Schulbauten und Kindergärten

Kindergarten und Kinderhort Tössfeld

Agnesstrasse 18

Der zweite Kindergarten der Stadt Winterthur eröffnete die Hülfsgesellschaft Winterthur im Jahr 1884 im Tössfeld. Mit dem Bau beauftragt war der Architekt Ernst Jung. Er erweiterte das eingeschossige Gebäude zusammen mit seinem Geschäftspartner Otto Bridler im Jahr 1889 um ein zweigeschossiges Haus mit Walmdach und im Jahr 1899 um eine Spielhalle. Im Jahr 2014 sanierte Peter Lattmann das denkmalgeschützte Backsteingebäude.


Baujahr
1884


Zweigeschossiger Anbau mit Walmdach des Kindergartens Tössfeld an der Agnesstrasse 18, 1912.
Foto: winbib, (Signatur 064560)

Der zweite Kindergarten in Winterthur

1874 plante der Winterthurer Architekt Ernst Jung für die Hülfsgesellschaft Winterthur den ersten Kindergarten der Stadt Winterthur. 1877 konnte er eingeweiht werden. 180 Kinder besuchten den Kindergarten Inneres Lind, der mit drei Räumen, einem Spielsaal, einem Schlafraum und einem grossen Garten ausgestattet und nach den Prinzipien von Friedrich Fröbel gebaut war. Das Bedürfnis nach Kindergärten war auch in den anderen Quartieren vorhanden. Besonders gross war es im Neuwiesenquartier, im Tössfeld und in Töss, wo die Industriearbeiterschaft schnell wuchs.

1884 schenkte die Firma Rieter der Hülfsgesellschaft an der Agnes-/Briggerstrasse im Tössfeld ein Grundstück für die Realisation eines weiteern Kindergartens. Das Startkapital für den Bau von 12'000 Franken ergab sich aus der Liquidation des Kreditvereins. In einem ersten Schritt erstellte Architekt Ernst Jung für die Hülfsgesellschaft im Tössfeld einen eingeschossigen Bau. Der neue Kindergarten war im Stil der umliegenden Arbeiterhäuser aus gelblichen Backsteinen gebaut und mit roten Backsteinen verziert.

Vergrösserung und Einzug der ersten Kinderkrippe

Weil die Anzahl Kinder stetig stieg, musste der Kindergarten bereits einige Jahre später erweitert werden. 1889 bauten Jung und sein Geschäftspartner Otto Bridler nordseitig an den eingeschossigen Kindergarten ein zweigeschossiges Haus mit Walmdach. Dort zog 1895 auch die Kinderkrippe ein, die in Zusammenarbeit mit dem Frauenbund entstand. 1899 ergänzten Jung und Bridler den Bau um eine gedeckte Spielhalle in der Nordwestecke des Areals.

Die Stadt übernimmt den Kindergarten Tössfeld

Nach der Eingemeindung im Jahr 1922 schlug die Hülfsgesellschaft der Stadt Winterthur im Jahr 1925 vor, ihre drei Kindergärten unentgeltlich zu übernehmen: den im Inneren Lind, den im Tössfeld und den im Äusseren Lind. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Hülfsgesellschaft bereits rund eine Viertelmillion Franken für ihre Kindergärten aufgewendet. Die Stadt stimmte zu, und am 1. Januar 1926 gingen die bis dahin privat geführten Kindergärten an die Stadt Winterthur über.

Renovation 2014 und kommunales Inventarobjekt

Der Kindergarten ist ein wichtiger baugeschichtlicher Zeuge der einstigen Arbeiterschaft im Tössfeld. Im Jahr 2014 renovierte der Architekt Ruedi Lattmann den denkmalgeschützten Kindergarten sorgfältig. 


Benutzte und weiterführende Literatur

Huber, Werner: Architekturführer Winterthur. Gebäude, Freiraum, Infrastruktur. Hochparterre, 2024
Amt für Städtebau Winterthur: Kindergarten Tössfeld. Sanierung 2014. Baudokumentation. Winterthur, 2014
Buomberger, Thomas: Helfen als Verpflichtung. Die Hülfsgesellschaft Winterthur 1812–2012. Neujahrsblatt der Stadtbibliothek Winterthur, Zürich 2011
Flury-Rova, Moritz. Backsteinvillen und Arbeiterhäuser, Der Winterthurer Architekt Ernst Jung (1841-1912). In: Neujahrsblatt der Stadtbibliothek Winterthur, Band 339, Zürich 2008
Denkmalpflege der Stadt Winterthur (Hrsg.): Schutzwürdige Bauten der Stadt Winterthur. Nachschlagewerk für Eigentümerinnen und Eigentümer, Planende und Kulturinteressierte. Winterthur, 2006

Bibliografie


Autor/In:
Karin Briner
Letzte
Bearbeitung:
19.05.2026
Nutzungshinweise
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