Kunst und Kultur

Eugen Albin Eichenberger

Maler und Objektkünstler, (1926–2015)

Eugen Albin Eichenberger war ein in Winterthur verwurzelter Maler und Objektkünstler. Nach einer Ausbildung im Bereich der Dekorationsmalerei und Studien an der Kunstgewerbeschule Zürich lebte er lange in Paris. Sein vielseitiges Werk entwickelte sich von figürlicher Malerei hin zu abstrakten und gesellschaftlich engagierten Arbeiten und umfasst auch bedeutende Kunst-am-Bau-Projekte in Winterthur.


Sterbeort:
Winterthur

Geburtsort
Winterthur

Geboren
16.01.1926

Gestorben
05.06.2015


Eugen Albin Eichenberger in seinem Atelier, 1972
Foto: winbib, Arnold Renold (Signatur FotRenold_1429_1)

Herkunft und Ausbildung

Eugen Albin Eichenberger wurde 1926 in eine Arbeiterfamilie aus Elgg geboren und wuchs in Winterthur-Töss auf. Dort besuchte er auch die Schulen. Von 1927 bis 1931 absolvierte er in Winterthur eine Lehre als Schaufensterdekorateur. Anschliessend besuchte er 1933 und 1934 je ein halbes Jahr Kurse in Malerei und Schrift an der Kunstgewerbeschule Zürich.

Zwischen 1933 und 1944 arbeitete Eichenberger als Theater-, Bau- und Dekorationsmaler.  Von 1944 bis 1945 besuchte er die Kunstgewerbeschule Zürich als Tagesschüler und kurze Zeit später bis 1948 als Hospitant. Verschiedene Studienreisen führten ihn nach Paris und Südfrankreich, nach Italien und England. Von 1950 bis 1965 lebte er überwiegend in Paris. Nach seiner Rückkehr bezog er ein Atelier in Zürich.

Künstlerisches Werk

Zu Beginn seiner künstlerischen Laufbahn entstanden figürliche Kompositionen, Landschaften, Dorfansichten und Stillleben, ausgeführt in Öl-, Lackdispersions- und Aquarellfarben. Eine tonige, zurückhaltende Farbpalette prägt dieses Frühwerk. Eichenberger stand in engem freundschaftlichem Austausch mit dem Winterthurer Maler Robert Wehrlin, der in Paris lebte und dort künstlerisch stark vernetzt war.

Unter diesem Einfluss schuf Eichenberger zwischen 1953 und 1955 leicht karikaturistische Figurenbilder sowie humorvolle Fasnachtsdarstellungen. Parallel entstanden Zeichnungen und Aquarelle als Reiseskizzen sowie erste Lithografien. 1953 realisierte er in der Eingangshalle des Schulhauses Feld in Winterthur-Veltheim ein Natursteinmosaik.

Ab 1956 wandte sich Eichenberger einer stark abstrahierten Malerei zu, in der Bildgegenstände nur noch fragmentarisch erkennbar sind. Später entstanden schachbrettartige Kompositionen, Serien ungleich zusammengesetzter Flächenformen sowie tachistische Arbeiten. Den schwungvoll-dynamischen Pinselstrich behielt er auch bei, als er ab den 1960er-Jahren wieder vermehrt gegenständlich arbeitete.

1973 schuf er für das Schwimmbad Töss in Winterthur das abstrakte Wandrelief «Fisch».

Politisches Engagement und Spätwerk

Eugen Eichenberger war ein überzeugter Sozialdemokrat und verstand sich als kritisch engagierter Zeitgenosse. Er schuf politische Bildwerke zu Themen wie Abrüstung und Frieden, die er selbst als auf die Zukunft gerichtet verstand. Er entwickelte Entwürfe für Grossplastiken im öffentlichen Raum internationaler Städte. 1980 wurden Modelle von fünf sogenannten «Friedensobjekten» im Kunstmuseum Winterthur ausgestellt.

In den folgenden Jahren arbeitete Eichenberger intensiv an Projektvorschlägen für die Landesausstellung CH 91, ohne damit die gewünschte Resonanz zu erzielen. Nach dem Fall der Berliner Mauer geriet sein Werk zunehmend aus dem Fokus der Öffentlichkeit; in der Folge verzichtete er bewusst auf ein ausgeprägtes Alterswerk.

Auszeichnungen und Mitgliedschaften

Eugen Eichenberger erhielt mehrfach Anerkennung für sein künstlerisches Schaffen, darunter 1947–1949 Eidgenössische Kunststipendien, 1952, 1965 und 1967 Stipendien des Kantons Zürich, 1956 ein Eidgenössisches Stipendium der Stiftung Pro Arte (Bern) sowie 1965/1966 den Förderpreis der Steo-Stiftung Zürich. 1988 wurde ihm der Preis der Carl-Heinrich-Ernst-Kunststiftung Winterthur verliehen. Seit 1952 war er Mitglied der Künstlergruppe Winterthur.


Benutzte und weiterführende Literatur:

Wohlbehütet – Wertgeschätzt. Winterthur Kunst aus Winterthurer Privatbesitz, Ausstellungskatalog, Museum Villa Flora Winterthur, 2017.
Piniel, Gerhard: Zeuge der pazifistischen Revolte, in: Der Landbote, 27.06.2015.

Autor/In:
Lucia Angela Cavegn
Letzte
Bearbeitung:
26.01.2026
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