KMU und Gewerbe

Kübler Holding AG

Lagerhausstrasse 5

Eduard Kübler gründete 1877 in Winterthur am Untertor ein Handelsgeschäft für Kohle und landwirtschaftliche Geräte. Damit legte er den Grundstein der der Firma Ed. Kübler & Cie. 1917 übernahm sein Sohn Eduard das Geschäft und baute in Oberwinterthur die Firma weiter aus. In den 1950er Jahren erweiterte die dritte Generation Kübler das Geschäft im Etzberg in Seen. 2025 ging die Kübler Holding AG für Handel und Immobilien an die 5. Generation über.


Gründungsdatum
1877


Adresse
Kübler Heizöl AG
Lagerhausstrasse 5
8401 Winterthur

Eduard Kübler hatte im Arch-Areal um die Jahrhundertwende seine Büros und Lagerräume untergebracht. Aufnahme des Arch-Areals vor Abbruch des Hotels Volkshaus und der ehemaligen Färberei Geilinger um 1930.
Foto: winbib (Signatur 050346)

Handelsgeschäft für Kohle am Untertor

Eduard Kübler Senior (1849-1917) wurde 1849 in Wiesendangen geboren. 1877 zog er nach Winterthur und eröffnete am Untertor ein Handelsgeschäft. Dort verkaufte er unter anderem Eisen, Metalle und Kohle. Nachdem die Druckerei und Färberei Geilinger 1892 im Archareal ihren Betrieb eingestellt hatte, zog Kübler in einen Teil der freigewordenen Räumlichkeiten. Neben einem Büro und einem Lager richtete er in der Liegenschaft «zur Arch» Stallungen für seine Pferde ein und stellte dort seine Fuhrwerke unter. Der Import von Kohle, Koks und Briketts für die Eisenbahn, die Industrie und das Gewerbe entwickelte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu seinem Kerngeschäft. Mit der Verbreitung der Zentralheizung stieg insbesondere die Nachfrage nach Kohle. Aus dem einst bescheidenen Kohlehandel wurde ein prosperierendes Geschäft. 1896 bürgerte er sich in Winterthur ein und heiratete die 20-jährige Julie Schleuss, deren Familie aus Thalheim stammte. Gemeinsam zogen sie an die Konradstrasse 12 in Winterthur. 1897 wurde ihr Sohn Eduard junior geboren. Aus dem bescheidenen Kohlehandel wurde im Laufe der Jahre ein prosperierendes Geschäft. 1903 kaufte er an der Heiligbergstrasse 28 eine kleine Stadtvilla im italianisierenden Stil für 37'000 Franken. Erst der Ausbruch des Ersten Weltkrieges stellte die Firma vor neue Herausforderungen: Während des Krieges stockte der Kohleimport und der Kohleverbrauch wurde stark eingeschränkt. Die schwierige Lage während des Krieges belastete die Firma und Eduard Kübler stark. 1917 erlitt er einen Schlaganfall und verstarb kurz darauf.

Der Sohn übernimmt mit der Mutter

Nach dem Tod des Vaters übernahm 1917 sein Sohn Eduard Kübler (1897-1947), der zu diesem Zeitpunkt in Genf lebte, die Firma. Er wandelte sie in eine Kommanditgesellschaft «Ed. Kübler & Co.» um. Neben ihm waren seine Mutter Julie Kübler-Schleuss und der Prokurist Adolf Steffen Teilhaber der Firma. Kübler leitete die Firma fortan zusammen mit seiner Mutter und Steffen. In den 1920er Jahren benötigte die Firma ein grösseres Lager, um grössere Mengen Kohle importieren zu können. Kübler reichte in Oberwinterthur ein Baugesuch für ein Wohn- und Geschäftshaus sowie für ein Holz- und Kohlelager mit Bahnanschluss ein. Eduard Kübler Senior hatte das Land dafür bereits 1906 erworben. 1926 zügelte die Firma ihr Lager ins Areal neben dem Bahnhof Oberwinterthur am Riedbach. Die Büros und der Detailhandel blieben zuerst noch im Archareal und zügelten erst Ende der 1920er Jahre an die Technikumsstrasse 87. 1931 plante Kübler den Bau seines ersten Heizöltanks mit einem Fassungsvermögen von 40'000 Litern in Oberwinterthur. Erste Tanks für Dieselöl setzten 1931 den Anfangspunkt für den Handel mit flüssigen Brenn- und Treibstoffen. 1932 kam eine Brückenwaage dazu, und 1933 folgte ein weiterer Heizöltank sowie ein neuer grosser Kohleschopf. 1941 heiratete er die Witwe Elise Rütimann-Ehrensperger, die zwei Söhne in die Ehe brachte. Er zog aus der Villa am Heiligberg aus an die Trottenstrasse 6. 1945 adoptierte er die beiden Söhne seiner Frau, Friedrich und Arthur Rütimann. 1947 starb Eduard Kübler nach einer schweren Krankheit. Sein Sohn Friedrich Kübler übernahm das Geschäft und wandelte es 1948 in die Ed. Kübler & Co. AG um. Julie Kübler-Schleuss wirkte als Teilhaberin bis zu ihrem Tod 1958 in der Firma mit.

