Die Bade- und Waschanstalt an der Badgasse entstand 1862–1864 nach Plänen des Winterthurer Stadtbaumeisters Wilhelm Bareiss (1819–1885). Der aus Neresheim stammende Architekt und Baumeister verwirklichte in Winterthur mehrere für ihre Zeit moderne Bauprojekte in historisierenden Stilformen. Dazu gehören die neugotische Kavalleriekaserne, das Haus «Zum Feigenbaum» – der heutige Albani-Club – und die Kirche St. Peter und Paul. Für die Badeanstalt wählte Bareiss dagegen eine orientalisierende Architektur im sogenannten Maurischen Stil. In einer Zeit, in der die europäischen Kolonialmächte ihre Kolonien ausweiteten, entwickelte sich ein europäisches Selbstverständnis in Abgrenzung zum sogenannten "Orient".
Mit der Industrialisierung und dem raschen Wachstum der Schweizer Städte gewann die öffentliche Hygiene im 19. Jahrhundert an Bedeutung. In vielen Wohnungen fehlten fliessendes Wasser, Badewannen und geeignete Waschmöglichkeiten. Städte und gemeinnützige Kreise errichteten deshalb öffentliche Bade- und Waschanstalten mit Wannen- und Duschbädern, Schwimmbecken und Wäschereien. Sie dienten zunächst weniger der Freizeit als der Körperpflege, Gesundheitsvorsorge und sozialen Fürsorge. Die Industriestadt Winterthur gehörte zu den Vorreiterinnen dieser Entwicklung.
1862 bildeten Privatpersonen rund um den Winterthurer Johann Friedrich Bader eine Aktiengesellschaft zur Errichtung einer Bad- und Waschanstalt in Winterthur, an der sich die Stadt Winterthur schliesslich beteiligte. Die 1864 eröffnete Bade- und Waschanstalt war das erste öffentliche Hallenbad der Schweiz und bis zur Eröffnung des Volksbades St. Gallen im Jahr 1906 auch das einzige.