Kunst und Kultur

Hans Affeltranger

Kunstmaler (1919–2002)

Hans Affeltranger war ein Kunstmaler aus Winterthur-Töss. Während er sich in jüngeren Jahren vor allem der Landschafts- und Portraitmalerei verschrieb, widmete er sich ab den 1950er-Jahren vermehrt der Kunst am Bau. Seine Werke sind in zahlreichen Gebäuden in Winterthur zu sehen.


Sterbeort
Winterthur

Geburtsort
Winterthur

Geboren
24.11.1919

Gestorben
23.12.2002


Hans Affeltranger in seinem Atelier 1974.
Foto: winbib, Arnold Renold (Signatur FotRenold_1423_28)

Kindheit und Jugend

Hans Affeltranger wurde am 28. November 1919 als zweites von drei Kindern in Winterthur-Töss geboren. Sein gleichnamiger Vater, Hans Affeltranger-Wegemann, führte in Töss ein Malergeschäft. Der junge Hans Affeltranger war oft in der väterlichen Werkstatt zugegen und zeigte bald musisches Talent, das von seinem Vater gefördert wurde. 1931 vollendete er mit dessen Hilfe sein erstes Werk. Auch entdeckte der Junge im Betrieb ein paar alte Skier, die er sofort in Beschlag nahm. Affeltranger war zeitlebens ein begeisterter Skifahrer und Bergsteiger, 1936 trat er dem SAC Winterthur bei. 1933 verunglückte sein Vater in der Nähe der Rossbergkapelle in Töss mit seinem Fahrrad tödlich. 

Trotz seiner künstlerischen Ambitionen absolvierte Hans Affeltranger von 1935 bis 1938 erst eine Malerlehre mit Zusatzausbildung in Schriftenmalen und Vergolden. Danach übernahm er das familieneigene Malergeschäft. Mitten in den Kriegsjahren absolvierte er die Rekrutenschule und leistete Aktivdienst als Wachtmeister bei den Gebirgstruppen. Ausserhalb des Militärdienstes besuchte er die Kunstgewerbeschule in Zürich und nahm dort Unterricht in typografischer Gestaltung, Malerei, Farbenlehre und Kunstgeschichte. Seine prägenden Lehrer waren Alfred Willimann, Ernst Gubler und Johannes Itten.

Künstler und Schriftenmaler

Im Jahr 1944 kaufte die Stadt Winterthur mit «Landschaft» das erste Werk Affeltrangers an. 1945 folgte die erste Teilnahme an einer Ausstellung. 1946 erwarb er das eidgenössische Meisterdiplom und arbeitete danach als selbstständiger Schriftenmaler. Nebenbei nahm er Zeichenunterricht bei Prof. Léon Jean Pétua am Technikum Winterthur. 1947 entschied er sich zur freien Kunstausübung und besuchte auf Empfehlung von Ernst Gubler für ein halbes Jahr die Académie André Lhote in Paris. Es war der erste Auslandaufenthalt für den jungen Künstler. Die von Lhote gelehrte Abstraktion entsprach aber den Neigungen des Tössemer Künstlers nicht und so verliess Hans Affeltranger die Akademie bald darauf wieder. 1949 lernte er Selma Hofer kennen, die er 1950 heiratete und mit der er zwei Kinder grosszog.  

Affeltranger vernetzte sich in der Kunstszene und es bildeten sich Freundschaften mit den Winterthurer Malern Ernst Egli, Eugen Eichenberger, Henri Schmid, Robert Wehrlin und Robert Lienhard. 1951 trat Hans Affeltranger der Künstlergruppe Winterthur bei. In diesem Jahr erhielt er auch seinen ersten Auftrag für Kunst am Bau, «Die vier Jahreszeiten» am Schulhaus Dinhard. Von 1960 bis 1970 wirkte er als Mitglied der Kunstkommission der Stadt Winterthur. Ab 1965 begann er auch Aufträge für die Gestaltung von Kirchenglasfenster anzunehmen. Über 25 Kirchen in der Schweiz tragen seine Fenster. Die meisten seiner Malereien befinden sich in Privatbesitz. Zu den wichtigsten Förderern seiner Arbeit gehörte die Firma Rieter. Sie kaufte nicht nur Bilder an, sondern stellte dem Künstler in den 1960er-Jahren auf ihrem Areal auch die alte Wohlfahrtsküche als Atelier zur Verfügung. 

