Kunst und Kultur

Heinrich Bruppacher

Maler, Zeichner und Grafiker, 1930–2010

Heinrich Bruppacher war ein vielseitiger Maler, Zeichner und Grafiker, der während drei Jahrzehnten in Winterthur lebte und arbeitete. Sein stilistisch offenes Werk bewegt sich zwischen gegenständlicher Darstellung und abstrakter Bildsprache und ist geprägt von Experimentierfreude, Materialvielfalt und internationaler Orientierung.


Sterbeort
Croglio (TI)

Geburtsort
Zollikon (ZH)

Geboren
23.05.1930

Gestorben
15.08.2010


Heinrich Bruppacher rechts und Stadtpräsident Urs Widmer links wahrscheinlich bei der Verleihung der städtischen Anerkennungsgabe, 1984
Foto: winbib, Wolfgang Sträuli (SignaturFotLb_008392)

Herkunft, Ausbildung und künstlerische Anfänge

Heinrich Bruppacher wurde 1930 in St. Peter im Kanton Graubünden geboren und wuchs in St. Peter, Wil und Winterthur auf. 1949 erlangte er das Maturitätsdiplom Typus C. Bereits im Alter von 19 Jahren nahmr an der Ausstellung «Zürich-Land» teil und weckte mit seinem «Kleinen Mädchen» das Interesse der Kunstkritiker. Bruppacher entschied sich bewusst für einen autodidaktischen Weg in der Kunst und hielt sich von 1950 bis 1952 längere Zeit in Paris und Schweden auf, wo er sich künstlerisch weiterbildete. Erste wichtige Impulse erhielt er von Robert Lienhard und Robert Wehrlin. Mit letzterem arbeitete er zeitweise auch zusammen, so führte er beispielsweise 1971 die von Wehrlin entworfenen Glasfenster im Kantonsspital Münsterlingen aus. 

Leben und Arbeiten in Winterthur

Von 1952 bis 1982 lebte und arbeitete Bruppacher in Winterthur. Sein Atelier befand sich in dieser Zeit im Gärtnerhaus der Villa Bühler. 1954 beteiligte er sich erstmals an der Dezemberausstellung der Künstlergruppe Winterthur. 1968 bezog er zusätzlich ein Wohnhaus und Atelier in Breno (TI). 1970 widmete das Kunstmusem Winterthur den drei lokalen Künstler, Heinrich Bruppacher, Robert Lienhard und Hans Ulrich Saas eine grosse Ausstellung und zeigte 183 Werke.

Neben seiner Tätigkeit in Winterthur unternahm er zahlreiche Reisen und Studienaufenthalte, die ihn nach Frankreich, Schweden, Italien, ins damalige Jugoslawien, nach Tschechien, Mexiko und Guatemala führten.

Werk und künstlerische Haltung

Bruppachers Werk zeichnet sich durch eine ausgeprägte stilistische Offenheit aus. Er arbeitete sowohl gegenständlich – mit Stillleben, Landschaften, Figuren- und Bildnisdarstellungen – als auch abstrakt in tachistisch-gestischer und geometrischer Formensprache. Charakteristisch ist sein bewusster Verzicht auf eine einheitliche Stilbildung zugunsten eines experimentellen Arbeitens mit seriellen Reihungen und Zufallselementen. Sein Schaffen steht in Auseinandersetzung mit verschiedenen Strömungen der klassischen Moderne, vom Tachismus bis zur konkreten Kunst.

Techniken und verwendete Materialien

Neben Malerei und Zeichnung umfasste Bruppachers künstlerisches Tätigkeitsfeld auch Radierung, Illustration, Collage, Tapisserie, Relief, Gravur und Glasfenster, unter anderem für die Kirche Dorf (ZH). In den letzten Lebensjahren, die er infolge zunehmender körperlicher Beeinträchtigungen im Rollstuhl verbrachte, entstanden farbig bemalte Kartonreliefs, die mathematische Strukturen mit einer lyrischen Bildwirkung verbinden.

Auszeichnungen und Mitgliedschaften

Heinrich Bruppacher wurde mehrfach für sein künstlerisches Schaffen ausgezeichnet, darunter mit dem Stipendium der Kiefer-Hablitzel-Stiftung (1955), dem Förderpreis der Steo-Stiftung Zürich (1967), dem Preis der Carl-Heinrich-Ernst-Kunststiftung Winterthur (1979) sowie der Anerkennungsgabe der Stadt Winterthur (1983). Seit 1959 war er Mitglied der Künstlergruppe Winterthur.

Krankheit und letzte Lebensjahre

Ab 1980 litt Bruppacher zunehmend an körperlichen Beeinträchtigungen. Ab 1997 war er als Paraplegiker auf den Rollstuhl angewiesen. Trotz dieser Einschränkungen blieb er künstlerisch tätig und entwickelte in seinem Spätwerk eine konzentrierte, reduzierte Formsprache.


Benutzte und weiterführende Literatur


c.l.: Bilder, die immer neu entstehen, Neue Zürcher Nachrichten, 06.03.1984.
H.: Heinrich Bruppacher. Ausstellung in Frauenfeld, in: Thugrauer Zeitung, 10.11.1971.
K.M.: Begegnung mit Heinrich Bruppacher, in: Bieler Tagblatt, 06.05.1971.
P.Wd. Kunst in Winterthur. Drei Winterthurer Künstler im Kunstmuseum, in: Neue Zürcher Zeitung, 01.04.1970.
H.M.: Heinrich Bruppacher, in: Thurgauer Zeitung, 24.09.1960.
H.M.: Kunst. Moderne Meister der Graphik in Winterthur, in: Thurgauer Zeitung, 27.07.1956.
H. Gr.: Kunstausstellung «Zürich-Land», in: Neue Zürcher Nachrichten, 21.09.1949.

Bibliografie

    Bruppacher, Heinrich, 1930-1910, Kunstmaler

    • Einträge 1991–2010

      Landbote 1991/106 von Paolo Brändli, m.Abb.
      Ausstellungen. Hegnau:Zürcher Oberländer 1991/223 1Abb.
      Kunstmuseum: Winterthurer Arbeiterzeitung 1992/113 1Abb. - Landbote 1992/116. - NZZ 1992/129 S.27.
      Galerie Blaues Schild: Landbote 2000/215 von Kathrin Gebert-Kuhn.
      Tages-Anzeiger 2001/1031Abb.
      In Zürich: Landbote 2002/268 von Gerhard Piniel, 1Abb.
      Galerie Blaues Schild: Landbote 2005/114 von Christina Peege, 1Abb.
      Galerie Blaues Schild und Thomas Bäni: Landbote 2009/139 von Mario Lüscher, m.Abb.
      Kunsträume Oxyd: Landbote 2010/100 von Christina Peege, 1Abb. - Landbote 2010/189, 196 von Gerhard Piniel, m.Abb.


Autor/In:
Lucia Angela Cavegn
Letzte
Bearbeitung:
22.08.2026
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