Hotels und Gastronomie

Campingplatz Schützenweiher

In Winterthur campierten die Menschen anfangs der 1950er Jahre vor allem beim Schützenhaus, auf dem Reitplatz und an der Äusseren Zürcherstrasse. Um das Wildcampieren einzudämmen beschloss der Stadtrat 1955 neben dem Schützenweiher einen Zeltplatz zu bauen. In den 1960er und 1970er Jahren übernachteten Gäste aus ganz Europa am Rosenberg. 2010 gab es Pläne den Campingplatz zu sanieren.


Baujahr
1955


Neu gebautes Zeltplatzgebäude am Schützenweiher bei der Eröffnung, 1956.
Foto: winbib, Otto Engler (Signatur 101924)

Bau des Campingplatzes 1955

Mit der zunehmenden Motorisierung wurde das Zelten immer beliebter. Als der Camping Schützenweiher 1955 gebaut wurde, gab es in der Schweiz bereits über 400 offizielle Zeltplätze. In Winterthur campierten die Menschen in den frühen 1950er Jahren vor allem beim Schützenhaus, auf dem Reitplatz und an der Äusseren Zürcherstrasse. Die fehlenden sanitären Einrichtungen führten jedoch zu Problemen. Um das Wildcampieren einzudämmen, reichte die Sozialdemokratische Partei (SP) 1954 eine Motion ein, die die Schaffung eines offiziellen Campingplatzes forderte. Der Stadtrat  plante daraufhin 1955 am Schützenweiher auf einem 40 Aren grossen Stück Land, das der Stadtgemeinde gehörte, einen Campingplatz mit dazugehöriger Infrastruktur zu erstellen. Dafür ersuchte der Stadtrat den Gemeinderat um einen Kredit von 13'500 Franken für erste provisorische Arbeiten, wie die Installation von Wasserleitungen.

Am 1. Mai wurde der neue Platz eröffnet und in der laufenden Saison von 1'700 Personen besucht. Kurz darauf stimmte der Grosse Gemeinderat dem stadträtlichen Kreditbegehren von 56'000 Franken für die Errichtung eines Gebäudes mit sanitären Einrichtungen zu. Im Februar 1956 konnte die Stadt den Zweckbau mit Aborten, Waschanlage, Duschen und einem Aufenthaltsraum erstellen. Der Zelt-Club übernahm im Anschluss die Verwaltung und den Betrieb des Platzes. Das Gesundheitsamt setzte die Höhe der Gebühren und die an die Stadt zu entrichtenden Abgaben fest. 

Touristen aus aller Welt verbringen ihre Ferien am Schützenweiher

Winterthur war verkehrstechnisch gut gelegen und wurde von vielen Reisenden in der Feriensaison als Durchgangsstation geschätzt. In den 1960er, 1970er und 1980er Jahren nutzten viele von ihnen den Zeltplatz, der gemäss verschiedenen Zeitungsberichten vorbildlich eingerichtet und durch seine malerische Lage am Schützenweiher bestach, für einen kurzen Halt. 1962 zählte die Stadt 5'800 Zeltfreunde auf dem Campingplatz. 1969 übernachteten 7'865 Personen auf dem Platz. Damals kostete eine Übernachtung für Erwachsene etwa zwei Franken und für Kinder bis 16 Jahre einen Franken. Für das Abstellen von Autos und Motorrädern bezahlten die Camper 50 Rappen. 

1973 stimmte der Stadtrat dem Begehren des Zelt-Klubs zu, pro Tag und Einheit eine Gebühr von einem Franken zu erheben, um die Kosten und den Betrieb der Anlage zu decken. Trotz der Erhöhung der Gebühren gehörte der Campingplatz Schützenweiher zu den günstigen Zeltplätzen in der Schweiz. 1972 zählte er 6'960 Übernachtungen. Die meisten Camper stammten aus Frankreich, andere aus den Niederlanden und Deutschland. 771 Personen kamen aus Übersee, 750 aus Grossbritannien und 512 aus den skandinavischen Ländern, einige auch aus der Schweiz. 64 Zeltler reisten zu Fuss an, 30 mit dem Velo, am häufigsten jedoch mit dem Auto – es waren 1'509. 363 Personen kamen mit dem Wohnwagen und eine kleine Anzahl mit dem Motorrad. Die Gäste blieben im Schnitt zwischen 1, 2 und 5 Tagen. Es gab aber auch Gäste, die ihre ganzen Ferien am Schützenweiher verbrachten. Die Kosten für den Betrieb und Unterhalt betrugen etwa 14 000 Franken. 1977 übernahm Helga Ruf den Posten der Platzwartin. Ihr Büro befand sich im Campingplatzgebäude und war von 9 bis 21 Uhr besetzt. Insgesamt standen den Gästen damals 50 Plätze zur Verfügung. 

