Sport

René Meyer

Sportfunktionär, Politiker (1932–2022)

René Meyer war Sportfunktionär und Politiker. Seine Leidenschaft galt dem Sport, indem er in verschiedenen Sportarten aktiv war und sich später in über 40 Verbänden und Vereinen engagierte, darunter als Mitbegründer des Schweizerischen Handballverbandes. Politisch machte er sich als Stadtamman von Oberwinterthur einen Namen, ein Amt, das er von 1962 bis 1998 innehatte. Bei den Olympischen Spielen von 1988 und 1992 war er als Missionschef des Schweizer Teams im Einsatz.


Sterbeort
Winterthur

Geburtsort
Zürich

Geboren
07.04.1932

Gestorben
29.12.2022


1977 wurde Meyer zum Präsident der SHV gewählt und entsprechend vom Turnverein Oberi in Empfang genommen. 
Foto: zvg. Familie Meyer

Berufliche und politische Karriere

René Meyer wurde am 7. April 1932 in Zürich geboren. Im Alter von 10 Jahren zog er mit seinen Eltern nach Oberwinterthur. Dort übernahmen sie das Restaurant Rössli. Als Jugendlicher schloss sich René Meyer mit 14 Jahren dem Turnverein Oberwinterthur an. Dies war der Auftakt zu einer regen Vereinstätigkeit. Nach der Schule absolvierte er eine kaufmännische Lehre in der Drogerie Ernst zum Schneeberg in der Metzggasse. Anschliessend folgten einige Wanderjahre, bevor er eine leitende Position im Einkaufsbereich der Griesser AG, einem Unternehmen für Storen und Rolladen in Aadorf, übernahm. 1958 heiratete er Ruth, mit der er zwei Kinder hatte. Die Familie blieb in Oberwinterthur ansässig. 

René Meyer war auch politisch interessiert und trat der FDP bei. 1962 wählte ihn das Stimmvolk zum Stadtamman von Oberwinterthur. In dieser Funktion war er für den Vollzug von Verordnungen, die Durchführung von Versteigerungen und Betreibungen verantwortlich. Er behielt dieses Amt bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1998. Besonders in den letzten Jahren seiner Amtszeit stiegen die Herausforderungen, da die Zahl der Betreibungen während der Rezession in den 1990er Jahren stark zunahm. Nach seiner Pensionierung blieb Meyer politisch interessiert und schrieb ab und an pointierte Leserbriefe, die im Landboten publiziert wurden. 

Vom Lokalsport bis zu den Olympischen Spielen

Die grosse Leidenschaft von René Meyer war der Sport. Er engagierte sich in einer Vielzahl von Sportarten: Turnen, Handball, Faustball und Fussball waren nur einige davon. Im Verlauf seines Lebens war er in über 40 Verbänden, Vereinen und Clubs tätig. Im Turnverein Oberwinterthur und dem Fussballclub Oberwinterthur übernahm er führende Rollen. Weiter zählte er zu den Mitbegründer des Schweizerischen Handballverbandes (SHB), des Panathlon-Clubs Winterthur, der Schwimmbadgenossenschaf Oberwinterthur und der Winterthurer Sportlerehrung. Darüber hinaus prägte er die Saalbaugenossenschaft Oberwinterthur, die das Hotel-Restaurant Römertor betreute. Ebenfalls war er an der Gründung des Ortsvereins Oberwinterthur beteiligt und sass im Verwaltungsrat der Eulachhallen AG

Meyer war ein Organisationstalent und konnte verschiedene Menschen zusammenzubringen und für eine Sache begeistern. Beispielhaft dafür steht die von ihm initiierte Aktion  «TV Oberi spendet Blut», die über 25 Jahre lang erfolgreich durchgeführt wurde. Er bekleidete zudem Schlüsselpositionen in den Organisationskomitees von vier Eidgenössischen Turnfesten, darunter das Turnfest 1984 in Winterthur. Als Mitglied der Schweizer Faustball-Kommission und Schiedsrichterchef stand er bei vier Faustball-Weltmeisterschaften im Einsatz. Sein Wirken erstreckte sich auch auf die Turnverbände, wo er unter Anderem in der Technischen Kommission des Zentralkomitees des eidgenössischen Turnverbandes aktiv war.

Bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul und 1992 in Barcelona war Meyer als Missionschef des Schweizer Teams tätig, was ihm den Spitznamen «Olympia-Meyer» einbrachte. Einfach war seine Position dort nicht, da die Leistungen der Sportlerinnen und Sportler unter den Erwartungen blieben, was für harsche Kritik sorgte. Obwohl Meyer für die Winterspiele von 1994 bereits wieder als Missionschef gewählt war, trat er aufgrund vorgenommener Restrukturierungen nicht mehr an. 

Ein Leben für den Sport

Dem Sport blieb er  bis ins hohe Alter treu und war nach wie vor an vielen sportlichen Anlässen zugegen, so beispielsweise an den Handballspielen, wo er gerne am Seitenrand stand.  Besondere Freued hatte er an der Faustball-WM von 2019 in Winterthur, der er ebenalls als Zuschauer beiwohnte. 19 Vereine und Organisationen verliehen ihm die Ehrenmitgliedschaft. René Meyer hielt deshalb so manch eine Laudatio in den Verbänden oder berichtete aus seinem Leben. Im Gegenzug erhielt er ab und an auch bemerkenswerte Geschenke, wie beispielsweise 2011 das originale Saunaschild der Schwimmbadgenossenschaft Oberwinterthur. Auch sozial blieb er engagiert und stand über 13 Jahre lang als Rotkreuzdienstfahrer im Einsatz.

Am 29. Dezember 2022 verstarb Meyer im Alter von 90 Jahren. Wie wichtig er für den Sport in Winterthur und der Schweiz war, kam bei der Vergabe der Winterthurer Sport-Ehrungen von 2023 zum Ausdruck, wo ihm zu Ehren eine Schweigeminute abgehalten wurde. 


Benutzte und weiterführende Literatur

Kirchheim, Eva: René Meyer, in: Winterthurer Jahrbuch 2023, Zürich 2023, S. 107.
Stanger, Urs: Er lebte den Sport, in: Der Landbote, 13.01.2023.
Strehler, Remo: Zum Hinschied von René Meyer, in: Obery Zytig, Februar 2023.
Naef-Binz, Claudia: Badekappe obligatorisch, in: Der Landbote, 29.09.2011.
Graf, Michael: Ende Saison geht der Ofen aus, in: Der Landbote, 11.08.2011.
em.: Fast ein Drittel mehr Betreibungen als 1990, in: Neue Zürcher Zeitung, 25.04.1997.
o.A.: Sofortmassnahmen im SOK, in: Neue Zürcher Zeitung, 12.12.1992.


Bibliografie


Autor/In:
Nadia Pettannice
Letzte
Bearbeitung:
02.12.2023