Kunst und Kultur

Olga Titus

Video- und Installationskünstlerin, *1977

Olga Titus (*1977) ist eine in Winterthur lebende Künstlerin, die mit Videoarbeiten, Installationen, Collagen und digitalen Bildwelten arbeitet. Ausgangspunkt ihres Schaffens ist die Auseinandersetzung mit hybrider kultureller Identität, Herkunft und der Entstehung von Bildern und Welten im globalen Zeitalter. Für ihre multimedialen Arbeiten wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem 2019 mit dem Kunstpreis des Kunst Museum Winterthur.


Geburtsort
Glarus

Geboren
03.05.1977


Ausbildung und Werdegang

Olga Titus wurde am 7. April 1977 in Glarus geboren und wuchs in Sulgen (TG) auf. 1994 besuchte sie den Vorkurs an der Schule für Gestaltung St. Gallen. Anschliessend absolvierte sie bei der UNION AG St. Gallen eine dreijährige Ausbildung zur Stickerei-Entwerferin und Textildesignerin. Im Jahr 2000 nahm sie Kurse an der F + F Schule für Kunst und Mediendesign in Zürich. Von 2002 bis 2006 studierte sie Bildende Kunst an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Luzern. 2005 absolvierte sie ein Auslandssemester am College of Fine Arts Trivandrum (Indien). Seit 2007 lebt und arbeitet sie in Winterthur.

Frühes Werk und thematische Grundlagen

Zu Beginn ihrer künstlerischen Laufbahn setzte sich Titus intensiv mit ihrer eigenen Biografie und ihrer hybriden kulturellen Identität auseinander. Ihre 2006 eingereichte Diplomarbeit trägt den Titel «Third Space: Sehnsucht nach kultureller Identität als Produktivkraft für künstlerisches Schaffen». Darin beschreibt sie das künstlerische Arbeiten als einen Zustand seltener Intensität, in dem das «Machen» eine beinahe ekstatische Qualität erreicht.

In ihren frühen Werken thematisiert sie spielerisch und lustvoll das Leben zwischen unterschiedlichen Kulturen. 2005 entstand die Videoarbeit Bollywood und Trachtentanz, in der sich Bilder und Klänge von Bollywood-Schauspielern mit einem tanzenden Trachtenpaar überlagern. Ebenfalls in dieser Phase entstand die Arbeit Chuchichäschtli, ein mit Gegenständen aus aller Welt gefüllter Küchenschrank. Kitsch und Trash werden dabei bewusst eingesetzt und als ästhetische und inhaltliche Ressource genutzt.

Multimediale Arbeiten und digitale Bildwelten

Olga Titus arbeitet medienübergreifend mit Collagen, Objekten, Videoarbeiten und multimedialen Installationen. Zentrale Themen sind Selbstdarstellung, Herkunft und Identität. Sie kombiniert volkskulturelle Traditionen mit Bollywood-Ästhetik, Pop-Kultur, Computerspielwelten sowie Bildmaterial aus dem World Wide Web und den sozialen Medien. Ergänzend sammelt sie Vintage-Objekte, die in ihre Arbeiten einfliessen.

Zwischen 2014 und 2020 entstanden die Videoarbeiten Hybrids, Crystallization, Fountain of Existence und Das letzte Eine. Für Fountain of Existence erhielt sie 2019 den Kunstpreis des Kunst Museum Winterthur. Ihre digitalen Werke kreisen um zwei zentrale Themenfelder: die Entstehung von Formen, Bildern und ganzen Kosmen sowie die Genese von Identität im globalisierten Kontext. Trotz ihrer spielerischen Ästhetik verhandeln die Arbeiten grundlegende existentielle und philosophische Fragen.

In der Videoarbeit Crystallization (2017) fliessen kaleidoskopisch zusammengesetzte Landschaftsfragmente ineinander und erzeugen eine traumartige Bildwelt.