Pächterwechsel anfangs der 2000er Jahre

Im Jahr 2006 ging Helga Ruf in Pension und 2008 übernahm Caroline Euschen den Campingplatz am Schützenweiher. In der Sommersaison 2008 verzeichnete der Campingplatz 2'028 Gäste. Am häufigsten besuchten deutsche Camper die Einrichtung mit über 800 Ankünften. Dahinter folgten Schweizer Gäste mit fast 600 Ankünften und Österreicher mit über 150. Auch Besucher aus Frankreich  und den Niederlanden machten Halt am Schützenweiher. Am Ende der Rangliste standen die USA mit 4 Gästen, Korea mit 3 und Island und Norwegen mit je 2 Personen. Erstaunlich: Sogar 25 Personen aus Australien und Ozeanien übernachteten jeweils eine Nacht am Schützenweiher. Die Zahl der Übernachtungen belief sich insgesamt auf über 21'000. 

Wohnwagen statt Wohnung

2015 drehte Ursula Brunner einen Dokumentarfilm für SRF über den Campingplatz. Sie portraitierte darin einige Bewohner:innen des Campingplatzes. Der Campingplatz Schützenweiher war 2015 einer der wenigen Zeltplätze, die das ganze Jahr über geöffnet waren, das heisst 365 Tage im Jahr. Rund 60 Personen wohnten in den 2010er Jahren im Winter jeweils ganzjährig am Schützenweiher. 2025 lebten 40 Personen mit Erstwohnsitz auf dem Platz. 

Aufwertung Naherholungsgebiet Rosenberg und Sanierung des Campingplatzes

Nachdem 2009 verschiedene Verbesserungsarbeiten am Campingplatz durchgeführt worden waren, diskutierte die Stadt 2010 über einen Neubau des seit seiner Eröffnung praktisch unveränderten Campingplatzes. Insbesondere die schlechte Isolation des Infrastrukturgebäudes führte zu Diskussionen. Aus finanziellen und zonenrechtlichen Gründen konnte das Sanierungsprojekt jedoch nicht umgesetzt werden. 2021 nahm die Stadt Winterthur die Diskussion im Rahmen der Aufwertung des Naherholungsgebiets Rosenberg wieder auf. Neben der Sanierung des Schützenweihers, der Offenlegung und Renaturierung der Zu- und Abflüsse des Schützenweihers, gehört auch die Modernisierung des Campingplatzes zum Projekt. Als Eigentümerin des Campingplatzes plante die Stadt 2021 eine umfassende Erneuerung und Vergrösserung des für sie attraktiv gelegenen Platzes. Da der Campingplatz  nicht mehr verpachtet, sondern vermietet werden sollte, schrieb sie ihn 2023 aus und fand 2024 mit dem Touring Club Schweiz (TCS) einen geeigneten Mieter. 2025 übernachteten auf dem Campingplatz Schützenweiher über 20'000 Personen. 


