Siedlungen

Siedlung Heiligberg I

Heiligbergstrasse, 16, 18, 20, 22, 24, 26

Das sechsteilige Reiheneinfamilienhaus am Heiligberg ist ein Werk der Winterthurer Architekten Jung & Bridler. Die für den Mittelstand konzipierten Häuser erinnern an herrschaftliche englische Reihenhäuser. Sie bilden zusammen mit der Siedlung Heiligberg II und III ein im Kanton Zürich einmaliges Wohnhausensemble. Die Baugruppe zeigt den raschen Stil- und Formwandel um die Jahrhundertwende.


Baujahr
1893-1894


Heiligbergstrasse 16-26, 1903.
Foto: winbib (Signatur 051918)

Villenähnliche Reihenhäuser im Kanton Zürich

Villenähnliche Reihenhäuser wie die an der Heiligbergstrasse 16-26 sind im Kanton Zürich nur wenige vorhanden. In Winterthur entstanden von 1875 bis 1876 an der Trollstrasse 26-30 drei zusammengebaute Kleinvillen, die später zu einer fünfteiligen Reihe ergänzt wurden. Jahre später planten die Architekten Jung & Bridler im Auftrag des Bauunternehmers Heinrich Blatter-Hoffmann die sechsteilige, zweigeschossige englisch anmutende Einfamilienhauszeile an der Heiligbergstrasse 16-26. Der späthistoristische Sichtbacksteinbau, der an erhöhter Lage für den gehobenen Mittelstand errichtet wurde, entstand zwischen 1893 und 1894. Den von Jung & Bridler gebauten Häusern an der Heiligbergstrasse folgte 1901 eine weitere villenähnliche Reihe aus Backsteinen an der Brunngasse 1, 3 und 5. Diese liess Heinrich Blatter-Hoffmann vom Architekten Walter Hoffmann bauen. 1905 bauten Jung & Bridler an der Heiligbergstrasse 30-38 fünf aneinandergebaute villenähnliche Einfamilienhäuser im zu dieser Zeit aufkommenden Reformstil, die Siedlung Heiligberg II. Die Siedlung Heiligberg III baute Bridler & Völki 1911. Es handelt sich hierbei um vier zusammengebaute villenähnliche Einfamilienhäuser an der Frohbergstrasse 1-7.

Die sechsteilige Einfamilienhauszeile

Für den Bau der ansprechend gestalteten Reiheneinfamilienhäuser an der Heiligbergstrasse 16-26 verwendeten die Architekten Jung & Bridler Backsteine in den Farben Orange und Rot, welche sie mit Schiefer, Holz und Schmiedeeisen kombinierten. Backsteinornamentik, Gesimse, plastische Friesen, Giebel und Lukarnen gliedern die Fassade und unterteilen die einzelnen Häuser. Die Grundrisse der Häuser planten die Architekten konsequent spiegelbildlich. Jedes Haus verfügt im Erdgeschoss über ein nach Norden gerichtetes Wohn- und Esszimmer mit einer Terrasse im Aussenbereich, von welcher seitlich eine Treppe in den Garten führt. Auf der Südseite befinden sich der Salon und die Küche. Im Ober- und im Dachgeschoss waren vier Schlafzimmer, ein Bad und ein Raum für das Personal vorhanden. Zwei Kellerräume, eine Waschküche und einige Nebenräume ergänzten das Raumangebot. Den ausgebauten Dachstock belegt ein gemeinsames Walmdach, das Jung & Bridler mit Lukarnen und Giebel ausstatteten. Die Gärten planten die Architekten auf beiden Seiten der Häuser. In Richtung Süden legten sie einen kleinen Vorgarten an, den sie mit einem geschmückten Eisenzaun einfassten. Talseitig planten sie schmale Hausgärten, die in die Tiefe des Grundstücks reichen und steil gegen Norden abfallen.

Ein im Kanton Zürich einmaliges Ensemble

Die Reihenhaussiedlung im Inventar der Denkmalschutzobjekte von überkommunaler Bedeutung ist Teil eines einzigartigen Ensembles von Wohnhäusern im Kanton Zürich. Die Siedlungen Heiligberg I, II und III prägen das Ortsbild und sind frühe Beispiele für die Hangbebauung des gehobenen Mittelstands. Eine so grosse Baugruppe wie am Heiligberg, die den schnellen Stil- und Formwandel um die Jahrhundertwende deutlich zeigt, gibt es in der Stadt Zürich nicht. Der Kanton stellte darum nicht nur die Erhaltung der Gesamtanlage in den Fokus, sondern auch den Erhalt der Umgebung, wie beispielsweise der Vorgärten.


Benutzte und weiterführende Literatur

Huber, Werner: Architekturführer Winterthur. Gebäude, Freiraum, Infrastruktur. Hochparterre, 2024

Kanton Zürich, Baudirektion, kantonale Denkmalpflege: Siedlung Heiligberg I. Inventar der Denkmalschutzobjekte von überkommunaler Bedeutung, 2016.  Winterthur-Inventar_1537_1-festgesetzt_2018.pdf

Stadt Winterthur, Denkmalpflege: Schutzwürdige Bauten der Stadt Winterthur. Ergänzung um Wohnsiedlungen, Grün- und Freiräume. Winterthur, 2017
Flury-Rova, Moritz: Backsteinvillen und Arbeiterhäuser. Der Winterthurer Architekt Ernst Jung (1841-1912). In: Neujahrsblatt der Stadtbibliothek Winterthur, Band 339, Zürich, 2008
Bärtschi, Hans-Peter: Die Siedlungsstadt Winterthur. Schweizerische Kunstführer, Serie 45, Nr. 447/448. Bern, 1989

Autor/In:
Karin Briner
Letzte
Bearbeitung:
26.05.2026
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