Handel mit flüssigen Brenn- und Treibstoffen

Sein Adoptivsohn Friedrich Kübler (1920-2008), der zu diesem Zeitpunkt noch in St. Gallen studierte, übernahm 1947 die Leitung der Firma. Friedrich Kübler wurde 1920 in Winterthur als Sohn von Elise und Jakob Rütimann geboren. Er wuchs bei seinen Eltern in Seen in Winterthur auf. Sein Vater war Metzgermeister. Von 1935 bis 1937 absolvierte er eine kaufmännische Lehre bei der Firma Ed. Kübler & Co. Im Anschluss an die Lehre besuchte er von 1938 bis 1941 ein Internat in Neuenburg und studierte danach Betriebswissenschaften in St. Gallen. Nach dem Tod seines Vaters Eduard Kübler jun. wandelte er die Firma 1948 in eine Familien-Aktiengesellschaft um: die Ed. Kübler & Co. AG. Im selben Jahr gründete die Firma eine Personalvorsorgestiftung, was zu jener Zeit eine Pionierleistung war. Küblers Hauptgeschäft war zu diesem Zeitpunkt der Import von flüssigen und festen Brenn- und Treibstoffen. Kohle blieb bis 1955 der wichtigste Energieträger. Später begann Heizöl, die festen Brennstoffe zu verdrängen und wurde zum Hauptgeschäft der Firma. Anfang der 1950er Jahre stieg der Verkauf rapide an. In dieser Zeit baute Kübler in Oberwinterthur einen grossen unterirdischen Benzintank. Später kam ein weiterer oberirdischer Tank dazu, der 200'000 Liter fasste. 1956 eröffnete Kübler die erste Selbstbedienungstankstelle beim Geschäftssitz in Oberwinterthur.

Kauf von Liegenschaften und Umzug der Büro Räumlichkeiten an die Münzgasse

Parallel zum Brennstoffgeschäft begann die Firma, Liegenschaften zu bauen oder zu kaufen. Der Anfang machte der Geschäftssitz in Oberwinterthur mit einem Wohnhaus, einer Remise, einem Holz- und Kohleschopf sowie Bauland an der Trottenstrasse. Später kamen weitere Liegenschaften hinzu, darunter mehrere Mehrfamilienhäuser und ein Teil des Hauses an der Münzgasse 2. Dieses konnte im Juli 1952 abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt werden.  Am 25. Juli 1953 verlegte die Kübler & Cie. ihre Büros von der Technikumstrasse 92 an die Münzgasse. In den 1970er Jahren kamen zur Münzgasse 2 die Häuser an der Münzgasse 4 und die an der Stadthausstrasse 137 hinzu. 2025 verwaltete die Kübler Immobilien AG 2500 Wohn- und Gewerbeobjekte. 

