Film und Literatur

Kino Cameo

Lagerplatz 19

Auf dem Sulzer-Areal Lagerplatz in Winterthur ist ein neues Kino entstanden. Am 24. Oktober 2015 war Eröffnung. Das Kino mit 84 Plätzen und einer Bar wurde als eigenständiger Baukörper unter ein altes Schutzdach der Firma Sulzer gebaut.


Gründungsdatum
2015


Adresse
Kino Cameo
Lagerplatz 19
8400 Winterthur

Das Kino Caemo unter dem alten Industriedach der Sulzer, 2020.
Foto: winbib, Andreas Mader (Signatur FotDig_Mader_ 0188)

Aus dem Filmfoyer wird das Kino Cameo

1971 entstand der Verein Filmfoyer Winterthur mit dem Ziel, die Filmkultur in der Stadt Winterthur zu fördern. Der Verein verfügte damals über keine eigene Spielstätte sondern gastierte regelmässig in den unterschiedlichen Winterthurer Kinos. Der Verein zeigte jeweils am Dienstagabend Filmklassiker, Reprisen und Arthouse-Filme. Zu den damaligen Spielstätten gehörten unter anderem das Jugendhaus, das Kino Talgarten und das Kino Loge.

Schon früh kam der Wunsch nach einem eigenen Kino auf. Denn meistens konnten die Aufwendig beschafften Filme nur einmal gezeigt werden. Ausserdem fehlte es an einem festen Treffpunkt für das Publikum. 2010 fasste sich der Verein unter der Leitung seines langjährigen Präsidenten Rolf Heusser ein Herz und nahm die Planung eines eigenen Programmkinos in Angriff. Als Standort bot sich der Lagerplatz auf dem ehemaligen Sulzer-Areal an. Das Gebiet entwickelte sich nach dem Rückzug der Grossindustrie zu einem gemischt genutzten Quartier mit Gewerbe-, Bildungs- und Kulturbetrieben. Die Stiftung Abendrot, der das Areal gehört, unterstützte das Vorhaben und schloss mit dem Verein einen langfristigen Mietvertrag ab.

Als die Spielstätte gefunden war, wechselte der Verein seinen Namen in Kino Cameo. Der Name selbst stammt aus der Filmsprache und bezeichnet einen Auftritt einer bekannten Persönlichkeit im Film, ohne dass sie eine spezifische Rolle übernimmt.

Eine «Kinokiste» unter dem Industriedach

Für das neue Kino stand ein ehemaliger Unterstand der Sulzer-Halle 192 auf dem Lagerplatz zur Verfügung. Peter Wehrli, Mikko Lange und Corinne Hürlimann vom Architektenkollektiv Winterthur entwarfen einen kompakten Baukörper, der unter das Industriedach eingebaut wurde. Die Grösse des Gebäudes ist demnach durch die Abmessungen des Daches vorgegeben. Der vorfabrizierte Holzrohbau konnte innert weniger Tage installiert werden. Mit seiner dunklen, kubischen Gebäudehülle hebt sich das Kino Cameo klar von der umliegenden Industriearchitektur ab, ohne diese jedoch zu verdecken.

Das Kino ist rund 200 Quadratmeter gross und verfügt über ein Foyer mit einer kleinen Bar sowie dem beinahe quadratischen Kinosaal mit 84 Plätzen und den obligaten Projektions- und Nebenräumen. Die Innenausstattung besteht teilweise aus Teilen älterer Winterthurer Kinos. So stammen die goldenen Wandleuchten bei der Bar noch aus dem Kino Talgarten, während die Deckenleuchten aus der Halle 192 übernommen wurden. Ein besonderes Augenmerk legte das Projektteam auf die Qualität des Kinosaals. Die Sitzreihen sind so angelegt, dass sie stets eine freie Sicht auf die Leinwand sicherstellen und gleichzeitig vergleichsweise viel Beinfreiheit gewähren. Neben dem digitalen Projektor verfügt das Cameo seit der Eröffnung über einen 35-Milimeter-Projektor, mit dem auch historische Filme gezeigt werden können. 2025 schenkte sich das Kino anlässlich ihres 10-jährigen Bestehens einen neuen Laserprojektor.