In der Nähe und Ferne zu Hause

Nachdem er lange Zeit in seinem Elternhaus an der Rosenaustrasse 5 in Töss gewohnt hatte, kaufte Hans Affeltranger 1965 die Liegenschaft an der Weinbergstrasse 14 in Veltheim und richtete dort später auch sein Atelier ein. Während er sich gerade im Rahmen seiner Kunst am Bau intensiv mit den gegebenen Örtlichkeiten in der Nähe auseinandersetzen musste, zog es ihn gleichzeitig in die Ferne. Wenn immer möglich unternahm er ausgedehnte Reisen zum Beispiel nach Italien, Griechenland, Frankreich, Marokko, Nepal und in die USA. Auf seinen Reisen liess er sich von der lokalen Kunst inspirieren und hielt seine Eindrücke vor Ort fotografisch und malerisch fest. 

Künstlerisches Schaffen

Hans Affeltranger widmete sich in seinem freien künstlerischen Schaffen intensiv der Malerei. Dabei beschäftigte er sich überwiegend mit Landschaften, Porträts und Stillleben. Besonders bis Anfang der 1960er-Jahre entstanden zahlreiche stilisierte Landschaften und Dorfansichten aus der Umgebung von Winterthur – insbesondere aus dem Tösstal, dem Weinland und dem Oberengadin. Charakteristisch für diese frühen Werke ist ein klar gegliederter, tektonisch gefestigter Bildaufbau sowie das bewusste Weglassen von Details zugunsten einer verdichteten Gesamtwirkung.

Neben Reiseeindrücken beschäftigte ihn auch intensiv die lokale Umgebung. Die Hinwendung zum Vertrauten und Intimen stellt ein Hauptmerkmal seiner Werke dar. Eine zentrale Rolle nahm dabei die Stillleben-Malerei ein. Hier verschrieb sich Affeltranger zunehmend der Stilisierung der Naturform, die stellenweise bis an die Grenze zur Abstraktion führte. So entstanden zahlreiche Landschaften von Töss, Winterthur, dem Tösstal und auch dem Engadin, wo er sich oft aufhielt. In der Porträtmalerei setzte er sich besonders intensiv mit seinen eigenen Kindern und ihm bekannten Personen auseinander. Eigentliche Auftragsarbeiten stellte er nur wenige her. Auch bei seinen Stillleben wandte er sich ihm vertrauten Objekten und Umgebungen zu.

Hans Affeltranger arbeitete mit unterschiedlichen Techniken und Materialien, so fertigte er u. a. Wandbilder, Glasfenster, Druckgrafiken, Fotografien, Zeichnungen und Mosaike an. Daneben schuf er auch Aquarelle, Miniaturen sowie Werke unter Verwendung von Naturstein, Glas, Eisen und Gold. Seine handwerkliche Ausbildung als Maler und Schriftenmaler bildete eine wesentliche Grundlage für diese Vielfalt. Stilistisch bekannte er sich bei seinen Ölgemälden und Landschaftsbildern zur Gegenständlichkeit. Dennoch nahm er auch Einflüsse der modernen, abstrakten Malrichtungen auf, ohne sich je vollständig vom Gegenständlichen zu lösen. Diese Einflüsse wurden ab den 1970er-Jahren insbesondere bei seinen grossformatigen Wandbildern und seiner Kunst am Bau immer wichtiger.

Hans Affeltranger fand viel Anerkennung für seine Leistungen. So gewann er in den 1940er- und frühen 1950er-Jahren mehrmals den Eidgenössischen Stipendienwettbewerb. 1959 erhielt Hans Affeltranger die Anerkennungsgabe des Kantons Zürich. 1970 gewann er den Carl Heinrich Ernst-Kunstpreis und 1986 den Kulturpreis der Stadt Winterthur. Die Preisübergabe fand im Schulhaus Rosenau in Töss statt, wo Affeltranger ein grosses Mosaik realisiert hatte. 1997 verfasste der Kunsthistoriker Martin Kraft eine Monografie über das Gesamtwerk des Künstlers. 

«Kunst am Bau» in Winterthur

Kunst am Bau wurde ab den 1950er-Jahren zu einem zentralen Thema des künstlerischen Schaffens von Hans Affeltranger. Dies ist kein Zufall – befand sich Winterthur doch damals in der Hochkonjunktur und konnte daher zahlreiche öffentliche Bauten wie Schulhäuser, Kirchgemeindehäuser und Altersheime realisieren. Affeltrangers handwerkliche Ausbildung als Maler und Schriftenmaler bildete eine wichtige Voraussetzung für diese Aufträge, die häufig eine enge Verbindung von Architektur, Material und Bildsprache erforderten. Affeltranger erhielt sowohl in Winterthur und anderen Gemeinden als auch im Ausland entsprechende Aufträge.

