Kunst und Kultur

Johann Jacob Rieter-Stiftung

Klosterstrasse 14

Die Johann Jacob Rieter-Stiftung wurde 1963 gegründet und fördert gezielt das regionale Kunstschaffen im Grossraum Winterthur durch Kunstankäufe und finanzielle Unterstützung. Ihre mehrere hundert Werke umfassende Sammlung konzentriert sich auf Winterthurer Kunst und ist in der ehemaligen Klostermühle in Töss untergebracht.


Gründungsdatum
12.10.1963


Adresse
Johann Jacob Rieter-Stiftung
Klosterstrasse 14
8406 Winterthur

Gründung und Förderauftrag

Die Johann Jacob Rieter-Stiftung wurde am 12. Oktober 1963 ins Leben gerufen. Gemäss Stiftungsurkunde unterstützt sie gemeinnützige, kulturelle und wissenschaftliche Institutionen und Projekte mit dem geografischen Fokus auf den Grossraum Winterthur. Einen besonderen Stellenwert nimmt dabei die bildende Kunst ein. Die Stiftung fördert kulturelles Schaffen durch finanzielle Beiträge und erwirbt auch selbst Kunstwerke. Ziel ist es, regionalen Künstler:innen öffentliche Sichtbarkeit zu ermöglichen und Institutionen zu stärken, die entsprechende Plattformen bieten.

Die Kunstsammlung

Die Sammlung der Johann Jacob Rieter-Stiftung umfasst über 600 Positionen. Neben zweidimensionalen Kunstwerken wie Zeichnungen, Grafiken und Gemälde sammelt die Stiftung auch Skulpturen und Plastiken. Der Schwerpunkt liegt auf Winterthurer Kunst. In ihrer Ausrichtung ist die private Sammlung mit der Kunstsammlung der Stadt Winterthur vergleichbar, mit dem Unterschied, dass die Stiftung keine Kunst-am-Bau-Werke in Auftrag gibt.

Die Sammlung verfolgt keine repräsentativen Zwecke. Gemäss Stiftungssatzung sollen die Ankäufe einerseits das lokale Kunstschaffen fördern, andererseits die Firmenräumlichkeiten ausstatten und Mitarbeitenden wie Besucher:innen Freude bereiten. In den Vergaberichtlinien wird betont, dass Kunst Diskussionen anregen dürfe, jedoch weder provozieren noch von der Arbeit ablenken solle. Berücksichtigt werden ausschliesslich professionelle Kunstschaffende aus der Region, um auch persönliche Begegnungen und Atelierbesuche zu ermöglichen.

Ankaufspraxis und Prägungen

Über die Ankäufe entscheidet eine vom Stiftungsrat eingesetzte Kunstkommission. In den Anfangsjahren wurden vor allem Lithografien als Büroschmuck erworben, später vermehrt Gemälde und vereinzelt Installationen. Bei Grossformaten spielte der konkrete Bestimmungsort von Beginn an eine zentrale Rolle.

Der Sammlungsbestand ist – anders als bei Museumssammlungen – stark durch zeitgenössische Vorlieben und auch durch spontane Entscheidungen geprägt. Einen engen Bezug zur Maschinenfabrik Rieter hatten insbesondere die in Töss tätigen Künstler Hans Affeltranger, Bendicht Fivian und Georges Wenger, deren Ateliers sich in unmittelbarer Nähe des Produktionsstandorts befanden. Diese räumliche Nähe erleichterte den persönlichen Austausch zwischen Kunstschaffenden und Sammlungsverantwortlichen.

Eine prägende Figur für die Sammlung war Jürg Wieser, langjähriger Personalleiter der Maschinenfabrik Rieter AG und Mitglied des Stiftungsrats von 1975 bis 2008. Mit seinem vertieften Interesse am Winterthurer Kunstschaffen beeinflusste er die Sammlung nachhaltig. Bedeutenden Einfluss auf die Weiterentwicklung der Sammlung hatte auch Jürg Bischofberger, langjähriger Stiftungsratspräsident, der sein Amt 2024 an Reto Thom übergab.

Historische Bestände und heutiger Standort

Ein Teil der Sammlung besteht aus historischen Gemälden, Zeichnungen und Druckgrafiken des 19. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die die vor- und frühindustrielle Entwicklung von Töss dokumentieren. Ergänzt werden diese durch zahlreiche Darstellungen des Firmenareals der Rieter Holding AG aus unterschiedlichen Zeiten, die in ihrer Gesamtheit einen künstlerischen Zeitraffer über mehr als ein Jahrhundert bilden.

Seit 2024 ist die Sammlung in der ehemaligen Klostermühle in Töss untergebracht. Die renovierten Räumlichkeiten sind auf mehreren Etagen mit Werken aus der Sammlung bespielt. Das oberste Geschoss dient als Kunstdepot für nicht ausgestellte Werke; einzelne Arbeiten befinden sich im Campus-Gebäude oder sind an Dritte ausgeliehen. Bereits 2020 wurde ein Teil der Sammlung erstmals öffentlich in der Villa Flora präsentiert.


Benutzte und weiterführende Literatur

Dworschak, Helmut: Villa Flora Winterthur: Perlen aus der Rieter-Sammlung, in: Der Landbote, 28.08.2020.
Anwander, Thomas: Rieter-Stiftung vergibt Beiträge doppelt, in: Der Landbote, 26.03.2020.
Reinhart, Regula: Wenig bekannt und doch unverzichtbar, in: Der Landbote, 21.08.2019.

Bibliografie


Autor/In:
Lucia Angela Cavegn
Letzte
Bearbeitung:
03.02.2026
Nutzungshinweise
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