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Rainer Alfred Auer

Kunstmaler, 1937‒2012

Rainer Alfred Auer (1937–2012) war ein Winterthurer Kunstmaler, der sich von der gegenständlichen Malerei über experimentelle Positionen der 1960er-Jahre zur konstruktiv-konkreten Kunst entwickelte. Sein Werk ist geprägt von systematischen Farbuntersuchungen, formaler Strenge und handwerklicher Präzision. Auer war eine wichtige Figur der Winterthurer Kunstszene und realisierte zahlreiche Werke im öffentlichen Raum.


Sterbeort
Winterthur

Geburtsort
Wartau (SG)

Geboren
21.07.1937

Gestorben
15.03.2012


Rainer Alfred Auer absolvierte zuerst eine Lehre als Chemielaborant und besuchte danach die Kunstgewerbeschule Zürich. Aufnahme 1973.
Foto: winbib, Arnold Renold (Signatur FotRenold_2917_13)

Ausbildung und frühe Arbeiten

Rainer Alfred Auer wurde 1937 in Wartau geboren und wuchs in Winterthur auf. Nach einer Lehre als Chemielaborant besuchte er in den Jahren1956/57 die Kunstgewerbeschule Zürich. 1961 folgte ein Studienaufenthalt in Paris. Ab 1965 arbeitete er als freier Illustrator für die Zeitschrift Elle. In seinen Anfängen fokussierte sich Auer auf die gegenständliche Kunst. So zeichnete er beispielsweise 1959 ein Stillleben mit Totenkopf.

Rückkehr zur konstruktiv-konkreten Kunst

In den 1960er-Jahren wandte sich Auer unter dem Eindruck der gesellschaftlichen Aufbruchsstimmung neuen Bildstrategien zu. Er experimentierte mit Pop Art und Objektkunst und distanzierte sich damit bewusst von seinem künstlerischen Umfeld, insbesondere von Max Bill. Später bezeichnete er diese Phase selbst als «Jugendsünde». Bereits damals zeigte sich jedoch sein zentrales Arbeitsprinzip: die konsequente und beharrliche Auseinandersetzung mit einem Thema. 

Anfang der 1970er Jahre fand Auer, inspiriert von Richard P. Lohse, zum konstruktiv-konkreten Ansatz zurück. Die Arbeit mit Prismenbrillen führte über systematische Fabuntersuchung schliesslich zu einer klaren konkreten Bildsprache. Es entstanden serielle Streifenbilder und systematische Farbtafeln von differenzierter Fabrikeit. Parallel dazu experimentierte Auer mit Siebdruck, Objektkunst, Environments und Happenings. 1976 übernahm er einen Lehrauftrag an der Kunstgewerbeschule Zürich. 

Perfektion als Anspruch

1979 erhielt Auer zusammen mit sechs weiteren Winterthurer Künstlern eine institutionelle Würdigung mit der Ausstellung 7 winterthurer konkrete im Kunstmuseum Winterthur. Mitt der 1980er-Jahre entwickelte er seine charakteristische Bildsprache weiter, indem er Diagonalen in die zuvor quadratische Bildstruktur einbezog. Diese rhythmisieren die Bildfläche und erweitern das formale System. Seine Farbpalette beschränkte Auer in der Regel auf die Farben Rot, Blau, Gelb, Grün sowie Schwarz, Weiss und Grau. Auf der Grundlage einfacher Prinzipien schuf Auer im Verlauf der Jahre ein kohärentes, aus vielen Variationen bestehendes Œuvre. Auer war für seinen handwerklichen Perfektionismus bekannt.

Kunst am Bau und Wirken in Winterthur

Ein wichtiger Teil seines Schaffens entfiel auf Kunst am Bau. Er gewann mehrere Wettbewerbe; sein letztes Werk für den öffentlichen Raum ist eine Fassadengestaltung für das Unterwerk Wülflingen (2004). Zudem realisierte er Kunstwerke für Winterthurer Schulbauten, darunter 1983 ein Hängeobjekt im Treppenhaus des Schulhauses Mühletal der Berufs- und Fortbildungsschule Winterthur. Die Installation besteht aus sechzehn transparenten Plexiglasröhre, die in unterschiedliche Höhe hängen. In ihnen sind vier gleich hohe, fabrige Zylinder in Rot, Blau, Gelb und Grün in variierender Abfolge angeordnet.

Auer war 1973 Mitbegründer der Galerie und Edition ge, die als Künstlerkollektiv gemeinsam mit Ernst Brassel, Hugo Bräm, Werner Hädrich, Werner Hurter, Werner I. Jans, Martin Schwarz und Theo Spinnler entstand. Er wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit Kunststipendien und Förderpreisen der Stadt Winterthur, des Kunstvereins Winterthur, des Kantons Zürichs und der Eidgenossenschaft. 2007 erhielt er den Preis der Carl-Heinrich-Ernst-Kunststiftung Winterthur. Ab 1986 war Auer zudem Mitglieder der Künstlergruppe Winterthur.

Von seinen künstlerischen Weggefährten wurde er manchmal auch «Alfie» genannt. Er verstarb 2012 in Winterthur. 


Benutzte und Weiterführende Literatur:

Ausstellungskatalog Wohlbehütet – Wertgeschätzt. Winterthur Kunst aus Winterthurer Privatbesitz, Museum Villa Flora Winterthur, 2017.

Autor/In:
Lucia Angela Cavegn
Letzte
Bearbeitung:
16.06.2026
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