Museen, Sammlungen und Bibliotheken

Kunstkasten

Der Kunstkasten auf dem Katharina-Sulzer-Platz wurde 1999 von einer Gruppe Winterthurer Kunstschaffenden initiiert und eröffnet. Seit 2004 werden die rund um die Uhr geöffneten Ausstellungen in einem eigens für den Ort entworfenen Glaskubus gezeigt. Der Kunstkasten wird von verschiedenen Personen kuratiert und setzt seinen Schwerpunkt auf zeitgenössische Kunst.


Baujahr
1999


Adresse
Kunstkasten
Katharina-Sulzer-Platz
8400 Winterthur
2001: Kunstkasten mit Kunst von Pietro Mattioli Foto: winbib, Heinz Diener (Signatur FotDig_Lb_001-412)

Vom Schaukasten zum Ausstellungsraum

Die Geschichte des Kunstkastens begann in den 1990er-Jahren auf dem ehemaligen Sulzer-Areal. In den Gewerberäumen der Firma Hasler betrieb eine Gruppe von Kunstschaffenden damals die Galerie KK II. Als das Gebäude abgebrochen wurde, kam die Winterthurer Künstlerin Franziska Matter auf die Idee, einen ausrangierten Schaukasten der Firma als Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst weiterzuverwenden.

Gemeinsam mit Samuel Furrer, Barbara Gschwind, Cla Büchi, Christian Schwager und Jean-Pierre Bucher machte sie sich 1999 an die Realisierung des Projekts. Was noch fehlte war ein geeigneter Standort. Der Möbeldesigner Roger Rimmele schlug vor, den Schaukasten auf dem Sulzer-Areal aufzustellen. Die Gruppe stiess bei den zuständigen Sulzer-Immobilien auf offene Ohren.

Der ursprüngliche Kunstkasten war vier Meter lang, zwei Meter hoch und einen Meter tief. Die Sulzer-Immobilien sponsorten den Betonsockel und übernahmen auch die Beleuchtungskosten.  Zunächst hing er während dreier Monate an einem Laufkran, bevor er auf dem Katharina-Sulzer-Platz aufgestellt wurde. Die ersten Ausstellungen griffen die industrielle Umgebung auf. Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger präsentierten 1999 eine Installation mit präparierten Krokodilen und einer erfundenen Geschichte über die Einführung der Sülze in Australien, die spielerisch auf den Namen Sulzer Bezug nahm.

Ein neuer Glaskubus

2004 entwarf der Winterthurer Architekt Markus Bellwald einen neuen Glaskubus, der seither als einer der kleinsten Ausstellungsräume der Schweiz fungiert. Finanziert wurde der Neubau von Sulzer. Der auf drei Seiten verglaste Raum umfasst rund zwölf Kubikmeter und ist von aussen jederzeit einsehbar. Damit unterscheidet sich der Kunstkasten grundlegend von einem herkömmlichen Museum oder einer Galerie. Es müssen weder Eintrittsgebühren bezahlt werden, noch existieren feste Öffnungszeiten. Die Kunstwerke können zu jeder Tages- und Nachtzeit betrachtet werden.  

Die eingeladenen Kunstschaffenden entwickeln ihre Arbeiten häufig eigens für den Ort und beziehen die Architektur des Kastens, seine industrielle Umgebung oder die Geschichte des Sulzer-Areals mit ein. Neben Installationen werden auch performative und experimentelle Kunstformen gezeigt.

Kunst im öffentlichen Raum

Der Kunstkasten bietet Raum für künstlerische Experimente, die in herkömmlichen Ausstellungsräumen nur schwer umzusetzen wären. Die Werke verändern sich teilweise während der Ausstellungsdauer oder reagieren auf Licht, Witterung und die Blicke der Vorbeigehenden.

Zu den frühen Ausstellungen gehörte eine Installation von Pietro Mattioli, der den Kasten mit rund 500 farbigen Luftballons füllte. Während der Ausstellungsdauer verloren diese allmählich ihre Luft und veränderten damit das Erscheinungsbild des Kunstwerks. Andere Kunstschaffende nutzten den Raum für ortsspezifische Interventionen. 2014 verwandelten die Winterthurer Künstler Ronny Egger und Urs Jordi den Kunstkasten in ein öffentlich einsehbares Atelier, indem sie sich selbst in den Kasten setzten um zu Arbeiten und mit den Leuten ins Gespräch zu kommen.

Trägerschaft und Auszeichnung

Der Kunstkasten wird von einem gemeinnützigen Verein getragen. Seit seiner Gründung wechselte die künstlerische Leitung mehrfach. 2010 erhielt das damalige Kurator:innenteam den mit 10'000 Franken dotierten Kulturpreis der Stadt Winterthur. Die Stadt würdigte damit die kontinuierliche Vermittlung zeitgenössischer Kunst und das lanjährige ehrenamtliche Engagement der Gruppe.


Benutzte und weiterführende Literatur

Peege: Grosse Ehre für ein Ideenlabor, in: Der Landbote, 14.10.2010.
Heisch, Michael: Innen- und Aussenansichten von Kunst, in: Der Landbote, 29.11.2006.
Wolfensberger, Iris: Der Kunstkasten als Kunstguckkasten, in: Der Landbote, 10.12.2005.
Wolfensberger, Iris: Einfach, aber beseelt und inspirierend, in: Der Landbote, 13.10.2005.
duk: Zollfreier Raum, in: züritipp, 20.07.2001.
dob: Kunstkasten, unterkühlt - Pietro Mattioli, in: Neue Zürcher Zeitung, 03.05.2001.
Walter, Niels: Frau SChnack und die Sülze, in: Tages-Anzeiger, 17.12.1999.

Bibliografie

    Kunstkasten Sulzerareal

    • Einträge ab 2011

      Auf einen Ingwertee mit dem Kuratorinnen-Duo baronenbreu. In: Coucou, Nr. 116 (2023). S. 37. m.Abb.
      Speiser, Regina: 25 Jahre Kunstkasten. In: Winterthurer Jahrbuch 2024. S. 164. m.Abb.

      Einträge 1991–2010

      Landbote 2000/37.
      Ausstellungen siehe auch einzelne Künstler.
      Klangwelten, von Véronique Zissau.
      Urs Frei: Landbote 2000/254.
      Rahel Hegnauer, Baustellen-Voyeurismus: Landbote 2002/148.
      Tina Z'Rotz und Muriel Utinger: Landbote 2003/97.
      Winterthurer Jahrbuch 2003 von Adrian Mebold, m.Abb. --Neu aufgestellt: Landbote 2004/151 1Abb.
      Markus Müller: Landbote 2006/143 1Abb.
      Kuratorinnen: Landbote 2006/278 1Abb.
      Nicole Hoesli: Landbote 2008/43 1Abb.
      Thomas Vinson: Landbote 2008/153 von Iris Wolfensberger, 1Abb.
      Hyun-Bi Gerhard-Choi: Landbote 2008/214 Wishes, 1Abb.
      Barbara Stirnimann: Landbote 2008/250 1Abb.
      Katja Kunz "Löwenzahm": Landbote 2009/108 von Iris Wolfensberger , 1Abb.


Autor/In:
Nadia Pettannice
Letzte
Bearbeitung:
10.10.2026
Nutzungshinweise
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