Hotels und Gastronomie

Römertor

Guggenbühlstrasse 6

Nach dem Zweiten Weltkrieg gründeten Oberwinterthurer 1946 die Saalbaugenossenschaft. Sie engagierten sich für den Bau eines grösseren Veranstaltungssaals für kulturelle und politische Anlässe in Oberwinterthur. Nachdem erste Projekte an der Finanzierung gescheitert waren, beschloss die Stadt Winterthur Anfang der 1960er Jahre das Projekt zu unterstützen. 1970 konnte das Römertor eingeweiht werden. 2007 verkaufte die Stadt das Restaurant mit Saal. 2017 machte die Stadt von ihrem Vorverkaufsrecht gebraucht und erwarb das Römertor erneut.


Baujahr
1970


Adresse
Römertor
Guggenbühlstrasse 6
8404 Winterthur

Hotel Römertor im Bau, 1960er. Foto: winbib, Michael Speich (Signatur FotSpeich_008-119)

Gründung der Saalbaugenossenschaft Oberwinterthur

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich der Stadtteil Oberwinterthur stark. Mit dem Anstieg der Bevölkerung wuchs auch das Bedürfnis nach einem grossen Veranstaltungssaal für kulturelle, sportliche und politische Anlässe. Der Saal des Kirchgemeindehauses, der bis dahin von vielen Vereinen genutzt worden war, wies zu wenig Kapazität auf. Aus diesem Missstand heraus gründeten einige Oberwinterthurer 1946 die Saalbaugenossenschaft Oberwinterthur (SGO). Zum Präsidenten wählte sie Ernst Hoerni-Gebendinger, der Chef der gleichnamigen Oberwinterthurer Firma Gebendinger & Hoerni. Er engagierte sich bereits 1944 für einen grösseren Veranstaltungssaal in Oberwinterthur. Als Genossenschaftszweck definierte die Saalbaugenossenschaft die Errichtung und den Betrieb eines Saales um das gesellschaftliche Leben in Oberwinterthur zu fördern und dafür zu sorgen, dass sich die Bevölkerung persönlich kennenlernt.

Die ersten Projekte

1946 startete die Saalbaugenossenschaft ihr erstes Projekt. Ziel war es, an der Frauenfelderstrasse 30 einen Saal für gesellschaftliche Anlässe zu bauen. Die Kosten für das Projekt beliefen sich auf 870'000 Franken. Aufgrund fehlender Finanzen und weil die Stadt Winterthur zögerte, sich am Projekt zu beteiligen, scheiterte es. 1951 unternahm die Saalbaugenossenschaft einen weiteren Anlauf. Die Stadt Winterthur schlug daraufhin vor, in Oberwinterthur nicht nur einen Saal zu bauen, sondern diesen mit einem Restaurant, Hotelzimmern und einem Hochhaus mit Wohnungen zu kombinieren. Als Baufläche schlug die Stadt das städtische Grundstück auf dem Schiltwiesenareal zwischen Frauenfelderstrasse und Guggenbühlstrasse vor. Das Grundstück, das in zwei Teile aufgeteilt werden sollte, war ideal gelegen zwischen dem alten Dorfteil und den neuen grossen Quartieren an der Stadler- und Frauenfelderstrasse. Zudem war die Nähe zum Bahnhof und zur Bushaltestelle gegeben. Auf dem einen Teil sollte ein privater Bauherr das Hochhaus mit den Wohnungen und den Hotelzimmern erstellen. Auf dem anderen Teil wollte die Stadt Winterthur den Saal und das Restaurant bauen. 1955 stimmte der Grosse Gemeinderat einer teilweisen Übernahme der Projektierungskosten zu, und Josef Morger erklärte sich bereit, den Bau des Hochhauses mit Wohnungen und einigen Hotelzimmern zu übernehmen. Das Projekt stagnierte, nachdem Differenzen zwischen der Stadtgemeinde, Morger und dem für das Projekt engagierten Architekten Edwin Bosshard aufgetreten waren. 1959 löste ein vom Immobilienbesitzer und Kunstsammler Bruno Stefanini geleitetes Konsortium Josef Morger ab.

Das Bedürfnis nach einem neuen Saal ist gross

Anfangs der 1960er Jahre bat die Saalbaugenossenschaft den Stadtrat erneut um Hilfe und setzte sich abermals mit interessierten Kreisen aus Oberwinterthur zusammen. 1961 forderte die Saalbaugenossenschaft die Oberwinterthurer:innen auf, Anteilscheine der Genossenschaft zu zeichnen, da die städtische Beteiligung am Projekt unter anderem davon abhing, wie viel finanzielle Mittel die Genossenschaft an den Bau beisteuern konnte. Bis 1966 konnte die Genossenschaft 2000 Anteilscheine zeichnen. Damals existierten über dreissig Vereine in Oberwinterthur, die das Bedürfnis nach einem grösseren Saal äusserten.

