Museen, Sammlungen und Bibliotheken

Jungkunst

Halle 53, Katharina-Sulzer-Platz

Die Jungkunst ist seit 2006 eine feste Grösse in Winterthur und gilt wichtiges Sprungbrett für Nachwuchstalente. Mit ihrer Mischung aus Ausstellung, urbaner Atmosphäre und Community-Engagement bricht sie gezielt mit elitären Traditionen.


Gründungsdatum
2006


Adresse
Jungkunst
Halle 53, Katharina-Sulzer-Platz
8400 Winterthur
2006: Tössfeldstrasse, City Halle, Austellung Jungkunst Foto: winbib, Marc Dahinden (Signatur FotDig_Lb_003-566)

Kunst soll Spass machen!

Im Mai 2006 gründeten Andrea Schmucki, Martin Landolt und Tom Stierli den Verein Jungkunst. Ihr Ziel war es, eine andere Art von Kunstausstellung zu schaffen. Sie förderten gezielt junge, aufstrebende Künstler:innen und wollten eine einladende Atmosphäre für jüngere Besuchende schaffen. Zudem sollte ein niederschwelliger Zugang zur Kunst ermöglicht werden. Statt Cüpli-Service und langen Reden setzten sie von Anfang an auf DJ-Betrieb und gemütliche Loungeecken. Mit der markanten Vorankündigung: «Kunst ist elitär, steif und nur für Klugscheisser – Nicht mehr lange», wagten sie eine Kampfansage an etablierte Galerien.

Besonders ist auch das Profil der drei Initiierenden, denn sie sind weder künstlerisch tätig noch haben sie Kunstgeschichte studiert. Das verbindende Element ist die Liebe zur Kunst und der Wunsch, sie einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln und damit auch explizit neue Zielgruppen zu erschliessen.

Originale statt Plakate!

Die erste Ausstellung fand im Oktober 2006 im Dachgeschoss der City-Halle statt. Zwanzig junge Menschen stellten dort ihre Werke aus. Die Ausstellung stand allen professionellen Künstlerinnen und Künstler bis zu einem Alter von 35 Jahren offen. Jede Person darf zudem nur einmal ausstellen. Der Schwerpunkt lag auf Malerei, Zeichnungen, Fotografie und kleineren Skulpturen. Dadurch wollten die Organisierenden sicherstellen, dass die Werke vor Ort zu erschwinglichen Preisen verkauft werden können. Die Wahl der Beiträge folgte keinen bestimmten Kriterien, sondern der Intuition der Veranstaltenden. Das Experiment glückte – rund 3500 Besuchende besuchten die kostenlose Ausstellung.

Eine Plattform für Nachwuchstalente aus der ganzen Schweiz

Im Jahr 2010 feierte die Jungkunst ihren fünfjährigen Geburtstag in der City-Halle. Erstmals zeigte die Ausstellung Werke aus der ganzen Schweiz. Für die Nutzung der rund 2000 Quadratmeter grossen Ausstellungsfläche setzte die Jungkunst von Anfang an auf die Mitwirkung von 60 bis 70 Freiwilligen.

Neue Wege ging die Jungkunst auch im Kunstmarketing, denn jede Ausstellungswand erhielt einen eigenen Sponsor. Damit machte die Ausstellung die Kostenrealität hinter der Kunstproduktion sichtbar. Die Finanzierung erfolgte anfänglich über Sponsoring sowie über die Erträge aus dem Bar- und Kunstverkauf. Die Stadt Winterthur gewährte jeweils eine Defizitgarantie.

Per Crowdfunding zur neuen Location

Im Jahr 2012 musste die Jungkunst die ehemalige City-Halle wegen Umbauarbeiten zur Bibliothek der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) verlassen. Als neue Bleibe stellte die Implenia die Halle 52 (heute Haus Adeline Favre) kostenlos zur Verfügung. Im Gegenzug verpflichtete sich der Verein Jungkunst, die Abdichtung des Hallendachs zu übernehmen, damit die Location für Veranstaltungen geeignet wird. Die Kosten für dieses Vorhaben beliefen sich auf 100'000 Franken. Dies war auch der Grund, weshalb die Jungkunst 2012 erstmals einen Eintritt für den Besuch verlangte. Rund 5'000 Franken sammelte der Verein über die Crowdfunding-Plattform «wemakeit».

Die neue Halle bot eine grössere Ausstellungsfläche, was mittlerweile nötig war, da über 10'000 Personen die Jungkunst besuchten.