Der Kinoneubau kostete rund 1.7 Millionen Franken. Finanziert wurde es mit Hilfe von Beiträgen des kantonalen Lotterfonds, der Stadt Winterthur sowie von Stiftungen und Privaten. Die Planung und der spätere Betrieb waren und sind zudem stark von ehrenamtlichem Engagement getragen.

Eröffnung 2015

Am 24. Oktober 2015 fand die feierliche Eröffnung des Kino Cameo statt. Durch die neue Spielstätte konnte das Angebot erheblich ausgebaut werden. Neben Premieren zeigt das Cameo von Beginn an kuratierte Filmreihen und Reprisen. Die erste Filmreihe im Jahr 2015 war dem Schweizer Regisseur Christian Schocher gewidmet.

 

Programmlich versteht sich das Kino Cameo nicht als Konkurrenz zu den bestehenden Winterthurer Kinos, sondern als Ergänzung. Ein Schwerpunkt liegt auf Filmen, die sich ausserhalb des kommerziellen Mainstreams bewegen. Alle Filme werden nach Möglichkeit in der Originalsprache gezeigt und häufig kontextualisiert. So beschäftigen sich die Programmreihen beispielsweise mit einzelnen Regisseur:innen, Epochen, gesellschaftlichen Themen oder Länder. Hinzu kommen Premieren, Klassiker, Familienfilme sowie Filmgespräche und Einführungen sowie Veranstaltungen mit Live-Musik. Seit einigen Jahren beteiligt sich das Kino Cameo als Spielstätte auch an den Internationalen Kurzfilmtagen und geht auch immer wieder Kooperationen mit lokalen Kulturakteuren ein.

Über 25 Freiwillige führen den Betrieb und stellen die Programme für Erwachsene und Kinder zusammen. Finanziell unterstützt wird der Verein neben Beiträgen aus der Öffentlichen Hand zudem durch Passivmitgliedschaften und Sponsorings.


Benutzte und weiterführende Literatur

Richardet, Zoé: Was das Kino Cameo so erfolgreich macht, in: Der Landbote, 23.10.2025.
Huber, Werner: KLeines Kino ganz gross, in: HOchparterre, 01.01.2016.
mcl: Endlich sind sie da – die Untertitel, in: Der Landbote, 26.10.2015.
Schenker, Gregor: Die Kinokiste, in: züritipp, 22.10.2015.
Gmür, Martin: Das neue Kleinkino Cameo ist ein Bijou, auf das Filmfans lange gewartet haben, in: Der Landbote, 21.10.2015.
Biberstein, Sandra: «Wir sehen uns als Kinolabor», in: Der Landbote, 14.10.2015.
mgm: Das neue Kino Cameo soll glänzen – ab Hebst zehnmal wöchentlich, in: Der Landbote, 19.05.2015.

Bibliografie

    Kino Cameo

    • Einträge ab 2011

      Biberstein, Sandra: Ein neues Kino für die Filmstadt. In: Coucou, Nr. 15 (2014). S. 8-11. m. Abb.
      Huber, Werner: Kleines Kino ganz gross. In: Hochparterre 1-2 (2016). S. 53. m. Abb.
      Kirchheim, Eva. Nachruf. Rolf Heusser. In: Winterthurer Jahrbuch 2024. S. 172. m.Abb.
      Schmidt, Julius: 10 Jahre Kino Cameo - Meilenstein eines Umbruchs. In: Coucou, Nr. 140 (2025). S. 30-31. m.Abb.


Autor/In:
Nadia Pettannice
Letzte
Bearbeitung:
06.10.2026
Nutzungshinweise
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