Paillettenbilder und immersive Räume

2018 zeigte Titus in der Ausstellung Faux Uni in der Kunsthalle Luzern erstmals Paillettenbilder. Diese Werke basieren auf digitalen Kompositionen, die in analoge Bildträger übersetzt werden. Die Pailletten werden doppelseitig bedruckt und auf Vlieseline fixiert, wodurch schillernde, changierende Bildflächen entstehen, die sich durch Berührung stetig verändern.

In ihrer Einzelausstellung Das ausgebrochene Pixel (2024) im Kunstmuseum Thurgau schuf Titus mit grossformatigen Paillettentapisserien und gezielter Lichtführung einen immersiven Erlebnisraum.

Auszeichnungen und Einbindung in die Kunstszene

Olga Titus erhielt zahlreiche Atelierstipendien, unter anderem Schloss Salem (2011), New York (2013), Varanasi (2014), Cité Internationale des Arts Paris (2016) und Buenos Aires (2016). Zudem wurde sie mit Förderpreisen und Werkbeiträgen ausgezeichnet, darunter der Adolf Dietrich-Preis der Thurgauischen Kunstgesellschaft (2009), der Kunstpreis des Kunstvereins Winterthur (2017) sowie weitere kantonale und städtische Förderungen.

Seit 2011 ist Olga Titus Mitglied der Künstlergruppe Winterthur.


Benutzte und weiterführende Literatur

Preisser, Martin: «Manchmal fühle ich mich wie eine digitale Elster», in: St. Galler Tagblatt, 22.09.2020.
Knopf, Simon: Reportage: Die Magie bleibt im Atelier, in: kulturtipp 03.12.2019.
Elsner-Heller, Brigitte: Aus der Mitte entspringt Kunst, in: Der Rheintaler, 03.06.2019.
Preisser, Martin: Süssigkeiten fürs Auge, in: St. Galler Tagblatt, 05.04.2017.
Rether, Anina: Die Überladerin, Tages-Anzeiger, 02.03.2017.
Plana, Isabel: Multikulturelle Kunst, in: Glattaler, 14.11.2014.
Peege, Christina: «Ich kann über meine Arbeit lachen», in: Der Landbote, 28.08.2013.
Preisser, Martin: Vom Spass, Künstlerin zu sein, in: Thurgauer Zeitung, 10.06.2013.
Genova, Christina: Olga allein im Kunstdschungel, in: Ostschweiz am Sonntag, 09.06.2013.
Kaufmann, Dorothee: Suche nach Identität, in: Thurgauer Zeitung, 07.06.2010.
Kaufmann, Dorothee: Das Eigene und das Fremde, in: St. Galler Tagblatt, 08.09.2009.
Langhart, Dieter: Das Unbekannte erforschen, in: Thurgauer Zeitung, 19.08.2009.
o.A.: Dietrich-PReis an Olga Titus, in: St. Galler Tagblatt, 27.02.2009.
Graf, Michael: Stadt verleiht Kultur- und Förderpreis, in: Der Landbote, 03.12.2008.

Bibliografie

    Titus, Olga, 1977-, Video-Künstlerin

    • Einträge ab 2011

      Rosenwasser, Anna: Bloss beinahe Kitsch. In: Coucou, Nr. 12 (2013). S. 24-25. m. Abb.
      Bernardi, Giulia: Das Fremde und das Eigene. In: Coucou, Nr. 51 (2017). S. 42-43. m.Abb.
      Biberstein, Sandra: Im Dialog mit dem Hybriden. In: Coucou, Nr. 85 (2020). S. 15-19. m. Abb.
      Jurt, Damian; Kunz, Stephan: Olga Titus. Edizioni Perieferia, Luzern/Poschiavo, 2022. 78 S., ill.

      Einträge 1991–2010

      Me olga = birdy: Winterthurer Jahrbuch 2008 von Lucia Angela Cavegn, m.Abb.
      Förderpreis: Landbote 2008/283 1Abb.


Autor/In:
Lucia Angela Cavegn
Letzte
Bearbeitung:
05.09.2026
Nutzungshinweise
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