Kunst und Kultur

Albert Bosshard

Künstler, Litograph (1870–1948)

Albert Bosshard war Künstler und Litograph. Bekannt ist er vor allem für seine Panoramen und seine Aquarellmalerei. 1917 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Künstlergruppe Winterthur


Geboren
31.12.1870

Gestorben
1948


Persönlicher Werdegang

Albert Bosshard wurde am 31. Dezember 1870 als Sohn eines Dorfschneiders in Theilingen (ZH) geboren. Er war der jüngste von acht Geschwistern. Schon früh entdeckte er seine Leidenschaft für die Kunst und zeigte ein ausgeprägtes zeichnerisches Talent, was jedoch in seinem Umfeld nicht wirklich goutiert und gefördert wurde. Das Kunstgewerbe galt damals in den Augen vieler als brotloses Gewerbe von «untüchtigen» Menschen. Dennoch liess sich Albert Bosshard von seinem Weg nicht abbringen. So besuchte er ab 1886 die Kunstabteilung des Technikums in Winterthur. Danach machte er in Zürich eine Berufslehre als Lithograf und begab sich 1889 für ein halbes Jahr nach Paris. Ab 1890 arbeitete er in der Lithographischen Anstalt Schlumpf in Winterthur.

«Panorama-Bosshard»

Zwischen 1895 und 1901 wurde Albert Bosshard vor allem wegen seinen Panoramen bekannt, womit er den Beinamen «Panoramen-Bosshard» erhielt. Auch Winterthurer Panoramen hielt er lithographisch fest, nämlich vom Aussichtspunkt Eschenberg und dem Hörnli. Von 1901 bis 1902 besuchte er die Privatakademie Knirr in München und zeichnete auch deutsche Umgebungen.  Sein letztes und bedeutendstes Panorama ist jenes vom Tödi aus dem Jahr 1910, das jedoch unvollendet blieb.

Albert Bosshard lernte überwiegend autodidaktisch und fand in der Aquarellmalerei seine künstlerische Heimat. Bosshard fertigte umfangreiche Zeichenstudien an. Als Motive dienten ihm vor allem die Winterthurer Altstadt, Parks und Wälder. Auch ausserhalb Winterthurs fand er seine Vorlagen, so beispielsweise in der Stadt Zürich, beim Tödi oder im Tösstal und um den Pfäffikersee.

Mitbegründer der Künstlergruppe Winterthur

Als Reaktion auf den geplanten Bau des Kunstmuseums Winterthur, gründete Albert Bosshard gemeinsam mit 29 Gleichgesinnten im Jahr 1916 die Künstlergruppe Winterthur. Die Gruppe verstand sich als Berufsvereinigung und setzte sich für die Bedürfnisse der lokalen Künstlerinnen und Künstler ein. Dabei setzten sie gemeinsam mit dem Kunstverein Winterthur ein in der Schweiz einmaliges Gastrecht für die regelmässig stattfindenden «Dezember-Ausstellungen» durch. Damit wurden gewisse Sicherheiten geschaffen. 

Dennoch belastete das Künstlerleben die Familie von Albert Bosshard. Das Haupteinkommen musste in den 1920er-Jahren seine Ehefrau erwirtschaften, die am Graben ein Modistinnengeschäft führte. 1920 bis 1927 musste sich der freiheitsliebende Künstler doch für einen Broterwerb einspannen lassen und führte gemeinsam mit seiner Frau den grossen Lesesaal im Waaghaus an der Marktgasse. 1929 begab er sich auf eine ursprünglich dreiwöchige Reise nach Toulon, die er jedoch auf zwei Jahre ausdehnte, bis seine familiären Verpflichtungen ihn doch wieder nach Winterthur zwangen. Dort konnte er sich dank der Förderung befreundeter Mäzenen ganz auf seine Kunst konzentrieren.

Künstlerisches Wirken

Albert Bosshard schwankte in seinen Aquarellen zwischen seinem eigenen etwas verschrobenen naturalistischen Anspruch und einer gleichzeitigen Neigung zur Abstraktion. Für Bosshard war sein Arbeitsprozess oftmals zäh und er liess sich leicht aus der Fassung bringen, wenn sich sein Motiv plötzlich veränderte, z.B. wenn ein Fensterladen geschlossen wurden. Einige seiner Werke blieben deshalb unvollendet.

Als «Karl der Grosse» beim Fraumünster verewigt

In der Winterthurer Kunstszene galt Bosshard als eigenbrötlerischer Sonderling, der sich manchmal unbedacht oder zu forsch äusserte. Eine besonders enge Freundschaft verband ihn hingegen mit seinem Künstlerkollegen Paul Bodmer. Zwischen 1921 und 1928 realisierte Bodmer die «Sage von Karl dem Grossen und der Schlange» als grosser Freskenzyklus im Kreuzgang des Zürcher Fraumünsters. Albert Bosshard stand ihm für die Figur von Karl dem Grossen Modell. Auf diese Weise wurde Albert Bosshards Gesichtszüge in Zürich verewigt.


Benutzte und weiterführende Literatur:

Kruschwitz, Helmut: Begleitblatt zur Ausstellung, Winterthur 1980, in: Sammlung Winterthur, Biographien von A-Z.
Keller, Heinz: Der Panoramazeichner Albert Bosshard und die naive Kunst, in: Das Werk: Architektur und Kunst Bd. 48, Heft 11, 1961, S. 397–399. (Online via E-Periodica.ch)
Kunstmuseum Winterthur: Dezember-Ausstellung 4.-31. Dezember 1949. Künstlergruppe Winterthur. Gedächtnis-Ausstellung Albert Bosshard 1870 –1948), Winterthur 1949.

Bibliografie

    Bosshard, Albert, 1870-1948, Künstler

    • Einträge 1991–2010

      Als Panorama-Zeichner, in: Panoramen und Karten des Schweizer Alpen-Club, die "Artistischen Beilagen" von 1864-1923. Von Roger Hauri. Bern, SAC, 1997, m.Abb.


Autor/In:
Nadia Pettannice
Letzte
Bearbeitung:
18.09.2023