Erweiterung der Firma im Etzberg in Seen

Nachdem deutlich geworden war, dass die bisherigen Räumlichkeiten in Oberwinterthur mit der Entwicklung des Brennstoffhandels nicht mithalten konnten, kaufte die Firma zwischen 1953 und 1963 im Etzbergquartier in Seen Land, um dort neue Tanks zu bauen. In Seen am Etzberg, wieder mit direktem Bahnanschluss, erstellte die Firma von 1960 bis 1963 eine Grosstankanlage mit einem Fassungsvermögen von 60 Millionen Litern. Insgesamt baute die Firma zehn Grosstanks in Seen. 1969 verkaufte die Firma das Einzelhandelsgeschäft an Esso (Schweiz). 1972 kaufte die Firma die Kübler Heizöl AG zurück und kooperierte mit der Haniel (Schweiz) AG. Zur gleichen Zeit baute die Firma in Oberwinterthur bis 1975 ein Gewerbehaus mit Autowaschanlage und Tankstelle und hob das Kohlelager auf. 1978 passte die Firma ihr Tanklager in Seen an, da Änderungen an den neuen Gewässerschutz nötig waren. 1987 nahm die Firma die Kübler Heizöl AG von der Haniel zurück. Gleichzeitig beteiligte sich die Mobil Oil Switzerland AG mit 50 % an der Firma Kübler. 1990 trennte sich die Firma wieder von der Mobil Oil (Schweiz) AG, und das Handelsgeschäft gelangte wieder vollständig in Familienbesitz. Die Büros der Ed. Kübler AG blieben an der Münzgasse, während die Büros der Heizöl AG beim Tanklager an der Etzbergstrasse 23 stationiert waren.

Holding-Struktur und Rückbau der Tanks in Seen und Neubau Wohnüberbauung Etzbergpark

1987 trat Heinz Friedrich Kübler, der Sohn von Friedrich Kübler, in den Verwaltungsrat des Unternehmens ein. 1990 wurde er auf Drängen seines Vaters als Nachfolger in vierter Generation in die Geschäftsleitung des Unternehmens berufen. 1993 wurde die Firma in eine Holding-Struktur umgegliedert: Neben der Ed. Kübler AG & Co, die die Gewerbeimmobilie in Oberwinterthur und das Tanklager in Seen umfasste, gehörte die Kübler Heizöl AG und die Kübler Immobilien AG zur Holding. Ende der 1990er Jahre stieg die Kübler Heizöl AG in das Holzpelletgeschäft ein. 2001 eröffnete die Kübler Heizöl AG die erste Solar-Autowaschanlage in Winterthur. 2006 übernahm die Kübler Heizöl AG die Tanner Oel AG in Frauenfeld und die Knaus Heizöl AG in Winterthur. Mit der Verlagerung der Tanks wurde das Gebiet am Etzberg, das mittlerweile mitten in der Wohnzone lag, frei. Von 2011 bis 2014 baute die Firma Kübler die Tankanlagen im Etzberg zurück und errichtete dort die Wohnüberbauung Etzbergpark. 2012 gründete die Firma die Hänni Holzpellets AG.

Die 5. Generation übernimmt

2025 übernimmt die 5. Generation Kübler mit Philip und Christoph Kübler die Führung des traditionsreichen Winterthurer Unternehmens. Zur Kübler Gruppe gehörten 2025 die Kübler Heizöl AG Winterthur, die Tanner Oel AG in Islikon, die Hänni Holzpellets AG, die Ed. Kübler & Co AG sowie die Kübler Immobilien AG. Das Firmenzentrum hatte 2025 seinen Sitz an der Lagerhausstrasse beim Hauptbahnhof.


Benutzte und weiterführende Literatur

Hoster, Alexandre-Michel; Niederhäuser, Peter: Kübler. 140 Jahre. 1877-2017. Profile Publishing, 2017.
Nicole Döbeli: Die Söhne wurden geprüft wie externe Firmenchefs, bevor sie übernehmen durften. In: Der Landbote, 27.11.2025.
Goetz, F.: 100 Jahre Kübler-Brennstoffe. In: Der Landbote, 10.6.1977.

Bibliografie

    Kübler Heizöl AG. Etzbergstrasse 23

    • Einträge 1991–2010

      Werbeprospekt 2002/21.
      125 Jahre: Landbote 2002/100 soziale Projekte, 223 1Abb. - Weinländer Zeitung 2002/112.
      Friedrich Kübler-Frei: Winterthurer Jahrbuch 2010 1Abb.


Autor/In:
Karin Briner
Letzte
Bearbeitung:
05.01.2026