Wohnhäuser

Villa Neue Rosenau

Römerstrasse 23

Das alte Bauerngut «Zur Rosenau» gehörte dem Stadtrat und Topographen Jakob Melchior Ziegler. Von 1842-1872 befand sich in der Liegenschaft die topographische Anstalt Wurster & Cie. Nach deren Abriss 1895 bauten die Winterthurer Architekten Ernst Jung und Otto Bridler im Auftrag des Stadtnotars Ulrich Denzler die Backsteinvilla "Neue Rosenau".


Baujahr
1895


Adresse
Villa «Neue Rosenau»
Römerstrasse 23
8400 Winterthur

Dr. phil. Jakob Melchior Ziegler-Steiner 1801-1883 erbte das Bauerngut Rosenau von seinem Vater.
Foto: winbib (Signatur 173262)

Vom Bauerngut zur lithografischen Anstalt

Die Häuser «Zum Palmgarten» und «Zur Rosenau» standen im 19. Jahrhundert auf demselben Grundstück. Das um 1800 erbaute Bauerngut «Zur Rosenau» war das Pächterhaus des "Palmengartens". Zu den Liegenschaften gehörten eine Scheune, ein Stall, eine Remise und ein Holzschopf. Beide Häuser waren anfangs des 19. Jahrhunderts im Besitz des angesehenen und wohlhabenden Baumwollhändlers und Stadtrats Melchior Ziegler. Nach seinem Tod im Jahr 1824 erbte das Grundstück mit den beiden Liegenschaften und Nebengebäuden sein Sohn Jakob Melchior Ziegler (1801–1883). Als Geograf und Kartograf gründete er 1842 zusammen mit dem Lithografen Johann Ulrich Wurster (1824-1880) die lithografische Firma Wurster und Compagnie. Als Firmensitz und Arbeitsort nutzten die beiden das ehemalige Bauerngut "Zur Rosenau". Sie richteten im Haus ein Atelier und Arbeitsräume ein. In den Nebengebäuden brachten sie Pressen und Steine unter. 1872 zügelte die Firma an die Geiselweidstrasse. Nach seinem Tod verkauften die Erben von Jakob Ziegler die Liegenschaften «Zum Palmgarten» und «Zur Rosenau» mit Holzschöpfen, einem Eiskeller, einem Waschhaus, Gartenanlagen und Wiesen im Jahr 1895 an den Kreiskommandanten Johann Knopfli aus Zürich. Johann Knopfli verkaufte die beiden Häuser kurz darauf weiter. Das Haus "Zum Palmengarten" ging an A. Klinger vom "Huber Liegenschaftshandel". Das Grundstück "Zur Rosenau" kaufte der Stadtnotar Johann Ulrich Denzler (1851–1927).  

Die englische Villa «Neue Rosenau»

Auf dem Grundstück an der Römerstrasse 23 liess Johann Ulrich Denzler (1851–1927) anstelle des alten Bauernguts «Zur Rosenau»  durch die Architekten Ernst Jung und Otto Bridler eine kleine Villa bauen. Mit seinem Vorhaben war er nicht allein. Zwischen der Römerstrasse, der Pflanzschulstrasse, der Seidenstrasse und der Hermannstrasse errichteten damals viele Angehörige des gehobenen Bürgertums kleine Villen. Neben Akademiker schufen vor allem Kaufleute, Anwälte und Notare im stadtnahen Quartier repräsentative Wohnsitze. Zwei Drittel der Villen, die zwischen 1888 und 1903 im Seidenquartier entstanden, stammten aus dem Architekturbüro Jung und Bridler. Zur gleichen Zeit wie die Villa "Neue Rosenau" bauten Jung und Bridler die Villa Lindeneck und die Villa Jungheim. Beim Bau der Villen liessen sich die Architekten von der englischen Architektur beeinflussen. So weisen alle drei Villen bei der Gliederung und der Dachgestaltung ähnliche Merkmale auf: Die Villen haben abwechslungsreiche Strukturen und verschachtelte Baukörper.

Für Denzlers zweigeschossige Kleinvilla mit neun Zimmern verwendeten die Architekten dunkelroten Sichtbackstein. Für die Verzierungen der schlichten, glatten Fassade nutzten sie hellen Backstein. Das Dach gliederten sie reich und statteten es mit knappen Dachvorsprüngen aus. Auffallend ist der achteckige Eckturm mit Spitzhelm. Im Auftrag von Barbara Louise Denzler, der Frau von Ulrich Denzler, errichteten sie neben dem Haus einen Hühnerstall und Bienenhäuser. Der alten Garten mit Teich, Brunnen, Obstbäumen und Sträuchern des Bauernguts «Zur Rosenau» blieb bestehen. 


Die Tochter von Johann Ulrich und Barbara Louise Denzler, die Historikerin Alice Denzler, bewohnte die Villa nach dem Tod ihrer Eltern noch bis 1953. Nachdem Alice Denzler weggezogen war, wurde 1953 der Haupteingang verlegt. Zudem wurde an der Nordwestecke eine Garage angebaut. 2013 wurde die Villa umfassend saniert und in drei Wohnungen sowie ein Büro unterteilt. Die Villa ist im städtischen Inventar der Denkmalpflege aufgeführt und als kommunales Schutzobjekt eingestuft.


Benutzte und weiterführende Literatur

Flury-Rova, Moritz. Backsteinvillen und Arbeiterhäuser. Der Winterthurer Architekt Ernst Jung 1841–1912 (Neujahrsblatt der Stadtbibliothek Winterthur 339), Zürich 2008
Denkmalpflege der Stadt Winterthur: Schutzwürdige Bauten der Stadt Winterthur. Nachschlagewerk für Eigentümerinnen und Eigentümer, Planende und Kulturinteressierte. 2006
Schoch, Jürg: Die landwirtschaftliche Armenschule im Loo bei Oberwinterthur (1838-1920). Winterthurer Jahrbuch, 1990
Denzler, Alice: Aus dem Leben meiner Eltern. 
Häuserkartei

Bibliografie


Autor/In:
Karin Briner
Letzte
Bearbeitung:
09.10.2026
Nutzungshinweise
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