«Containermuseum» zum 10-jährigen

Anlässlich des 10-jährigen Bestehens lud die Jungkunst 52 Künstler:innen ein, die bereits in Winterthur ausgestellt haben. Zum feierlichen Anlass liess der Verein mehrere Schiffscontainer aus Basel anliefern und aufstellen. Die Container waren auch eine Metapher für den Aufbruch, denn die Jungkunst musste die Halle 52 im Jahr 2015 bereits wieder verlassen, weil der Nutzungsvertrag auslief. Weit wollte sie nicht reisen – sie liebäugelte mit der benachbarten Halle 53. Die Verhandlungen mit der Stadt verliefen erfolgreich, doch die Zeit reichte nicht mehr, um den neuen Ausstellungsort 2016 pünktlich zu sanieren und zu beziehen, weshalb die Jungkunst erstmals ausfiel. 2017 kehrte sie dafür doppelt so gross wie vorher zurück, denn nun galt es, 5500 Quadratmeter zu bespielen. Trotz der deutlich grösseren Fläche entschieden sich die Organisierenden bewusst dafür, nicht mehr Werke zu zeigen. Stattdessen gab es neu zwei Bars sowie eine grössere Bühne mit eigenem Musikprogramm und Slam-Poetry. Ebenfalls zogen die fünf Schiffscontainer in die Halle ein und zeigten eine Sonderausstellung zum Thema Game Design.

Kostenloser Eintritt für Besitzende von Windhunden

Die Jungkunst fällt immer wieder mit speziellen Marketingmassnahmen und auffälligen Plakaten auf. So zierte 2018 ein Windhund das Sujet der Ausstellung. Hunde sind in der Ausstellung willkommen, und wer damals einen Windhund an der Leine führte, durfte gratis eintreten. Zudem ging die Jungkunst erstmals eine Kooperation mit dem Musikkollegium und dem Kunstmuseum Winterthur ein. Neu verfügte die Jungkunst auch über Kinderecken, um familienfreundlicher zu werden.

Die Jahre zwischen 2020 und 2021 waren von der Corona-Pandemie geprägt. Die Jungkunst konnte zwar stattfinden, jedoch in eingeschränktem Mass. Danach erholten sich die Besuchendenzahlen allmählich wieder.

Die Jungkunst zieht nach Neuhegi

2023 musste die Jungkunst erneut umziehen, und zwar in die Halle 710 in Neuhegi. Damit befindet sich die Jungkunst nun weniger zentral, dafür mitten in einem aufstrebenden Familienquartier. Die bereits starke Ausrichtung auf ein altersdurchmischtes Publikum wurde durch den neuen Standort weiter gestärkt.


Benutzte und weiterführende Literatur

Gabrieli, Jonas: Kunst in Winterthur: mit den Jüngsten unterwegs an der Jungkunst, in: Der Landbote, 27.10.2024
o.A.: Die Halle 53 streckt die Jungkunst auf XXL-Format, in: Der Landbote, 23.10.2017
Berger, Anna: Jungkunst wird doppelt so gross, in: Der Landbote, 08.03.2017
Leutenegger, Marc: Wo ist eigentlich die Jungkunst geblieben? In: Der Landbote, 25.10.2016
Leutenegger, Marc.: Jungkunst will in die Halle 54, in: Der Landbote, 27.10.2015
Dworschak, Helmut: Die Jungkunst macht Künstler, in: Der Landbote, 26.09.2015
Kappeler, Suzanne: Junge Kunst in alter Halle, in: Der Landbote, 26.10.2012
Cp.: Junkunst ist jetzt ganz dicht, in: Der Landbote, 11.09.2012
Cavegn, Lucia Angela: Junge Kunst, neue Ernte, in: Thurgauer Zeitung, 22.10.2011
Peege.: Die Jungkunst wird fünf – bleibt aber jung, in: Der Landbote, 26.10.2010
Mak.: Junge Schweizer Kunst in Winterthur, in: St. Galler Tagblatt, 22.10.2009
Wolfensberger, Iris: Kunst als Teil des Lifestyles, in: Der Landbote, 28.10.2006
Trunninger, Edith: Echte Kunst für jede Wohnung, in: Der Landbote, 05.08.2006  
o.A.: Schweizer Junkunst. Weg vom elitären Gehabe der Galerien – hier kommt junge Kunst! in: heute, 24.10.2006.

Bibliografie

    Jungkunst

    • Einträge ab 2011

      Biberstein, Sandra: Ausstellung oder Kunstmesse. In: Coucou, Nr. 10 (2013). S. 8-13. m. Abb.
      Staub, Melanie: Die Jungkunst ist zurück. In: Coucou, Nr. 58 (2017). S. 43.
      Schmid, Janik: Letzte Jungkunst in der Halle 53. In: Winterthurer Zeitung, Nr. 42 (2023). S. 7. m.Abb.
      Naef Binz, Claudia: Jungkunst zieht um in die Halle 710 nach Neuhegi. In: Winterthurer Zeitung, Nr. 42 (2024). S. 11. m.Abb.
      Schepers, Lea: Im Herbst kommt die Jungkunst wieder nach Hegi. In: Hegi Info, Nr. 33 (2025). S. 41. m.Abb.

      Einträge 1991–2010

      Gründung: Winterthurer Zeitung 2006/29 m.Abb.
      4. Ausstellung: Landbote 2009/243 Interview Andreas Schmucki


Autor/In:
Nadia Pettannice
Letzte
Bearbeitung:
10.10.2026
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