaus im Zeichen der „farbigen Stadt“ den roten Anstrich.


Baujahr
1503


Adresse
Waaghaus
Marktgasse 25
8400 Winterthur

Das Waaghaus in der originalen Farbe in einem Aquarell von Jakob Ziegler-Sulzberger um 1867.
Foto: winbib, Jakob Ziegler-Sulzberger (Signatur 022366_O)

Vom Kauf- und Waaghaus zum öffentlichen Gebäude

Das Waaghaus an der Marktgasse 25 wurde 1503 als städtisches Kauf- und Waaghaus errichtet. Der spätgotische Bau prägt mit seiner markanten Nordfassade und den vier charakteristischen Kielbogenöffnungen im Erdgeschoss seit über 500 Jahren das Erscheinungsbild der Marktgasse. Im Erdgeschoss befand sich die öffentliche Waage, auf der Handelswaren gewogen und verzollt wurden. Die darüberliegenden Säle dienten der Bürgerschaft als Versammlungs- und Veranstaltungsräume. Bereits früh fanden dort auch öffentliche Anlässe und Theateraufführungen statt.

Im Laufe der Jahrhunderte wandelte sich die Nutzung des Gebäudes mehrfach.  Während des Umbaus des Rathauses in den 1780er-Jahren war vorübergehend die Stadtbibliothek im Waaghaus untergebracht. Mit der Verlagerung des Warenverkehrs auf die Eisenbahn verlor die städtische Waage im 19. Jahrhundert zunehmend an Bedeutung. Ab 1844 diente das Waaghaus als Postgebäude.

In den Jahren 1863–1864 wurde das Gebäude nach Plänen des Stadtbaumeister Wilhelm Bareiss umgebaut und an neue Nutzungsbedürfnisse angepasst. Der spätgotische Charakter des Bauwerkes blieb jedoch weitgehend erhalten.  

Ein Haus für Feuerwehr, Bildung und Kultur

Im späten 19. Und frühen 20. Jahrhundert wurde das Waaghaus von verschiedenen städtischen Institutionen genutzt. Zeitweise diente es als Feuerwehrmagazin, dem Musikkollegium Winterthur und dem Kunstverein Winterthur als Veranstaltungs- beziehungsweise Ausstellungsort.

Den Umbau des Erdgeschosses zu einem öffentlichen Lesesaal leitete der Architekt Ernst Jung in den Jahren 1898/99. Die vielseitigen Nutzungen unterstreichen die zentrale Bedeutung des Gebäudes als öffentlicher Ort im Leben der Stadt.

Die Ausstellungsräume in den Obergeschossen, die bereits 1916 geschlossen worden waren, konnten 1971 wieder eröffnet werden. Gleichzeitig bezog das Winterthurer Marionettentheater das Gebäude, das heute unter dem Namen Figurentheater Winterthur weiterhin dort beheimatet ist.

Eine umfassende Gesamtsanierung erfolgte 1978–1979. Mit der Wiedereröffnung wurden die Ausstellungsräume dem neu gegründeten Trägerverein der Kunsthalle Winterthur übergeben. Bis heute dient das Waaghaus als Kultur- und Begegnungsort.

Ein spätgotisches Wahrzeichen der Altstadt

Aufgrund seiner aussergewöhnlich gut erhaltenen Bausubstanz gilt das Waaghaus als einer der bedeutendsten gotischen Profanbauten Winterthurs. Besonders bemerkenswert sind die zwischen 1503 und dem 19. Jahrhundert gewachsene historische Substanz, die Kellergewölbe sowie die Nordfassade mit ihren bauzeitlichen Gestaltungselementen. Bereits in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde deshalb eine Wiederherstellung der ursprünglichen Fassadengestaltung als denkmalpflegerisch «wichtig und höchst wünschenswert» bezeichnet. Hervorgehoben wurden dabei insbesondere die klare Baugeometrie und die aussergewöhnliche künstlerische Qualität der Fassade, deren historische Bedeutung durch spätere Umbauten zeitweise in den Hintergrund getreten war.

Die «farbige Stadt»

1928 erhielt das Waaghaus im Rahmen des städtebaulichen Gestaltungskonzepts der «farbigen Stadt» seinen bis heute charakteristischen roten Fassadenanstrich. Dieser prägt das Erscheinungsbild des Gebäudes bis heute und verbindet die spätgotische Architektur mit einer wichtigen Phase der Winterthurer Stadtgestaltung des 20. Jahrhunderts.

Kulturhaus und Sanierung

Das Waaghaus wird weiterhin kulturell und öffentlich genutzt. Bis im April 2026 befand sich darin das Lebensmittelgeschäft «Markthalle». Die Obergeschosse werden vom Figurentheater Winterthur und von der Kunsthalle Winterthur genutzt.