Bauprojekt und Abstimmung 1966

Im April 1966 stellte der Stadtrat dem Grossen Gemeinderat den Bauantrag vor. Für die Planung des Projekts engagierte er die Architekten Edwin Bosshardt und Robert Steiner. Sie entwarfen ein 29,6 Meter hohes Wohnhochhaus mit zehn Stockwerken und einem quer dazu stehenden eingeschossigen Restaurant- und Saalanbau. Vor dem Gebäude planten sie einen grossen Platz für Feste und zum Parkieren, sowie Läden im Erdgeschoss. Neben zwölf Einzelzimmern für die Gäste des Restaurationsbetriebs waren 56 Wohnungen vorgesehen, und auf dem Flachdach des Restaurants sollte ein Spielplatz entstehen. Am 22. Mai 1966 stimmte das Volk über den Bau des Saals mit Restaurant ab. Die Vorlage für einen Kredit von 4'570'000 Franken wurde mit 8'736 Stimmen Ja zu 6'252 Stimmen Nein von der Stimmbevölkerung angenommen. Kurz darauf starb Ernst Hoerni-Gebendinger, der sich zusammen mit Bruno Stefani am Bau des Hochhauses beteiligen wollte. In der Folge übernahm das Architekturbüro der Terresta AG von Bruno Stefanini den Bau. Im Februar 1967 wurde die Baubewilligung erteilt. Nach einigen Verzögerungen konnte die Terresta AG 1968 mit dem Bau des Hochhauses beginnen. Im Mai 1969 wurde mit dem Bau des Saals mit Restaurant gestartet.

Einweihung mit grossem Fest

Im November 1970 wurde der als Einheit konzipierte Bau nach den Plänen des Architekturbüros von Edwin Bosshardt und Robert Steiner mit einem grossen Fest eingeweiht. Das Römertor bestand damals aus einem knapp 30 Meter hohen Hochhaus mit 10 Stockwerken und einem quer dazu gestellten anderthalbgeschossigen Restaurant- und Saalbau. Die beiden Bauteile umgrenzen gegen die Frauenfelderstrasse einen Vorplatz, der dem Restaurant- und Saalbetrieb als Terrasse diente und 52 Parkplätze bot. Im Erdgeschoss des Hochhauses gab es Läden und eine Filiale der Schweizerischen Bankgesellschaft. Im ersten Stock des Hochhauses befanden sich sechzehn Einzelzimmer und sechs Doppelzimmer mit insgesamt 28 Hotelbetten. In den Saal gelangte man über den Vorplatz durch eine Eingangshalle mit Garderobe und Kasse direkt über das nach Süden ausgerichtete Foyer. Insgesamt hatten im Saal bei Essbestuhlung 500 Gäste Platz und bei Konzertbestuhlung sogar 800. Die Bühne und die Nebenbühne waren über einen Eingang an der Frauenfelderstrasse, Restaurant und die Hotelrezeption von der Guggenbühlstrasse und dem Parkplatz her zugänglich. Das Restaurant bot 90 Sitzplätze. Im Untergeschoss gab es eine urige Kegelstube. Um den Betrieb des Restaurants und des Saals kümmerte sich hauptsächlich die Saalbaugenossenschaft. Letztlich war jedoch die Stadt Winterthur für den Saal und das Hotel zuständig.