Zu seinen frühen Kunst-am-Bau-Arbeiten zählen die beiden narrativen Wandbilder im Schulhaus Feld (Veltheim, 1953) sowie das Bodenmosaik im Schulhaus Talhof (Wülflingen, 1959). In den folgenden Jahren entwickelte Affeltranger über die Realisation von Kunst am Bau zunehmend eine eigene abstraktere Formensprache, insbesondere im Zusammenhang mit sakralen Glasfenstern. Für reformierte Kirchen in und ausserhalb von Winterthur – darunter Winterthur-Rosenberg, Scherzingen-Bottighofen, Illighausen, Matzingen, Bülach, Filisur, Zell und Seuzach – schuf er Fensterzyklen, in denen er sich schrittweise von der reinen Gegenständlichkeit löste, ohne diese gänzlich aufzugeben.

Seine abstrakte Formensprache fand nicht nur in monumentalen Wandbildern Anwendung, sondern auch in textilen Wandbehängen und Mosaiken. Ab 1974 gewannen moderne, abstrakte Gestaltungselemente bei seinen grossformatigen Wandbildern zunehmend an Bedeutung. Einen der prestigeträchtigsten Aufträge erhielt Affeltranger 1971 mit der Gestaltung eines rund 30 Meter langen und 3,5 Meter hohen Wandfrieses für die Werkkantine der Firma Sulzer im damals neu erstellten Anton-Graff-Haus an der Zürcherstrasse. Dieses Werk gilt als sein «Opus Magnum». Im Zuge der Umnutzung des Gebäudes im Jahr 2009 wurde der Wandfries in einzelne Platten zerlegt, fachgerecht restauriert und im Eingangsbereich des Gebäudes neu installiert.


Benutzte und weiterführende Literatur:

Stadtarchiv Winterthur, Städtische Anerkennungsgaben (Signatur: Ablage Urs Widmer)
Kraft, Martin: Hans Affeltranger, Zürich 1997.
Seit Jahrzehnten bereiten seine Werke Freude, in: Weinländer Tagblatt, 02.02.1987.

Bibliografie

    Affeltranger, Hans, 1919-2002, Kunstmaler

    • Einträge 1991–2010

      Ausstellungen: Bülach: Landbote 1991/266 1Abb. - Tages-Anzeiger 1991/284.
      Freihandbibliothek Frauenfeld: Landbote 1992/66. - Thurgauer Zeitung 1992/50 1Abb. [Winterthurer Dok.1992/16].
      Kunst in der Fabrik, Grossbuchbinderei Weber, Holzschnitte: Landbote 1992/196 1Abb.
      Hagenstall: Landbote 1995/66 1Abb.
      Gewerbemuseum: Landbote 1997/133 von Nico Renner, m.Abb. - Stadtblatt 1997/100 1Abb. - Weinländer Zeitung 1997/68 von Kurt Zimmermann.
      Sigristenkeller Bülach: Landbote 2000/291 1Abb.
      Kunstwerk in Hypothekarbank Wülflingen: Wülflinger Zytig 1992/1 1Abb.
      Galerie Jakobskampf und Blaues Schild: Tages-Anzeiger 2001/278.
      Porträt: Tössemer 1993/1 von Hans Raas, m.Abb.
      Gallispitz 1997/4 von Andres Betschart, m.Abb.
      Kirchenfenster für San Nazzaro (TI): Landbote 1998/241 von Martin Kraft, 1Abb.
      80: Landbote 1999/243 von Martin Kraft, m.Abb.
      Wandmalerei Hallenbad Uitikon-Waldegg: Applica 1999/13 von Suzanne Schwarz, m.Abb. [Winterthurer Dok. 1999/70].
      Landbote 2002/298 Todesanzeige, 2003/4 von G. Ernst Stiefel, m.Abb. - Kirchenbote Veltheim 2003/3 von Adrian Beyeler. - Gallispitz 2003/1 Nr. 116 von Erna Neuweiler, m.Abb. - Winterthurer Jahrbuch 2004 1Abb.


Autor/In:
Lucia Angela Cavegn
Letzte
Bearbeitung:
03.02.2026