2026 wurde das Waaghaus erneut umfassend instandgesetzt. Die Arbeiten umfassen unter anderem energetische Verbesserungen, die Erneuerung der Haustechnik sowie Massnahmen zum Brandschutz. Mit der Sanierung soll das mehr als 500 Jahre alte Gebäude langfristig gesichert und für eine weitere Nutzungsperiode vorbereitet werden.


Literatur und Quellen

Schutzwürdige Bauten der Stadt Winterthur, hg. von Denkmalpflege der Stadt Winterthur, Winterthur 2006, S. 50.
INSA Inventar der neueren Schweizer Architektur 1850–1920, Sonderpublikation aus Band 10, Winterthur. Architektur und Städtebau 1850–1920, hg. von Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Zürich 2001, S. 131.
Inventar der überkommunalen Schutzobjekte, Winterthur, Vers. Nr. 05359, 2001, Archiv der kantonalen Denkmalpflege Zürich. 
Kaiser, Franziska: Bareiss, Wilhelm Friedrich Carl, in: Architektenlexikon der Schweiz, 19./20. Jahrhundert, hg. von Isabelle Rucki und Dorothee Huber, Basel, Boston, Berlin 1998, S. 37–38. 
Keller, Karl: Das «Waaghaus» in Winterthur. Ein spätgotischer Bau steht vor der Restaurierung, in: Denk mal!, Zürich 1975, S. 35. 
Stadt Winterthur, Medienmitteilung: Sanierung Waaghaus, 09.04.2025, abgerufen am 28.06.2026.
StAW, Akten: A40/177.1 bis A40/177.6
StAW, Projektpläne: H 59–61, H 98–104, H 166–167.
Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich, Band VI, Die Stadt Winterthur, hg. von Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Basel 1952, S. 87–89. 

Bibliografie

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    Winterthurer Marionetten, Puppentheater Waaghaus, Figurentheater

    • Einträge ab 2011

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      Einträge 1991–2010

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    • Einträge ab 2011

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      Einträge 1991–2010

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      Muda Mathis und Sus Zwick: Landbote 2001/141.
      Peter Radelfinger: Landbote 2001/223.
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      Federica Gärtner: NZZ 2003/216 von Urs Steiner.
      Berndt Höppner: Landbote 2004/46 1Abb.
      Daniel Schibli: Landbote 2004/199 von Christina Peege, 1Abb.
      Helene Sperandio: Landbote 2004/287 von Sabine Arlitt, 1Abb.
      Georg Aerni "Insights":NZZ 2005/33 S. 48 von Daniele Muscionico, 1Abb. - Kunstbulletin 2005/3.
      Reto Boller: Landbote 2005/139 1Abb.
      Gott mit uns, Folkert de Jong: Landbote 2006/56 von Christina Peege, 1Abb.
      Domink Heim und Ron Temperli: Landbote 2006/134 von Christin Peege, 1Abb.
      Downloads: Landbote 2006/202 von Christina Peege, 1Abb.
      Wael Shawky: Landbote 2007/90 von Lucia A. Cavegn, 1Abb.
      Begehren und Eroberung: Landbote 2008/93 von Christina Peege, 1Abb.
      Red Alert, Videokunst: Landbote 2008/148 von Melanie Kollbrunner. m.Abb.
      Aleksander Komarov "Weichensteller", Videoinstallationen: Landbote 2008/211 1Abb.
      Tamy Ben-Tor, Videoarbeiten: Winterthurer Dok.2008/41 1 Blatt Ill. - LAbb.2008/264 von Christina Peege, m.Abb.
      Valentin Magaro: Winterthurer Dok.2009/54 von Oliver Kielmayer, m.Abb.
      The Non-Age: Landbote 2009/130 von Mario Lüscher, m.Abb. -Winterthurer Dok. 2009/55 von Paco Barragan, m.Abb.
      Yves Netzhammer: Winterthurer Dok.2009/56 von Oliver Kielmayer, m.Abb. - Tages-Anzeiger 2009/197 1Abb. - Landbote 2009/197 von Mario Lüscher, m.Abb.[Winterthurer Dok.2009/45]. - Winterthurer Dok.2009/56 Existentielle Netzhaftigkeit, von Oliver Kielmayer, m.Abb. --The Telephone Book: Winterthurer Dok.2010/1 von Oliver Kielmayer, m.Abb. - Landbote 2010/144 von Stefan Busz, m.Abb.


Autor/In:
Antonio Mestre
Letzte
Bearbeitung:
22.09.2026
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