Verkauf und Wiederkauf

Im Jahr 2004 schrieb der Stadtrat im Rahmen eines Sparprogramms das Restaurant mit Saal zum Verkauf aus. Im Juli 2007 kaufte das Pächterehepaar mit der Auflage, den Wirtschaftsbetrieb und die bisherige Saalnutzung zu erhalten. Das Hochhaus mit den Wohnungen blieb derwil weiterhin im Besitz von Bruno Stefanini. Mit dem Verkauf des Restaurants mit Saal löste sich die Saalbaugenossenschaft Oberwinterthur auf, die es bis dahin fast vierzig Jahre lang verwaltet und unterhalten hatte. Viele der engagierten Genossenschafter leisteten die Arbeit ohne Entschädigung und Spesenvergütung. Der durch die Genossenschaft erzielte Liquidationserlös von fast eine halben Million Franken übertrug die Genossenschaft der Stadtkasse. Im Jahr 2013 wurde das Römertor ins Inventar der schutzwürdigen Bauten aufgenommen. Gut zehn Jahre später wollten die neuen Besitzer des Römertors das Restaurant mit Seminar- und Festsaal, zwei Kegelbahnen sowie 50 Parkplätzen wieder verkaufen. Die Stadt Winterthur nahm daraufhin ihr Vorverkaufsrecht wahr und kaufte die Liegenschaft mit dem Ziel, das Gebäude städtebaulich aufzuwerten, für 1,6 Millionen Franken zurück. Dies entsprach dem selben Preis, für welchen sie das Gebäude 2007 verkauft hatten. Bis die Schutzwürdigkeit geklärt ist, hatte die Stadt vor das Gebäude zwischenzunutzen. Das Restaurant und der Saal wurden mit der Übernahme durch die Stadt geschlossen, und die Hotelzimmer im Hochhaus, das zu diesem Zeitpunkt immer noch Bruno Stefanini gehörte, wurden gekündigt. Im Jahr 2017 mietete die Hutter Auto das Restaurant für fünf Jahre, um dort während ihres Umbaus Büroprovisorien einzurichten und den Saal sowie die Terrasse als Ausstellungsraum zu nutzen. Nachdem Auszug von Hutter Auto im Jahr 2022 vermietet die Stadt das Gebäude an den Discounter Aldi. Dieser baute in der Folge den ehemaligen Saal und das Restaurant für seine Zwecke um.

Benutzte und weiterführende Literatur

Dahinden, Marc; Hirsekorn, Till: Quartierentwicklung in Winterthur: Stadt vermietet Römertor an Aldi. In: Landbote, 3.4.2022.
Der Römtertor-Saal wird ein Auto-Showroom. In: Der Landbote, 30.9.2017.
Hudec, Tanja: Hutter Auto mietet das «Römertor». In: zuriost, 29.9.2017.
Die Stadt kauft das Römertor zurück. In: Der Landbote, 4.3.2017.
Stadt Winterthur sichert sich das Restaurant Römertor. In: Züriost, 3.3.2017.
Plüss, Mirko: Neue Wirte fürs Römerto gesucht. In: Der Landbote, 25.5.2016.
Gmür, Martin: Auch Betonbauten können Denkmäler sein. In: Der Landbote, 12.12.2013.
Meyer, René: Dank der Stadt ist ausgeblieben. In: Der Landbite, 5.7.2007.
Römertor verkauft. In: Tagesanzeiger, 2.7.2005.
Schmid, Jürg: Ein Käser kauft Winterthurer Ausflugsbeiz. In: Tagesanzeiger, 26.3.2005.
Gmür, Martin: Sieben Restaurants weniger. In: Tagesanzeiger, 7.4.2004.
Saalbaugenossenschaft Oberwinterthur jubiliert. In: Neue Zürcher Zeitung, 29.4.1996.
Auch Oberwinterthur hat einen Saal. Festliche Einweihung von Hotel und Restaurant «Römertor». In: Der Landbote, 23.11.1970.
Gross, Heiner: Grundsteinlegung zum Saalbau Oberwinterthur. In: Der Landbote, 19.5.1969.
Am Oberwinterthurer Saalbau wurde begonnen. In: Der Landbote, 16.5.1969.
Saalbau-Genossenschaft Oberwinterthur. In: Der Landbote, 18.4.1968.
Der Oberwinterthurer Saalbau – dringend und verdient! In: Der Landbote, 16.5.1966.
Stadt Winterthur. Der Saalbau Oberwinterthur als Anliegen der ganzen Stadt. In: Der Landbote, 12.5.1966.
Saalbau Oberwinterthur. In: Der Landbote, 4.5.1966.
Stadt Winterthur. Kreditvorlage für den Saalbau Oberwinterthur. In: Der Landbote, 13.4.1966.
Stadt Winterthur. Kreditvorlage für den Saalbau Oberwinterthur. In: Der Landbote, 12.4. 1966.
Bausteine für einen Saalbau in Oberwinterthur. In: Der Landbote, 22.6.1961.

Bibliografie

    Römertor, Hotel, Guggenbühlstrasse 6, Saalbaugenossenschaft Oberwinterthur

    • Einträge 1991–2010

      Sanierung: Anträge, Anfragen und Interpellationen des Grossen Gemeinderates Winterthur 1993/1 m.Plänen. - Landbote 1993/4, 101, 140, 280 m.Abb. - Oberi Zytig 1993/99 m.Abb.
      25 Jahre: Landbote 1996/106


Autor/In:
Karin Briner
Letzte
Bearbeitung:
22.01.2026