Benutzte und weiterführende Literatur

Campingpläne vors Volk. Das Referendum ist zustande gekommen. In: Winterthurer Zeitung, 4.12.2025
Saloma, Annette: Bevölkerung über den Campingplatz Schützenweiher. In: Tagesanzeiger, 19.8.2025
Gmür, Martin: Camping und Umgebung sanft aufmöbeln. In: Der Landbote, 15.12.2012
Graf, Oliver: Sommerliches Treiben am Weiher. In: Der Landbote, 15.8.2011
Dworschak, Helmut: «Es kommt auf die gesunde Mischung an.» In: Der Landbote, 25.5.2010
«Campingplatz ist nicht goldstadtwürdig». In: Der Landbote, 13.2.2009
Schwarz, Kathrin: «In Winterthur ist alles so sauber und grün.» In: Der Landbote, 25.7.2008
Kirchheim, Eva: Ein offenes Ohr für alle Sorgen und Nöte. In: Der Landbote, 12.12.2007
Walter. Niels: Im Wintermantel in die Dusche. In: Tages-Anzeiger, 5.1.2002
Schudel, Christa: Leben unter fünf oder mehr Sterne. In: Beobachter, 10.12.1999
Touristen in Winterthur. In: Neue Zürcher Zeitung, 10.8.1984
Camping Schützenweiher Winterthur seit dem Jahre 1955. In: Neue Zürcher Nachriten, 5.8.1981
Campierer aus aller Welt am Schützenweiher. In: Neue Zürcher Nachrichten, 25. Juli 1978
Neue Taxen auf dem Zeltplatz. In: Neue Zürcher Nachrichten, 12.1.1973
Winterthur ist ein beliebter Tagungsort. In: Die Tat, 14.5.1962
Winterthur im Zeichen des Fremdenverkehrs. In: Die Tat, 19.8.1961
Ein Zeltplatz in Winterthur. In Neue Zürcher Zeitung, 10. Februar 1956
«Camping» in Winterthur. In: Thurgauer Zeitung, 16. April 1955

Bibliografie

    Zeltplatz Rosenberg, Campingplatz am Schützenweiher

    • Einträge ab 2011

      Steiger, Kurt: Camping am Schützenweiher. Kürbissuppe bei Glitzerlicht. In: Gallispitz, Nr. 4 (2014). S. 28-31. m. Abb.
      Brunner, Ursula: Heimat Campingplatz. Huogofilm, 2014. 1 DVD.
      Briner, Karin; Geiser, Regula: Ein Zeltplatz für Zeltsportler. In: Coucou, Nr. 31 (2015). S. 25. m. Abb.
      Dubach, Seline: Daheim auf dem Campingplatz. In: Coucou, Nr. 50 (2017). S. 36-37. m.Abb.
      Riesen, Gaël: "Zum Leben braucht es nicht viel. In: 84XO - Die neue Wochenzeitung, Nr. 2 (2022). S. 3. m.Abb.
      Tobler, Lukas: "Hier kann man noch leben." In: WOZ, Nr. 15 (2024). S. 4. m. Abb.
      Portmann, Sandro: "Das macht schon Angst." In: Winterthurer Zeitung, Nr. 13 (2025). S. 4. m.Abb.
      Portmann, Sandro: Gegen Camping-Ausbau formiert sich Widerstand. In: Winterthurer Zeitung, Nr. 15 (2025). S. 6. m.Abb.
      300 Gäste feierten mit dem Camping am Schützenweiher. In: Winterthurer Zeitung, Nr. 22 (2025). S. 6. m.Abb.
      Steiger, Kurt: Sanierungspläne mit Konfliktpotenzial. In: Gallispitz, Nr. 2 (2025). S. 18-19. m.Abb.
      Portmann, Sandro: Volk entscheidet über Camping-Ausbau. In: Wînterthurer Zeitung, Nr. 27 (2025). S. 3. m.Abb.
      Portmann, Sandro: Nun entscheidet das Volk. In: Winterthurer Zeitung, Nr. 35 (2025). S. 7. m.Abb.
      Portmann, Sandro: "Man muss auch einmal etwas für unsere Leute machen." In: Winterthurer Zeitung, Nr. 22 (2026). S. 11. m.Abb.
      Portmann, Sandro: Ein Nein mit vielen offenen Fragen. In: Winterthurer Zeitung, Nr. 25 (2026). S. 11. m. Abb.

      Einträge 1991–2010

      Leiterin: Landbote 1998/244 1Abb.
      Verschiedene Gäste: Landbote 2003/164.
      Hauptgebäude. Neubau: Landbote 2009/36 1Abb.


Autor/In:
Karin Briner
Letzte
Bearbeitung:
27.08.2026
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